US-Präsident Trump und die britische Premierministerin May während des Staatsbesuchs in London Anfang Juni | Bildquelle: AFP

Memos an britische Regierung Botschafter nennt Trump "unfähig"

Stand: 07.07.2019 12:41 Uhr

"Dysfunktional", "ungeschickt" und "unfähig": Der britische Botschafter in den USA geht mit der Trump-Administration hart ins Gericht. Laut "Mail in Sunday" sagt er dem Präsidenten ein "schmachvolles Ende" voraus.

Der britische Botschafter in den USA, Kim Darroch, hat die Regierung von US-Präsident Donald Trump einem Zeitungsbericht zufolge in vertraulichen Berichten als "unfähig" bezeichnet. In Memos des Botschafters an das Außenministerium in London, die der britischen Zeitung "Mail on Sunday" zugespielt wurden, nannte er Trump und seine Regierung "inkompetent" und "einzigartig dysfunktional".

Der Zeitung zufolge schrieb Darroch in einer Einschätzung von 2017: "Vom jetzigen Standpunkt aus gesehen glauben wir nicht wirklich, dass diese Regierung wesentlich normaler, weniger dysfunktional, weniger unvorhersehbar, weniger gespalten, weniger diplomatisch plump und ungeschickt werden wird."

In den Berichten, die von 2017 bis in die Gegenwart reichen, rät er den Beamten in London, dass man, um effektiv mit ihm umzugehen, "seine Punkte einfach, sogar stumpf" machen muss.

Kim Darroch (Archivbild) | Bildquelle: picture alliance / empics
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Kim Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten.

"Geblendet" vom Staatsbesuch

Über den umstrittenen Staatsbesuch Trumps in Großbritannien im vergangenen Monat heißt es, Trumps Team sei "geblendet" von dem Besuch. Der Botschafter warnte demnach jedoch davor, dass dies nicht lange so bleiben werde, weil "das immer noch das Land des America First" sei.

Während des Staatsbesuchs sprach Trump von "besonderen Beziehungen" zwischen den beiden Ländern und versprach ein "phänomenales" Handelsabkommen, wenn Großbritannien die Europäische Union verlassen hatte.

"Anfang einer Abwärtsspirale"?

Darroch betont der Zeitung zufolge mit Blick auf Trump: "Für einen Mann, der in das höchste Amt des Planeten aufgestiegen ist, strahlt Präsident Trump Unsicherheit aus." Medienberichte über "Messerkämpfe" im Weißen Haus seien "größtenteils wahr".

Er halte es für möglich, dass die Trump-Präsidentschaft "abstürzen" und "schmachvoll enden" könnte, schrieb Darroch: "Wir könnten auch am Anfang einer Abwärtsspirale stehen und nicht nur an einer Achterbahn." Gleichzeitig warnte er aber davor, Trump abzuschreiben. Er sagte, Trump könne "wie Schwarzenegger im 'Terminator' aus den Flammen auftauchen - geschlagen, aber intakt".

Königin Elizabeth II. und US-Präsident Trump beim Staatsbesuch in Großbritannien Anfang Juni | Bildquelle: REUTERS
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Königin Elizabeth II. empfing Trump während des Staatsbesuchs Anfang Juni.

Angriff auf Iran weiterhin möglich

Darroch beschrieb auch die Verwirrung innerhalb der Regierung über Trumps Entscheidung, einen Militärschlag gegen den Iran abzubrechen, und dass der Präsident die Anzahl der prognostizierten Opfer als Grund für seine Entscheidung nannte.

Es sei "wahrscheinlicher, dass er nie vollständig an Bord war und sich Sorgen darüber machte, wie diese offensichtliche Umkehr seiner Wahlversprechen für 2016 bis 2020 aussehen würde", schrieb der Botschafter und fügte hinzu, dass Trump immer noch einen Konflikt mit dem Iran auslösen könnte.

"Nur ein weiterer iranischer Angriff irgendwo in der Region könnte eine weitere Kehrtwende von Trump auslösen. Darüber hinaus würde der Verlust eines einzigen amerikanischen Lebens wahrscheinlich einen entscheidenden Unterschied ausmachen."

Außenministerium dementiert nicht

Das britische Außenministerium stellte die Echtheit der Vermerke nicht in Frage. "Die britische Öffentlichkeit erwartet von unseren Botschaftern, dass sie Minister mit einer aufrichtigen, ungeschminkten Einschätzung der Politik in ihrem Land versorgen", sagte eine Ministeriumssprecherin. "Ihre Sichtweisen sind nicht notwendigerweise die Sichtweisen der Minister oder der Regierung", sagte sie und ergänzte: "Wir bezahlen sie dafür, dass sie ehrlich sind."

Darroch gilt als einer der erfahrensten britischen Diplomaten und trat seinen Posten in Washington im Januar 2016 an. Laut "Mail on Sunday" wurden die Memos vermutlich von einem Mitglied des britischen Beamtenapparats durchgestochen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Juli 2019 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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