Helfer beseitigen Schutt nach Zerstörungen mutmaßlich durch Regierungstruppen in der Stadt Al Habit in der syrischen Povinz Idlib. | Bildquelle: AFP

Krieg in Syrien Zehntausende nach Luftangriffen auf der Flucht

Stand: 10.09.2018 18:40 Uhr

Syrische Regierungstruppen haben erneut Ziele in der Rebellenprovinz Idlib bombardiert. Viele Menschen fliehen vor der Angriffen. Bis zu 30.000 Zivilisten sind seit Anfang des Monats bereits vertrieben worden.

Luftangriffe syrischer Regierungskräfte auf Rebellengebiete im Nordwesten haben nach Angaben von Beobachtern und Rettern mehrere Menschen verletzt und weitere in die Flucht getrieben. Bei einer Attacke auf das Dorf Hisch seien elf Personen verletzt worden, teilte die Rettungsorganisation Weißhelme mit.

Die in Großbritannien beheimatete syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, Bombardements in den Provinzen Idlib und Hama hätten mehrere Menschen vertrieben. Die UN bezifferte die Zahl der in diesem Monat innerhalb der Region Geflohenen auf bis zu 30.000.

"Vorläufige Berichte" zeigten, dass viele Familien seit Anfang September aus der Region um die strategisch wichtige Stadt Dschisr al-Schughur im Süden der Provinz vertrieben wurden. Sie seien in weiter nördlich gelegene Teile der Region gezogen, sagte Linda Tom vom UN-Nothilfebüro Ocha der Nachrichtenagentur dpa. Auch aus dem Norden der angrenzenden Provinz Hama seien viele Menschen geflohen.

Zerstörungen in der Stadt Al Habit, Provinz Idlib, Syrien | Bildquelle: AFP
galerie

Zerstörungen in der Stadt Al Habit, Idlib. In der Provinz leben mehr als drei Millionen Menschen. Etwa die Hälfte wurden aus anderen Gebieten Syriens vertrieben.

Lange Vorbereitung auf eine Offensive

Die von Russland und dem Iran unterstützen Truppen des Präsidenten Bashar al-Assad bereiten sich seit Wochen auf eine Offensive gegen die letzte Rebellenhochburg in Syrien vor. Dort leben mehr als drei Millionen Menschen, von denen etwa die Hälfte aus anderen Gebieten Syriens vertrieben wurden.

Auf Flugblättern wurden die Rebellen aufgerufen, die Waffen niederzulegen. Im Falle eines Großangriffs werden riesige Flüchtlingsströme in Richtung der angrenzenden Türkei befürchtet, die ihre Grenzen jedoch geschlossen hält.

UN warnen vor schweren Verlusten

Die Vereinten Nationen warnten, ein Großangriff auf die Region könne zum bislang schwersten Verlust an Menschenleben in diesem Jahrhundert führen. "Es müssen Wege gefunden werden, mit diesem Problem umzugehen, damit die kommenden Monate in Idlib nicht zur schlimmsten humanitären Katastrophe werden", sagte der UN-Untergeneralsekretär für humanitäre Angelegenheiten, Mark Lowcock.

Die Regierung in Damaskus droht, die Provinz einzunehmen, nachdem zuletzt diplomatische Versuche für eine Entspannung gescheitert waren. Am Wochenende hatte die syrische Luftwaffe zusammen mit Kampfjets der verbündeten Russen heftige Angriffe auf Idlib geflogen.

Syrien und sein Verbündeter Russland wollen in Idlib nach eigenen Angaben "Terroristen" bekämpfen. In der Region ist die mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbundene Miliz Haiat Tahrir al-Scham (HTS), die sich früher Al-Nusra-Front nannte, sehr stark.

Soldaten der Freien Syrischen Armee in einem Unterschlupf in der Povinz Idlib in Syrien | Bildquelle: dpa
galerie

Soldaten der Freien Syrischen Armee in einem Unterschlupf. Die Regierung in Damaskus will nach eigenen Angaben in Idlib "Terroristen" bekämpfen.

Neue Vermittlungen in Genf

In Genf empfing UN-Vermittler Staffan de Mistura Vertreter aus Russland, dem Iran und der Türkei zu Beratungen. Zunächst waren informelle Treffen mit den einzelnen Delegationen geplant, erst morgen sollen dann formelle Gespräche folgen. Details wurden zunächst nicht bekannt.

Aus Rebellenkreisen verlautete, dass es weiterhin Verhandlungen zwischen der HTS-Miliz und der Türkei gebe. Um eine Offensive auf Idlib zu verhindern, gilt es als mögliches Szenario, dass Ankara seinen Einfluss auf die Aufständischen dafür nutzt, diese zu einer Selbstauflösung zu bewegen. Den Quellen zufolge sind die Extremisten aber gespalten: Ein Teil der Miliz sei einem Deal gegenüber offen, der andere wolle bis zum Ende kämpfen.

Ein HTS-Sprecher hielt sich auf Anfrage bedeckt, schloss eine mögliche Vereinbarung mit der Türkei aber auch nicht aus.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. September 2018 um 18:00 Uhr.

Darstellung: