Der Flugzeugbauer Boeing

Nach Absturz zweier 737 Max 8 Boeing am Boden

Stand: 12.03.2019 10:01 Uhr

Die Zweifel an der Boeing 737 Max 8 werden nach dem erneuten Absturz immer lauter. Experten warnen, viele Länder erlassen Flugverbote. Boeing will mit einem Software-Update reagieren. Ob das reicht?

Software-Update gegen die Zweifel. Der US-Flugzeugbauer Boeing will seine umstrittene 737 Max 8 überarbeiten. In einer Mitteilung in der Nacht erklärte Boeing, man werde in den kommenden Wochen das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System (MCAS) aktualisieren. Außerdem werden das Training der Crews und die Handbücher angepasst.

In den vergangenen Monaten habe Boeing ein verbessertes Kontrollprogramm entwickelt, um "ein bereits sicheres Flugzeug noch sicherer zu machen", teilte das Unternehmen mit. Einen Zusammenhang zwischen Software-Update und dem Absturz der Ethiopian-Airlines-Maschine stellte das Unternehmen jedoch nicht her.

Maschine in vielen Ländern auf dem Boden

Boeing war unter Druck geraten, nachdem immer mehr Länder und Fluglinien ein Grounding - also ein Flugverbot - angeordnet hatten. Allen voran China. Das Land ist einer der wichtigsten Abnehmer für den Boeing-Verkaufsschlager und ist angesichts des Absturzes eines Lion-Air-Flugs im Oktober in Indonesien skeptisch. Die chinesische Luftfahrbehörde CAAC verwies in ihrer Begründung darauf, dass es bei beiden Unglücken "gewisse Ähnlichkeiten" gegeben habe. Beide Flüge waren bei guten Wetterverhältnissen kurz nach dem Start in Schwierigkeiten gekommen. Ein möglicherweise ähnlicher Fehler in der Elektronik kann bislang nicht ausgeschlossen werden.

Auch Australien, Indien oder Mexiko ordneten inzwischen ein Start- und Landeverbot an. Sie alle haben Bedenken, weil gleich zwei neue Maschinen des Typs innerhalb eines halben Jahres verunglückten. Auf dem Flughafen Singapur - einem der größten weltweit - dürfen bis auf Weiteres keine Passagiermaschinen des Typs Boeing 737 Max 8 mehr starten und landen.

Michael Immel, HR, zum Flugzeugabsturz in Äthiopien
tagesschau24 15:00 Uhr, 11.03.2019

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Experten zweifeln an der Boeing 737 Max 8

Die US-Behörden stärkten Boeing dagegen den Rücken. Die amerikanische Luftfahrtaufsichtsbehörde FAA bescheinigte der 737 Max 8 ungeachtet des Absturzes zweier Maschinen die Flugtauglichkeit. Gleichzeitig fordert sie den Flugzeugbauer zu Änderungen an Maschinen dieses Typs auf. Nötig seien unter anderem Änderungen an der Software und am Kontrollsystem MCAS. Dafür setzte die FAA dem Unternehmen eine Frist bis Ende April.

Dem ehemaligen Chef der US-Transportbehörde NTSB, Jim Hall, reicht das nicht. "Ich denke, Boeing sollte die Flugzeuge freiwillig am Boden lassen und zeigen, dass Sicherheit an erster Stelle steht - auch mit Blick auf die Zukunft dieses Flugzeugs." Mit dieser Haltung ist er nicht allein: Mary Schiavo, die Ex-Generalinspekteurin des US-Verkehrsministeriums sagte auf CNN, dass "in der Luftfahrtbranche die Alarmglocken schrillen".

Die FAA bleibt auf der Seite von Boeing - vorerst. Sobald Sicherheitsrisiken auftauchten, werde man reagieren, teilte die FAA mit. Der ehemalige Sicherheitschef der Behörde, David Soucie, riet bei CNN zur Vorsicht: "Noch nie habe ich gesagt, hey, es ist unsicher, mit einem speziellen Modell zu fliegen, aber in diesem Fall muss ich das tun."

Der Luftfahrtjournalist Miles O'Brien sagte dem Sender PBS, alle Optionen seien denkbar, die Behörde werde sich die Flugschreiber und Tonbandaufnahmen aus dem Cockpit genau anschauen. Die beiden Aufzeichnungsgeräte waren am Montag an der Unfallstelle nahe Addis Abeba gefunden worden. Experten der FAA und der US-Transportsicherheitsbehörde NTSB unterstützen die äthiopischen Behörden bei der Suche nach der Unglücksursache.

Meistverkauftes Verkehrsflugzeug weltweit

Die Boeing 737 ist das meistverkaufte Verkehrsflugzeug weltweit, die 737 Max ist das neueste Modell. Nach dem Erstflug im Januar 2016 hatte der US-Flugzeugbauer vor zwei Jahren die ersten Maschinen der Version Max 8 mit besonders spritsparenden Motoren ausgeliefert. Daneben gibt es noch die Versionen Max 7, 9 und 10, die allerdings deutlich weniger beliebt sind.

"Nicht direkt hingehen und Verbote erteilen"

Und wie reagiert Deutschland? Der Koordinator der Bundesregierung für die Luft- und Raumfahrt, Thomas Jarzombek (CDU), warnte vor übereiltem Handeln. "Man muss jetzt keine Schnellschüsse machen, wenn man noch gar nicht weiß, was die Ursachen für den Absturz gewesen sind", sagte er dem rbb. Die Gründe seien nicht immer ganz so einfach, wie sie vielleicht zunächst auf der Hand lägen. "Da kann man nicht direkt hingehen und Verbote erteilen." Er glaube, dass alle Piloten, die mit diesen Maschinen unterwegs sind, sensibilisiert seien, sagte Jarzombek.

Flugzeuge des Typs Boeing 737 Max fliegen einem Bericht zufolge auch mindestens einen Flughafen in Deutschland an: In Düsseldorf nutzten die Airlines Lot (Polen), Smart Wings (Tschechien), Turkish Airlines und Corendon (beide Türkei) Maschinen dieser Reihe, berichtete die "Rheinische Post" mit Verweis auf den Flughafen.

Tuifly hält an Betrieb fest

Gestützt auf Empfehlungen der US-Luftfahrtbehörde FAA lässt der Tui-Konzern aus Hannover seine 15 Flugzeuge vom Typ Boeing 373 Max 8 weiter fliegen. "Das Flugzeug ist ja von den amerikanischen Behörden als vollkommen sicher und zuverlässig eingestuft worden - das ist wie der Stempel vom TÜV", sagte Tuifly-Sprecher Aage Dünhaupt. Es gebe aber bereits Anfragen besorgter Passagiere, die Flüge mit diesem Flugzeugtyp vermeiden wollten.

Zur Flotte des weltgrößten Reisekonzerns Tui gehören 15 Jets dieses Typs, die in Großbritannien und den Benelux-Staaten auf Strecken zu den Kanaren oder den Kapverden im Einsatz sind. In Deutschland steht die Einführung der jüngsten Version des Boeing-Verkaufsschlagers im April an. Bei bisher 6500 Flügen hätten die Tui-Piloten bisher keine Probleme gehabt, sagte der Sprecher. Der Konzern nehme die Ängste der Passagiere aber ernst. Sie könnten Flüge mit Maschinen des Typs umbuchen, wenn es Alternativen gebe. Das sei aber nicht kostenfrei.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. März 2019 um 10:00 Uhr.

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