Flüchtlinge aus Äthiopien in einem Lager in Kenia | Bildquelle: AFP

Blockchain-Projekt Eine Identität - auch auf der Flucht

Stand: 19.03.2018 10:57 Uhr

Wer auf der Flucht ist, verliert auch einen Teil seiner Identität. Ohne den Zugriff auf persönliche Daten aber ist der Neuanfang schwer. Kann die Blockchain-Technologie helfen?

Von Martina Buttler, ARD-Studio Washington, zurzeit Austin

Mehr als 65 Millionen Menschen weltweit sind auf der Flucht. Viele leben jahrelang in Flüchtlingslagern. Sie werden dort geimpft oder machen eine Ausbildung, aber wenn sie das Flüchtlingslager verlassen, ist das wie ein Reset-Knopf - alles wieder zurück auf Null.

Diesen Menschen will Ashis Gadnis' Firma BanQu mit Blockchain helfen. Dezentral sollen die Daten der Flüchtlinge gespeichert werden, so dass die Flüchtlinge - egal ob sie in einem Flüchtlingslager in Kenia oder in London sind - darauf zugreifen und ihr Leben, ihre Erfahrungen dokumentieren können. Eine Art Lebenslauf, gefüttert von Menschen und Organisationen, die mit den Flüchtlingen gearbeitet haben.

Zu viele verstreute Informationen

Gadnis war als Ehrenamtlicher im Kongo. Dort erlebte er, wie eine der Frauen, mit denen er arbeitete, kein Bankkonto eröffnen konnte, weil sie ihren Lebenslauf, ihre berufliche Erfahrung nicht nachweisen konnte. Das größte Problem der Flüchtlinge sei, sagt Gadnis, "dass ihre Informationen in zahlreichen unterschiedlichen Datenbanken sind. Das heißt: Sie haben mehrere Identitäten, doppelte Impfungen, aber sie können nie alle Informationen zusammenziehen, sich damit legitimieren." Gadnis Ziel: dass Flüchtlinge eine Identität bekommen, auf die andere Menschen zugreifen können, wenn sie dazu eingeladen werden.

Rohingya-Flüchtlinge in Bangladesch vor einem UNHCR-Zelt | Bildquelle: ABIR ABDULLAH/EPA-EFE/REX/Shutte
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Flüchtlinge wie diese Rohingya lassen vieles zurück - auch wichtige Unterlagen, die einen Neuanfang erleichtern könnten.

Ein Ansatz auch für Obdachlose

Die Idee hat auch Kerry O’Connor überzeugt. Sie ist Chief Innovation Officer der texanischen Stadt Austin. Im nächsten halben Jahr will sie ausprobieren, ob diese Technologie auch für Obdachlose in ihrer Stadt hilfreich sein könnte.

O’Connor schwebt beispielsweise vor, dass Gesundheitsdaten gespeichert werden könnten. Wenn ein Obdachloser bewusstlos aufgefunden würde, wären Ärzte als Bevollmächtigte abgespeichert und hätten Zugriff auf ein Minimum an Daten. Sie wüssten zum Beispiel, wogegen der Aufgefundene allergisch ist, wie er zuletzt behandelt wurde, so dass die Behandlung schneller und besser begonnen werden kann, sagt O’Connor.

Die Schwachen stärken

Sie muss nun technische, organisatorische, ethische Fragen klären. Ihre Hoffnung: Sollte das Blockchain-Pilotprojekt funktionieren, könnte es für Obdachlose auch auf andere Bereiche ausgedehnt werden, wie zum Beispiel den öffentlichen Nahverkehr. Ihr Ziel "Wir wollen es für sie einfacher machen, sie stärken, und ihnen soll klar sein, dass ihnen ihre Daten gehören."

Gadnis hat seine Idee bei der Trendmesse "South by Southwest" vorgestellt. Er will den Menschen über die Blockchain-Technologie zu einer nachvollziehbaren Identität verhelfen, zu einem Weg aus der Armut.

Blockchain-Projekt: Eine Identität - auch auf der Flucht
Martina Buttler, ARD Washington
19.03.2018 14:11 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. März 2018 um 12:38 Uhr.

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