Eine Ampulle mit dem Corona-Impfstoff der Konzerne Biontech und Pfizer. | via REUTERS

Zulassung für EU Impfstoff-Entscheidung am 21. Dezember

Stand: 15.12.2020 18:00 Uhr

Der Impfstoff von Biontech und Pfizer könnte noch vor Weihnachten in Europa zugelassen werden. Die Europäische Arzneimittelbehörde hat ihr Gutachten für den 21. Dezember angekündigt. Die Zustimmung der EU-Kommission gilt als sicher.

Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA plant noch vor Weihnachten ein Treffen hinsichtlich einer möglichen Zulassung des Covid-19-Impfstoffs von Biontech und Pfizer. Für den 21. Dezember sei eine außerordentliche Sitzung des Ausschusses für Humanarzneimittel (CHMP) der EMA geplant, teilt die Behörde mit. Bei dem ursprünglich am 29. Dezember geplanten Treffen bleibe es bei Bedarf.

Die Empfehlungen des CHMP müssen noch von der EU-Kommission abgesegnet werden, die diesen üblicherweise folgt. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen schrieb auf Twitter, sie begrüße, dass das Treffen vorgezogen worden sei. Es sei wahrscheinlich, dass die ersten Europäer noch vor Ende des Jahres geimpft würden.

Bundesregierung "erfreut"

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich erleichtert über die Entscheidung der EMA. Nach Angaben von Sitzungsteilnehmern sagte sie in der virtuellen Sitzung der Unionsfraktion im Bundestag, die Nachricht habe die Regierung erfreut. Es sei gut, dass es keine Notfallzulassung des Impfstoffs wie in anderen Ländern gebe.

Kurz zuvor hatte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn auf einer Pressekonferenz die Zulassung vor Weihnachten in Aussicht gestellt. Er war dabei vom 23. Dezember ausgegangen.

Er betonte, je früher die Zulassung erteilt sei, desto früher könne geimpft werden. Ziel sei es, damit noch vor Ende des Jahres anzufangen. Seit heute seien in Deutschland diverse Impfzentren eingerichtet und bereit, sofort mit den Impfungen zu beginnen.

Spahn verteidigt reguläres Verfahren

Spahn verteidigte es, keine Notfallzulassung für Impfstoffe vorzusehen, sondern ein reguläres Verfahren der EMA. Dies sei wichtig für das Vertrauen in Impfstoffe.

Ähnlich äußerte sich RKI-Präsident Lothar Wieler auf der gemeinsamen Pressekonferenz: 70 Prozent der Menschen, die sich über einen Impfstoff informieren, wollen auch etwas über Nebenwirkungen wissen."

Die Vorsitzende des Deutschen Ethikrats, Alena Buyx, sagte: "Wir sind alle sehr ungeduldig, mich eingeschlossen. Ich zähle wirklich die Tage. Aber es ist besser, wenn wir das jetzt gut und ordentlich und sorgfältig hinbekommen."

Bundeswehr mit zentralem Impflager bereit

Von der Bundeswehr heißt es, man sei bereit für einen umfassenden Einsatz zur Unterstützung der Impfkampagne in Deutschland. Inzwischen sei das zentrale Lager für die Verteilung betriebsbereit und aufnahmefähig für das Vakzin, sagte Generalleutnant Martin Schelleis, Inspekteur der Streitkräftebasis und damit Nationaler Territorialer Befehlshaber, in einer Telefonkonferenz mit Journalisten.

Für die weitere Unterstützung der Impfkampagne halte die Bundeswehr 26 stationäre Impfzentren mit eigenen Ärzten und Sanitätern bereit, was einer Kapazität von täglich 18.000 Impfungen entspreche, sagte Schelleis. Außerdem gebe es 13 mobile Impfteams, die eingesetzt werden könnten.

Das zentrale Impfstofflager steht nach früheren Berichten im niedersächsischen Quakenbrück im dortigen Versorgungs- und Instandsetzungszentrum für Sanitätsmaterial. Es handelt sich um eine der Marine zugeordnete Bundeswehrapotheke mit größeren logistischen Fähigkeiten.

RKI-Chef Wieler beklagt Sorglosigkeit

Wieler zeigte sich aber äußert besorgt über das Infektionsgeschehen und appellierte erneut, Kontakte einzuschränken: "Die Lage ist so ernst, wie sie noch nie war in dieser Pandemie." Die Zahlen der Infektionen und der Toten seien zu hoch. "Im Moment infizieren sich viel zu viele Menschen", sagte Wieler. Mit zwischen 12.000 und 29.000 gemeldeten Neuinfektionen pro Tag lägen die Fallzahlen im Dezember deutlich höher als im November. Es sei das "Ergebnis von Sorglosigkeit einiger Menschen", so der RKI-Chef.

325.000 Menschen aktuell infiziert

Aktuell seien 325.000 Menschen in Deutschland mit Sars-CoV-2 infiziert, in den Sommermonaten seien es wenige Tausend gewesen. Immer stärker betroffen sei die Gruppe der 80-Jährigen, mit besonders hohem Risiko für schwere und tödliche Krankheitsverläufe. Wieler betonte: "Wir müssen uns darauf einstellen, dass sich die Situation über Weihnachten nochmal zuspitzen wird."

Mit Informationen von Kai Küstner, ARD-Hauptstadtstudio

Über dieses Thema berichteten am 15. Dezember 2020 Inforadio um 12:00 Uhr, 12:21 Uhr sowie um 14:05 Uhr und die tagesschau um 16:00 Uhr.

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Moderation 15.12.2020 • 20:45 Uhr

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