Wladimir Putin und Joe Biden (rechts) begrüßen sich bei ihrem Treffen in Genf im Juni 2021 per Handschlag. | REUTERS

Treffen von Biden und Putin Mit Handschlag ins Konfliktgespräch

Stand: 16.06.2021 15:49 Uhr

In Genf sind US-Präsident Biden und Russlands Präsident Putin zu gemeinsamen Gesprächen zusammengekommen. Die Liste der Themen ist lang, die der gemeinsamen Interessen ziemlich kurz.

Es ist ein Treffen, auf das die Weltpolitik schaut, in das aber kaum jemand große Erwartungen setzt: In Genf sind US-Präsident Joe Biden und Russlands Staatschef Wladimir Putin zu gemeinsamen Gesprächen zusammengekommen.

Zum Auftakt gab es vor der Villa La Grange zumindest einen Handschlag und ein Lächeln für die Journalisten. Vier bis fünf Stunden sind für die Beratungen zwischen den Präsidenten angesetzt: Zunächst in kleinem Kreis, lediglich US-Außenminister Antony Blinken und sein russischer Kollege Sergej Lawrow sollten vorerst zugegen sein. Später sollen sowohl auf US- als auch auf russischer Seite weitere Berater dazukommen.

Lange Themenliste mit vielen Stolpersteinen

Auf der Liste der Gesprächspunkte steht die Corona-Pandemie, der Klimawandel, Rüstungskontrolle, der Umgang mit Konfliktregionen wie etwa der Ukraine, Syrien, Libyen und Afghanistan oder die Rückkehr zu einem Atomabkommen mit dem Iran. Hier könnten sich durchaus kleinste gemeinsame Nenner finden lassen, glaubt Lawrow: Denn das Atomabkommen mit Teheran möchte nicht nur Russland gerne wiederbeleben.

Schwieriger dürfte es beim Thema Cyberkriminalität werden: Nach den Vorwürfe der USA, Russland habe versucht, durch Hackerattacken die Präsidentschaftswahl zu beeinflussen, dürfte es kaum Annäherungen geben. Denn der Kreml weist die Anschuldigungen als lächerlich zurück und sieht darin lediglich einen Vorwand der USA, um weitere Sanktionen gegen Russland verhängen zu können.

Eine Beziehung auf dem Tiefpunkt

Beobachter erwarten, dass es schwierig wird, für einen gemeinsamen Konsens aufeinander zuzugehen. Im Kreml hat man nicht vergessen, dass Biden Putin für einen Killer hält. Im Gegenzug spricht Moskau von einer "amerikanischen Vorherrschaft" und sieht die gegenseitigen Beziehungen derzeit "auf extrem niedrigem Niveau", wie Putin es selbst ausgedrückt hatte.

Auch vor Beginn des Treffens betonte der russische Präsident, zwischen beiden Staaten hätten sich "viele Fragen angesammelt, die eine Diskussion auf höchster Ebene erfordern". Er hoffe auf einen "produktiven Dialog". Doch kurz vor dem Aufeinandertreffen mit Biden schraubte Putins Sprecher Dmitri Peskow die Erwartungen an die Zusammenkunft herunter: Ein historischer Tag werde es heute nicht werden und Durchbrüche seien kaum zu erwarten. Doch "die Tatsache, dass die beiden Präsidenten zugestimmt haben, sich zu treffen und endlich offen über die Probleme zu sprechen, ist jedoch bereits ein Erfolg".

Zwischen "roten Linien" auf der Suche nach Stabilität

Auch Biden selbst geht realistisch an das erste persönliche Zusammentreffen mit Putin seit zehn Jahren heran. Es wäre schon ein bedeutender Schritt, wenn die USA und Russland in der Lage wären, Stabilität und Berechenbarkeit in ihrer Beziehung herzustellen, erklärte er vor der Begegnung. Gleichzeitig betonte er, er wolle Putin "rote Linien" aufzeigen. Er suche keinen Konflikt mit Russland, werde jedoch "antworten, wenn Russland seine schädlichen Aktivitäten fortsetzt". 

Ein gemeinsames Essen ist nach den Beratungen zwischen Biden und Putin übrigens nicht geplant - ebenso wenig wie eine gemeinsame Pressekonferenz. Jeder der beiden Staatschefs wird sich im Anschluss an das Treffen einzeln zu deren Verlauf äußern.

Mit Informationen von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau, zzt. Genf

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. Juni 2021 um 14:00 Uhr.

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Moderation 16.06.2021 • 19:22 Uhr

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