Eduard Chechyan vor stark beschädigten Wohnhäusern in Stepanakert, Bergkarabach. | AP

Berichte über neue Kämpfe Brüchige Feuerpause in Bergkarabach

Stand: 10.10.2020 13:01 Uhr

Nach den heftigen Kämpfen in Bergkarabach haben Armenien und Aserbaidschan eine Waffenruhe vereinbart. Doch lange hält die Feuerpause offenbar nicht: Schon kurz nach dem Inkrafttreten werfen sich beide Seiten neue Angriffe vor.

In der zwischen Armenien und Aserbaidschan umkämpften Kaukasus-Region Bergkarabach ist am Mittag (Ortszeit) eine Waffenruhe in Kraft getreten. Russland hatte diese in der Nacht zum Samstag nach stundenlangen Verhandlungen vermittelt.

Innerhalb von Minuten nach ihrem Inkrafttreten beschuldigten Armenien und Aserbaidschan sich aber bereits wieder gegenseitig, gegen die Feuerpause zu verstoßen. Die armenische Armeesprecherin Schuschan Stepanjan sprach von aserbaidschanischen Angriffen. Das Nachbarland ignoriere die Vereinbarung, worauf die Streitkräfte von Bergkarabach mit "angemessenen Maßnahmen" reagieren müssten.

Aserbaidschan wiederum warf Armenien vor, mit Artilleriefeuer auf zahlreiche Orte begonnen zu haben. Alle Angriffe seien abgewendet worden. Eine unabhängige Bestätigung der Vorwürfe gibt es nicht.

Hunderte Tote seit Ausbruch der Kämpfe

Der Regierung in Moskau zufolge soll die Waffenruhe dazu genutzt werden, Gefangene und andere inhaftierte Personen auszutauschen und die Körper toter Soldaten an die Heimatländer zu übergeben. Grundlegende Friedensverhandlungen sollen unter der Führung der Minsk-Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stattfinden. Die Gruppe wird von Russland, den USA und Frankreich angeführt, die in dem Konflikt vermitteln.

Vor der Feuerpause war die Lage in der Region angespannt gewesen. Nach Angaben aus Armenien gab es zahlreiche Luftangriffe. Aserbaidschan habe versucht, sich vor der Waffenruhe noch einen Vorteil zu verschaffen, erklärte die Sprecherin des armenischen Militärs, Schuschan Stepanjan. Die Regierung in Baku wirft hingegen der Regierung in Eriwan vor, zahlreiche Siedlungen beschossen zu haben.

Seit dem Ausbruch der Kämpfe zwischen aserbaidschanischen und armenischen Truppen Ende September wurden Hunderte Menschen getötet. Allein auf armenischer Seite sollen in Bergkarabach mehr als 400 Soldaten gefallen sein. Aserbaidschan hat bislang keine Angaben zu eigenen Verlusten gemacht, spricht aber von rund 30 toten Zivilisten. Es gibt Tausende Flüchtlinge in der Unruheregion. Die Kämpfe sind die heftigsten seit der Einigung auf einen Waffenstillstand im Jahr 1994.

Jahrzehntealter Konflikt

Den Konflikt zwischen beiden Ländern gibt es schon seit Jahrzehnten. Die überwiegend von Armeniern besiedelte Region Bergkarabach hatte sich Anfang der 1990er-Jahre in einem Krieg von Aserbaidschan losgesagt. Die Führung in Baku wirft dem Nachbarland Armenien vor, völkerrechtswidrig aserbaidschanisches Gebiet besetzt zu halten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 10. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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friedrich peter peeters 10.10.2020 • 20:16 Uhr

15.46 Theodor Storm-Konfliktherden Zentralasien

Die Konfliktherden in Zentralasien sind schon seit einigen Jahren da. Die Stellvertreterkriege, geführt über Minderheiten, ebenfalls. Und die wirkliche Gegner sind oftmals die USA und China. Russland verliert zunehmend an Einfluss, sowohl wirtschaftlich als auch politisch. So auch in Aserbaidschan und Armenien. Und die Türkei ist zu klein hier Weltinteressen zu vertreten, sie versucht lediglich einige Rosinen heraus zu picken, wie das Öl in Aserbaidschan., wo auch die Chinesen ihr Interesse haben. Die nächste Flüchtlingswelle ist im kommen verursacht von den Großmächten und Europa darf wieder Feuerwehr spielen.