Ein aserbaidschanischer Soldat geht zwischen Trümmern in der Stadt Ganja umher | Bildquelle: dpa

Südkaukasus Brüchige Waffenruhe in Bergkarabach

Stand: 18.10.2020 09:10 Uhr

Armenien und Aserbaidschan werfen sich im Konflikt um Bergkarabach gegenseitig einen Bruch der gestern vereinbarten Waffenruhe vor. In der Südkaukasus-Region soll es wieder zu Kämpfen gekommen sein.

Im Konflikt um die Region Bergkarabach haben sich Armenien und Aserbaidschan gegenseitig beschuldigt, die erst am Vorabend vereinbarte Waffenruhe gebrochen zu haben.

Die Feuerpause sollte um Mitternacht - 22.00 Uhr mitteleuropäischer Zeit - in Kraft treten. Armenien und Aserbaidschan hatten sich bereits vor einer Woche unter Vermittlung Russlands auf eine Waffenruhe verständigt. Diese Vereinbarung war jedoch schon kurz nach Inkrafttreten gebrochen worden. Dafür gaben sich beide Länder gegenseitig die Schuld.

Schuldzuweisungen und Berichte über Beschuss

Beide Seiten warfen einander Verstöße gegen die Waffenruhe vor und berichteten über Kämpfe. Aserbaidschan beschuldigte am Samstag Armenien, bei dem Beschuss der Stadt Ganja 13 Zivilisten getötet zu haben, mehr als 50 weitere Menschen seien verletzt worden.

Armenien wiederum berichtete von Raketenangriffen der aserbaidschanischen Seite, darunter auf die Hauptstadt von Bergkarabach, Stepanakert. Dabei seien mindestens drei Zivilisten verletzt worden. Die Angaben aus der Konfliktregion lassen sich unabhängig nicht überprüfen.

Appelle aus Moskau, Brüssel und Berlin

Russlands Außenminister Sergej Lawrow appellierte eindringlich an beide Seiten, sich an die vereinbarte Feuerpause zu halten. Er telefonierte dazu nach Angaben seines Ministeriums in Moskau erneut mit seinen Kollegen aus Aserbaidschan und Armenien, Jeyhun Bayramov und Sohrab Mnazakanjan. Dabei habe Lawrow daran erinnert, dass die Waffenruhe auch humanitären Gründen diene. Außerdem hätten beide Seiten ihre Bereitschaft zu "substanziellen Verhandlungen" mit dem Ziel einer schnellstmöglichen Friedensregelung erklärt, hieß es.

Auch die EU forderte beide Seiten erneut zur Einhaltung der Waffenruhe auf. "Alle Angriffe auf Zivilisten und zivile Einrichtungen müssen ein Ende haben", sagte ein Sprecher des EU-Außenbeauftragten Josep Borrell. Die Europäische Union bedauere den Beschuss der aserbaidschanischen Stadt Ganja.

Das Auswärtige Amt in Berlin appellierte, beide Länder müssten "unverzüglich auf den Pfad für eine friedliche und dauerhafte Konfliktlösung zurückkehren". Außerdem müssten die von dem Konflikt betroffenen Menschen nun Hilfe erhalten.

Drohende Ausweitung des Konflikts

In der Region Bergkarabach im Südkaukasus leben überwiegend christliche Armenier, die dortige Führung wird von der armenischen Regierung in Eriwan unterstützt. Völkerrechtlich gehört das Gebiet zum mehrheitlich islamischen Aserbaidschan, von dem es sich jedoch 1991 losgesagt hatte.

Da Armenien mit Russland verbündet ist und Aserbaidschan von der Türkei unterstützt wird, droht eine Ausweitung des Konflikts über die Region hinaus mit weitreichenden Folgen auch für die Wirtschaft. Durch den Südkaukasus laufen wichtige Erdgas- und Öl-Pipelines.

Die gegenwärtigen Kämpfe begannen am 27. September und sind die schwersten seit dem Krieg 1991 bis 1994, in dem rund 30.000 Menschen getötet wurden.

Konflikt in Bergkarabach: Neuer Anlauf für Waffenruhe
Palina Milling, WDR
18.10.2020 08:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 18. Oktober 2020 um 09:00 Uhr.

Darstellung: