Karte: Aserbaidschan, Bergkarabach, Armenien

Konflikt um Bergkarabach Aserbaidschan übernimmt Region Latschin

Stand: 01.12.2020 16:05 Uhr

Aserbaidschan hat in der Enklave Bergkarabach nun auch die dritte Region unter seine Kontrolle gebracht. Latschin ist vor allem von strategischer Bedeutung. Aserbaidschans Staatschef Alijew sprach vom Anbruch "einer neuen Realität".

Die aserbaidschanische Armee hat die dritte und letzte Region übernommen, die Armenien gemäß dem Waffenstillstandsabkommen im Bergkarabach-Konflikt an das Nachbarland übergeben muss.

Soldaten hissten am Morgen ihre Landesflagge über einem Verwaltungsgebäude der Stadt Latschin, berichten Reporter der Nachrichtenagentur AFP. In den vergangenen Wochen hatte Armenien bereits die Regionen Aghdam und Kalbadschar an Aserbaidschan übergeben.

Wichtiger Korridor zu Armenien

Eine Kolonne aserbaidschanischer Militärfahrzeuge war in der Nacht, begleitet von russischen Streitkräften, in die Region eingerückt. Vor der Ankunft der Armee waren die meisten der bisherigen armenischen Bewohner aus der Region Latschin geflohen, viele nahmen ihr gesamtes Hab und Gut mit. Einige der Menschen zündeten auch ihre Häuser an.

Durch die Region Latschin führt eine wichtige Straße, die Bergkarabach und die Regionalhauptstadt Stepanakert mit Armenien verbindet. Dieser Korridor wird laut dem Waffenstillstandsabkommen von rund 2000 russischen Soldaten gesichert.

Der aserbaidschanische Präsident Ilham Alijew sprach in einer Fernsehansprache vom Anbruch "einer neuen Realität". "Wir haben den Feind aus unserem Land vertrieben. Wir haben unsere territoriale Integrität wiederhergestellt. Wir haben die Besatzung beendet", sagte er.

Gebietsverluste für Armenien

Nach sechswöchigen schweren Kämpfen um die Südkaukasus-Region Bergkarabach hatten die verfeindeten Nachbarstaaten Armenien und Aserbaidschan vor rund drei Wochen unter der Vermittlung Russlands einen Waffenstillstand geschlossen. 

Das Abkommen vom 9. November sieht vor, dass beide Kriegsparteien jene Gebiete behalten dürfen, in denen sie derzeit die Kontrolle haben. Für Armenien bedeutet das große Gebietsverluste. Seit der Vereinbarung gibt es in dem Land Proteste gegen die Regierung. Für die Kontrolle des Waffenstillstands sind laut dem Abkommen russische Truppen zuständig.

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