Start einer aserbaidschanischen Rakete  | dpa

Gefechte um Bergkarabach EU fordert sofortige Waffenruhe

Stand: 28.09.2020 14:55 Uhr

Angesichts der Kämpfe in Bergkarabach hat der EU-Außenbeauftragte Borrell eine sofortige Waffenruhe gefordert. Zugleich rief er andere Nationen auf, sich nicht in den Konflikt einzumischen - ein Fingerzeig Richtung Russland und Türkei.

Die EU hat Armenien und Aserbaidschan nach dem Wieder-Aufflammen der Kämpfe um die Region Bergkarabach zu einer sofortigen Waffenruhe aufgefordert. Ein Sprecher des Außenbeauftragten Josep Borrell bezeichnete die jüngste Entwicklung als sehr beunruhigend. "Deshalb appelliert die EU an beide Seiten, die Gewalt zu unterlassen." Für den Streit könne es keine militärische Lösung geben. Man brauche neue Verhandlungen. "Ein Ende der Feindseligkeiten ist dringend nötig."

EU-Ratschef Charles Michel hatte bereits am Sonntag gemahnt, der einzige Ausweg bestehe in der unverzüglichen Rückkehr zu Verhandlungen ohne Vorbedingungen.

Türkei mischt mit

Gleichzeitig warnte Borrell ausländische Mächte vor einem Eingreifen in den Konflikt um die Region Berg-Karabach. "Eine Einmischung von außen ist nicht akzeptabel". Damit dürfte wohl die Türkei gemeint sein: Die Regierung in Ankara hat Aserbaidschan in den vergangenen Jahren bei der Modernisierung seiner Armee unterstützt. Nach Ausbruch der Gefechte sicherte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan der Regierung in Baku umgehend volle Unterstützung zu. Gleichzeitig fordert er Armenien zum Rückzug aus der umkämpften Region auf.

Russland wiederum unterhält in Armenien einen Militärstützpunkt, dort sind Soldaten und Waffen stationiert.

Tote und Kriegszustand

Das von Armenien kontrollierte Bergkarabach mit seinen etwa 145.000 überwiegend christlichen Einwohnern gehört völkerrechtlich zum islamisch geprägten Aserbaidschan. Seit dem Wochenende gibt es wieder Kämpfe. Dabei wurden mehrere Menschen getötet. Seitdem gilt in den verfeindeten Nachbarländern Armenien und Aserbaidschan der Kriegszustand. In Aserbaidschan soll es in einigen Landesteilen abends Ausgangssperren geben. In Armenien mobilisierte Regierungschef Nikol Paschinjan in Eriwan bereits am Sonntag die Bevölkerung und verhängte im ganzen Land den Kriegszustand.

Für die Gefechte gaben sich beide Seiten gegenseitig die Schuld: Armenien warf Aserbaidschan vor, Bergkarabach aus der Luft und mit Artillerie beschossen zu haben. Die eigenen Truppen hätten daraufhin drei Panzer der gegnerischen Seite zerstört sowie zwei Hubschrauber und drei Drohnen abgeschossen. Aserbaidschan widersprach den Angaben und erklärte seinerseits, es habe auf einen armenischen Angriff reagiert.

Übersichtskarte mit Aserbaidschan Armenien und Bergkarabach | picture alliance/dpa

Bild: picture alliance/dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. September 2020 um 09:00 Uhr.