Trümmer eines Hubschrauber

Nach blutigen Gefechten Aufrufe zur Ruhe in Berg-Karabach

Stand: 12.07.2020 20:04 Uhr

Mindestens 30 Tote binnen eines Tages - das ist die Bilanz der aufgeflammten Gefechte zwischen Armenien und Aserbaidschan um die Region Berg-Karabach. Die Vereinten Nationen, die USA und Russland mahnen ein sofortiges Ende der Kämpfe an. Aserbaidschan versprach, das Feuer einzustellen .

Nach den heftigen Gefechten zwischen Armenien und Aserbaidschan im Streit um die Region Berg-Karabach sind beide Seiten international zur sofortigen Einstellung der Kämpfe aufgerufen worden. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon appellierte an alle Beteiligten, "die Waffenstillstandsvereinbarung vollständig zu respektieren und sofortige Schritte zur Deeskalation der Situation zu unternehmen". Ban zeigte sich "besonders besorgt über den Einsatz schwerer Waffen und die hohe Opferzahl".

USA und Russland mahnen zur Zurückhaltung

Die US-Regierung verurteilte die Eskalation der Gewalt "auf das Schärfste". US-Außenminister John Kerry rief Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung auf. "Wir bekräftigen, dass es keine militärische Lösung für den Konflikt gibt", sagte er. Die "instabile Lage vor Ort" zeige, warum die Beteiligten sofort in einen umfassenden Verhandlungsprozess für eine Beilegung des Konflikts treten müssten, der unter der Federführung der sogenannten Minsker Gruppe der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) stehen solle. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier rief beide Seiten auf, an den Verhandlungstisch zurückzukehren. Deutschland hat in diesem Jahr den OSZE-Vorsitz inne.

Laut dem Auswärtigen Amt hat Steinmeier bereits telefonisch mit seinem aserbaidschanischen Amtskollegen Elmar Mammadyarov gesprochen. Am Dienstag wird demnach der armenische Präsident Sersch Sargsjan zu Gesprächen in Berlin erwartet.

Der russische Präsident Wladimir Putin ermahnte Armenien und Aserbaidschan zur Zurückhaltung. Russland sieht sich als Schutzmacht Armeniens und hat Tausende Soldaten in dem Land mit rund drei Millionen Einwohnern stationiert. Der russische Verteidigungsminister Sergej Schoigu sowie Außenminister Sergej Lawrow führten mit ihren Amtskollegen in den Hauptstädten Eriwan und Baku Krisentelefonate.

Erdogan sichert Aserbaidschan Unterstützung zu

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hingegen reagierte auf den erneut entflammten Konflikt, indem er Aserbaidschan Unterstützung "bis zum Ende" zusicherte. Das habe er während seines Aufenthaltes in den USA vor aserbaidschanischen Journalisten mitgeteilt, hieß es aus dem türkischen Präsidialamt. Die Türkei hatte im Laufe des Konflikts um Berg-Karabach Armenien bereits einen wirtschaftlichen Tiefschlag versetzt, indem sie die Grenze zu dem Land schloss.

Beide Seiten beschuldigen sich gegenseitig

Armenien und Aserbaidschan machten sich gegenseitig für die Eskalation der Gewalt verantwortlich. Armenien berichtete von 18 Toten in den eigenen Reihen, das aserbaidschanische Militär meldete zwölf Tote unter den eigenen Soldaten. Beide Seiten schätzten die Verluste des Gegners weitaus höher ein. "Das sind die schwersten Kämpfe seit dem Beginn der Waffenruhe 1994", sagte der armenische Präsident Sersch Sargsjan.

Wie das aserbaidschanische Verteidigungsministerium am Sonntag mitteilte, will Aserbaidschan die Kämpfe in Berg-Karabach als "Zeichen des guten Willens" wieder einstellen. Sollte Armenien seine "Provokationen" jedoch nicht stoppen, wolle Aserbaidschan die von armenischen Truppen besetzten Gebiete "befreien".

Berg-Karabach südlich des Kaukasus wird mehrheitlich von Armeniern bewohnt, gehört völkerrechtlich aber zu Aserbaidschan. Es wird seit 1994 von einheimischen Separatisten und der armenischen Armee kontrolliert. Beide Seiten sind durch eine entmilitarisierte Pufferzone getrennt, doch immer wieder kommt es zu Gefechten. Jahrelange Verhandlungen zur Lösung des Konflikts haben bisher nur wenige Fortschritte gebracht.

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