Frauen protestieren in Minsk gegen Lukaschenko | Bildquelle: AFP

Proteste in Belarus "Lasst uns zeigen, wer unsere Präsidentin ist"

Stand: 26.09.2020 20:01 Uhr

Fast acht Wochen dauern die Proteste gegen den belarusischen Staatschef Lukaschenko schon an. Samstags gehört die Straße den Frauen. Beim Solidaritätsmarsch für die Oppositionelle Tichanowsjaka gab es erneut viele Festnahmen.

Sie wollen sich nicht abfinden mit einer weiteren Amtszeit von Staatschef Alexander Lukaschenko: Erneut haben sich in Belarus Hunderte Frauen zu Protestmärschen versammelt. An zentralen Plätzen in der Hauptstadt Minsk bildeten die Frauen Gruppen und riefen "Schande". In den Straßen standen Polizeitransporter bereit, erneut gab es viele Festnahmen.

Das Menschenrechtszentrum Wesna sprach von mindestens 95 Festgenommenen in Minsk, Brest und anderen Städten. In der Hauptstadt schleppten Sicherheitskräfte die Frauen an Händen und Füßen zu Bussen. Auch vor Einkaufszentren wurden Menschen mitgenommen. Unter den Demonstrantinnen war auch die bekannte Aktivistin Nina Baginskaja. Die 73-Jährige, eine der zentralen Figuren der Protestbewegung, wurde von Sicherheitskräften abgeführt.

Eine Sicherheitskräft in Minsk versucht, einer Frau eine Fahne wegzunehmen. | Bildquelle: AFP
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Einer der Sicherheitskräfte versuchte, Baginskaja eine Fahne zu entreißen.

"Marsch der Solidarität"

Die Proteste in der ehemaligen Sowjetrepublik dauern inzwischen schon fast acht Wochen. Mit dem regelmäßig samstags stattfindenden "Marsch der Solidarität" wollen die Frauen die Oppositionelle Swetlana Tichanowskaja unterstützen, die sie als wahre Siegerin der Wahl vom 9. August ansehen. Die Samstagsdemonstration sei diesmal als "festliche Generalprobe einer echten Amtseinführung durch das Volk" angelegt, hieß es vorab. "Lasst uns zeigen, wer unsere Präsidentin ist."

Tichanowskaja war von Lukaschenkos Machtapparat kurz nach der Wahl zur Ausreise ins benachbarte EU-Land Litauen gedrängt worden. Lukaschenko hatte sich nach der von massiven Manipulationen überschatteten Abstimmung mit mehr als 80 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären lassen. Er ist bereits seit 26 Jahren an der Macht. Am Mittwoch ließ sich der als "letzter Diktator Europas" bezeichnete Politiker ohne vorherige Ankündigung vereidigen.

Großdemo geplant

Eine Großdemonstration ist für Sonntag geplant. Die Demonstranten fordern Neuwahlen ohne Lukaschenko, die Freilassung aller politischen Gefangenen und die strafrechtliche Verfolgung der Polizeigewalt.

Die EU erkennt die Wahl nicht an und plant Sanktionen gegen etwa 40 belarusische Regierungsvertreter, darunter auch Lukaschenko selbst.

Erneute Polizeigewalt in Belarus
Florian Kellermann, Dlf
27.09.2020 06:54 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 26. September 2020 um 17:20 Uhr.

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