Ein Mann wird von belarusischen Strafverfolgungsbeamten während einer Kundgebung gegen die Ergebnisse der Präsidentschaftswahlen abgeführt, Minsk. | REUTERS

Neue Proteste Erneut Hunderte Festnahmen in Belarus

Stand: 15.11.2020 17:36 Uhr

In Belarus sind erneut Tausende Menschen auf die Straße gegangen. Diesmal treibt sie auch die Wut über den Tod des Oppositionellen Bondarenko an. Die Polizei ging brutal gegen die Demonstranten vor - Vermummte nahmen Hunderte fest.

In Minsk sind erneut Tausende Menschen zu Protesten gegen den umstrittenen belarusischen Staatschef Alexander Lukaschenko auf die Straße gegangen. Die Demonstranten brachten dabei auch ihre Wut über den Tod des Oppositionellen Roman Bondarenko zum Ausdruck, der nach seiner Festnahme am Mittwoch unter ungeklärten Umständen zu Tode gekommen war.

U-Bahn-Stationen geschlossen, mobiles Internet gekappt

Die Polizei setzte Medienberichten zufolge Blendgranaten, Tränengas und Wasserwerfer gegen die Protestierenden ein. Sie soll auch mit Gummigeschossen auf Demontrierende geschossen haben. Die Menschenrechtsgruppe Wesna sprach von mehr als 640 Festnahmen. Darunter seien erneut Journalisten gewesen.

Auf Videoaufnahmen, die von lokalen Medien verbreitet wurden, waren schwarz vermummte Männer zu sehen, die eine Gruppe von Demonstranten durch die Straßen jagten. Um die Versammlung zu erschweren, hatten die Behörden rund 15 U-Bahn-Stationen geschlossen und das Mobilfunknetz gekappt. 

Wurde Bondarenko misshandelt?

Erst am Freitag hatten Tausende Menschen in Minsk protestiert, nachdem Bondarenkos Tod bekannt geworden war. Sie bildeten Menschenketten und legten Blumen nieder zum Gedenken an den 31-Jährigen. Bondarenko verstarb nach offiziellen Angaben im Krankenhaus an schweren Hirnschäden. Anhänger der Protestbewegung warfen den Sicherheitskräften vor, ihn während seiner Festnahme misshandelt zu haben.

Die Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja hatte am Freitag zu einer stillen Gedenkfeier für den Mann aufgerufen. Der Demonstrant sei getötet worden, "weil er in einem freien Land leben wollte", sagte die im litauischen Exil lebende Tichanowskaja.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 15. November 2020 um 14:00 Uhr.