Carrie Gracie | Bildquelle: dpa

Ungleiche Bezahlung BBC-Journalistin tritt aus Protest zurück

Stand: 08.01.2018 12:57 Uhr

Selber Arbeitgeber, gleiche Position, aber unterschiedliches Gehalt: Aus Protest gegen den "unhaltbaren" Unterschied bei der Bezahlung von Frauen und Männern hat die BBC-Journalistin Carrie Gracie ihre leitende Position aufgegeben. Sie spricht von einer Vertrauenskrise.

Mehr als 30 Jahre ist Carrie Gracie bereits als Journalistin für die britische BBC tätig, zuletzt war sie Büroleiterin und Korrespondentin in China - nun ist sie von diesem Posten zurückgetreten. Mit ihrem Schritt protestiert Gracie gegen die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern beim Rundfunksender.

Gracie sagte, Grund für ihren Rücktritt sei eine "Vertrauenskrise", die im Sommer mit der Veröffentlichung der Gehälter der BBC-Führungsriege begonnen habe. Diese Veröffentlichung habe eine "unhaltbare" Lücke in der Bezahlung zwischen Männern und Frauen gezeigt, die den gleichen Job machten. Das Vertrauen der Belegschaft sei zerstört. In den vergangenen Monaten hätten sich bis zu 200 Frauen bei der BBC über ungleiche Bezahlung beschwert.

Zwei Drittel der BBC-Topverdiener sind Männer

BBC-Hauptsitz in London | Bildquelle: AFP
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Im Juli veröffentlichte die BBC die Gehälter der Topverdiener - zwei Drittel von ihnen waren Männer.

Die BBC musste im Juli erstmals in ihrer Geschichte die Jahresgehälter ihrer Topverdiener veröffentlichen. Die öffentlich-rechtliche Rundfunkgesellschaft legte eine Liste mit 200 Namen von Führungskräften, Moderatoren und Schauspielern vor, die zuletzt ein Jahresgehalt von mehr als 150.000 Pfund (rund 170.000 Euro) erhielten. Zwei Drittel davon waren Männer.

So lag das Gehalt des US-Chefkorrespondenten Jon Sopel laut der Liste zwischen 200.000 und 250.000 Pfund, der Nahost-Chefkorrespondent Jeremy Bowen verdiente zwischen 150.000 und 200.000 Pfund. Gracies Name tauchte auf der Liste nicht auf, was bedeutet, dass ihr Gehalt unter 150.000 Pfund lag.

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Solidarität mit Gracie

Mehr als 130 Journalistinnen der BBC erklärten sich mit Gracie solidarisch. In einer Stellungnahme schrieben sie im Namen der Gruppe "BBCwomen": "Es ist äußerst bedauerlich, dass eine herausragende (...) Journalistin wie Carrie Gracie keine andere Möglichkeit sieht, als von ihrem Posten als China-Korrespondentin zurückzutreten - weil die BBC sie nicht so geschätzt hat wie ihre männlichen Kollegen." Die Gruppe rief die BBC dazu auf, Gracies Fall zu überprüfen.

Die Journalistin sagte, die Reaktionen auf ihre Entscheidung zeigten, dass es ein dringendes Bedürfnis nach "gleichem, fairem und transparentem Lohn" gibt. Es gehe ihr nicht um mehr Geld für sich selbst, sondern nur darum, dass die BBC die britischen Gesetze zur gleichen Bezahlung für gleiche Arbeit befolge, sagte sie. Komplett will sie der BBC nicht den Rücken kehren, sondern in den Newsroom in London zurückkehren. Dort erwarte sie sich dann auch das gleiche Gehalt wie ihre männlichen Kollegen, erklärte sie.

Der Sender selbst berichtete breit über Gracies Schritt. Er versicherte zudem, es gebe keine "systematische Benachteiligung von Frauen" bei der BBC. Eine Sprecherin sagte, gleiche Bezahlung sei dem Sender sehr wichtig. Es werde dazu auch bald einen neuen Bericht geben.

Friedbert Meurer, DLF London, über den Protest der BBC-Korrespondentin Gracie

08.01.2018 16:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2018 um 15:36 Uhr.

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