Demonstration in Barcelona | Bildquelle: dpa

Katalonien Aufruf zu einem "Herbst des Protestes"

Stand: 11.09.2018 19:41 Uhr

Mehr als 300 Jahre ist es her, dass Katalonien mit Spanien vereinigt wurde. Hunderttausende versammelten sich zum Jahrestag in Barcelona. Die Separatistenbewegung sieht dies als Auftakt für einen "Herbst des Protestes".

Fast ein Jahr nach der gescheiterten Abspaltung von Spanien sind in Katalonien Unabhängigkeitsbefürworter auf die Straße gegangen. Hunderttausende Demonstranten beteiligten sich an der Kundgebung in Barcelona anlässlich des katalanischen Nationalfeiertags Diada.

Die alljährlichen Kundgebungen erfolgen im Gedenken an den 11. September 1714, als spanische und französische Truppen während des Spanischen Erbfolgekrieges Barcelona eroberten. Wie in jedem Jahr begann pünktlich um 17.14 Uhr die Kundgebung. Zum Auftakt wurden symbolische Mauern mit Malereien, die das bei den Separatisten verpönte Königshaus oder die angebliche Repression durch die Zentralregierung symbolisieren sollten, unter großem Jubel niedergerissen.

Der katalanische Regionalpräsident Quim Torra bezeichnete die Demonstration als Auftakt einer neuen "Massenmobilisierung". Die Separatistenbewegung hofft auf einen "Herbst des Protests". So sind zum Jahrestag des Unabhängigkeitsreferendums am 1. Oktober weitere Protestaktionen geplant.

Demonstration in Barcelona | Bildquelle: Alejandro Garcia/EPA-EFE/REX/Shu
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Hunderttausende kamen zur Kundgebung am traditionellen Feiertag.

Feiertag spaltet die Katalanen

Die Opposition in Katalonien warf den Unabhängigkeitsbefürwortern vor, die Diada für ihre Zwecke zu missbrauchen. Die Gegner einer Abspaltung fänden bei den Feierlichkeiten kein Gehör, erklärte die Chefin der Partei Ciudadanos in Katalonien, Inés Arrimadas.

Auch Spaniens Außenminister Josep Borrell, der selbst aus Katalonien stammt, äußerte sein Unverständnis. "Wir Katalanen sollten heute unseren Nationalfeiertag begehen und nicht die Unabhängigkeit fordern, die von weniger als der Hälfte der Bevölkerung befürwortet wird."

Am Sonntag waren mehrere Tausend Menschen in Barcelona für die Einheit Spaniens auf die Straße gegangen. Laut einer Umfrage im Juli sind die Katalanen in der Frage weiter gespalten: 46,7 Prozent der Befragten befürworten demnach die Unabhängigkeit, 44,9 Prozent lehnen dies ab. 

Puigdemont im Exil

Der jahrelange Streit um die Abspaltung Kataloniens war im vergangenen Jahr eskaliert. Nach dem von Madrid nicht genehmigten Referendum hatte die damalige Regionalregierung einseitig die Unabhängigkeit Kataloniens ausgerufen. 

Sie wurde daraufhin von der spanischen Zentralregierung abgesetzt. Mehrere katalanische Unabhängigkeitsbefürworter wurden inhaftiert, der ehemalige Regionalpräsident Carles Puigdemont floh nach Belgien und wurde bei einem Aufenthalt in Deutschland kurzzeitig in Gewahrsam genommen, aber nach einem Gerichtsurteil nicht an Spanien ausgeliefert. Spanien zog den internationalen Haftbefehl zurück.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. September 2018 um 20:00 Uhr.

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