Rohingya-Kinder stehen im überfluteten Flüchtlingslager Balukhali in Cox's Bazar, Bangladesch. | Bildquelle: SALMAN SAEED/EPA-EFE/REX

Rohingya in Bangladesch Monsun überflutet Flüchtlingslager

Stand: 11.07.2019 16:01 Uhr

Zwei Jahre nach ihrer Flucht aus Myanmar leben rund eine Million Rohingya in Flüchtlingslagern in Bangladesch. Nach heftigen Monsun-Regenfällen hat sich die Lage dort dramatisch zugespitzt.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Während der dichte Monsunregen über den Flüchtlingslagern in Bangladesch niederprasselte, erhielten die Rohingya hohen Besuch. Der frühere Generalsekretär der Vereinten Nationen, Ban Ki-Moon, kam mit einer Delegation, um sich die Lebensbedingungen der Menschen anzusehen.

Er sei bestürzt, sagte Ban Ki-Moon: "Mehr als eine Million Flüchtlinge leben hier, und die Bedingungen sind wirklich sehr schlecht. Ich hoffe, dass diese Menschen bald in ihre Heimat zurückkehren können."

Ban Ki-Moon zeigt beim Besuch eines Flüchtlingscamps in Bangladesch mit der Hand nach oben. | Bildquelle: AP
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Ban Ki-Moon zeigte sich beim Besuch des Flüchtlingscamps Cox's Bazar in Bangladesch bestürzt.

Viele Hütten durch Erdrutsche zerstört

Im Sommer 2017 waren die Rohingya aus Myanmar vertrieben worden und vor der Gewalt der dortigen Armee geflohen. In Bangladesch leben sie in primitiven Behausungen in großen Lagern. Seit Monaten wird über ihre Rückführung nach Myanmar verhandelt.

Mit dem jetzt einsetzenden Monsun im Golf von Bengalen wurden große Teile der Flüchtlingslager überflutet. Viele Hütten wurden durch Erdrutsche zerstört.

Angehörige der muslimischen Rohingya auf der Flucht im konfliktgeplagten nördlichen Teil Myanmars. | Bildquelle: REUTERS
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Vor zwei Jahren sind Hunderttausende Rohingya aus Myanmar nach Bangladesch geflohen.

Klimawandel trifft diese Region besonders hart

Der Klimawandel habe gerade hier besonders schwere Auswirkungen, sagte Ban Ki-Moon im Flüchtlingslager von Cox´s Bazar:

"Bangladesch ist natürlich eines der am gefährdetsten Länder. Der Klimawandel macht sich hier viel schneller bemerkbar. Erst vergangenes Jahr hat uns der Weltklimarat IPCC gewarnt. Wenn wir es nicht schaffen, den Anstieg der Erderwärmung unter 1,5 Grad zu halten, dann gibt es keine Hoffnung mehr."

Bangladesch habe viel getan, meinte Kristalina Georgieva von der Weltbank, die zur Delegation des früheren UN-Generalsekretärs gehörte. Doch die Lage sei besorgniserregend. "Der Klimawandel trifft vor allem die armen Länder und die armen Menschen. Wenn wir nicht bis zum Jahr 2030 handeln, dann wird es infolge des Klimawandels 100 Millionen mehr Klimaflüchtlinge geben. Und bis zum Jahr 2050 sogar bis zu 143 Millionen."

Ein Mann schöpft mit einer Vase Wasser aus einer Hütte des überfluteten Flüchtlingslagers Cox's Bazar in Bangladesch. | Bildquelle: Björn Klüver
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Mit Vasen schöpfen die Rohingya im Flüchtlingslager in Cox's Bazar in Bangladesch das Regenwasser ab, um es als Trinkwasser zu nutzen. (Foto: Björn Klüver)

Und es regnet immer weiter

Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF hatte erst vor wenigen Tagen davor gewarnt, dass Tausende Familien mit Kindern in den Flüchtlingslagern in Bangladesch von Überflutungen bedroht sind. Die Hilfsorganisation World Vision teilte mit, dass Tausende Eltern in den Lagern geschult würden, wie sie ihre Kinder vor Hochwasser und extremen Wetterverhältnissen schützen können.

Meteorologen haben für die nächsten Tage weitere sintflutartige Regenfälle vorausgesagt. Und dabei hat der Monsun in Bangladesch gerade erst begonnen.

Überflutungen im Rohinyga-Flüchtlingscamp in Bangladesch
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
11.07.2019 14:44 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 11. Juli 2019 um 16:31 Uhr.

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