Bananen in Kolumbien | Bildquelle: imago/UIG

Verheerender Pilzbefall Die Banane ist in Gefahr

Stand: 13.08.2019 18:30 Uhr

Ein Pilzbefall macht dem Anbau von Bananen zu schaffen. Bislang gibt es kein geeignetes Gegenmittel. Und nun ist die Krankheit erstmals in den Hauptanbaugebieten Mittelamerikas aufgetreten.

Von Werner Eckert, SWR

Die Banane ist eine universelle Frucht: 100 Milliarden Stück werden jedes Jahr weltweit gegessen. Selbst in Deutschland steht sie in der Beliebtheit weit vor einheimischen Früchten wie Birnen, Trauben oder Pfirsichen. Nur der Apfel ist populärer. Bananen sind eine naturverpackte Snackware - süß, säurearm und sättigend. Das hat sie überaus beliebt gemacht.

Doch die Banane, wie wir sie kennen, ist in Gefahr. Seit 1990 breitet sich aus Südostasien ein Pilz aus, gegen den die Wissenschaft kein Mittel findet. "Fusarium oxysporum TR4" kommt aus dem Boden, setzt sich in den Leitungsbahnen der Bananenstauden fest, wächst und stranguliert die Pflanze, schneidet ihr den Wasser- und Nährstoffnachschub ab.

170 Hektar in Kolumbien gerodet

Der Pilz war auch in Ostafrika und am Mittelmeer schon aufgetreten. Eine Frage der Zeit nur war es, bis er auch die Hauptanbaugebiete in Mittelamerika erreichen würde. Jetzt ist er da.

Kolumbien hat 170 Hektar gerodet, Sperrbezirke eingerichtet und den nationalen Notstand ausgerufen. Es geht um viel: Wo TR4 zuschlägt, wächst keine Banane mehr - zumindest nicht jene Banane, die wir kennen.

Sorte ohne Samen

Denn die Seuche ist nur so gefährlich, weil eine einzige Sorte mit mehr als 95 Prozent den globalen Bananenhandel dominiert. Ihr Name ist "Cavendish". Und mehr noch: Diese Sorte hat keinen Samen. Gerade das macht sie so reizvoll.

Wildbananen haben erbsengroße Kerne und wenig Fruchtfleisch. Samenlose Sorten aber werden durch Stecklinge vermehrt. Die einzelnen Pflanzen sind Klone. Sie besitzen ein sehr einheitliches Erbgut. Das heißt, wenn der Pilz bei einer Pflanze Erfolg hatte, dann bei allen. Und es besteht keine Hoffnung, dass irgendwo vielleicht auch eine genetische Abwehr versteckt sein könnte.

Bananen in Kolumbien | Bildquelle: imago/UIG
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Bananenstaude in Kolumbien. Die Sorte "Cavendish" dominiert mit mehr als 95 Prozent den globalen Handel. Sie ist jedoch anfällig.

Empfindlich - aber mit sehr hohen Erträgen

Geschichte wiederholt sich. Schon einmal gab es eine ähnlich dominierende Sorte, die "Gros Michel", die erste Exportbanane der Welt. Und schon einmal machte ihr ein Verwandter des aktuellen Pilzes den Garaus: TR1, die Panama-Krankheit.

In den 1960er-Jahren stellte die berühmt-berüchtigte United Fruit Company dann den Welthandel um auf "Cavendish". Sie ist empfindlicher weil dünnschaliger, aber sie ermöglicht sehr hohe Erträge. Aber sie ist anfällig für verschiedene Pilzkrankheiten. Etwa die schwarze Sigatoka-Krankheit - sie ist bekämpfbar, aber das führt zu einem hohen Einsatz an Pestiziden.

Bei TR4 hilft auch das nicht mehr. Die Branche hat geahnt, dass es so weit kommen würde. Wenn der Pilz einmal in Mittelamerika angekommen ist, wird er kaum noch zu stoppen sein. Die Zeit rennt jetzt. Denn hier liegen die wichtigsten Anbauländer dicht an dicht: Ecuador, Costa Rica, Kolumbien, Honduras, Panama, Guatemala. Seit Jahren sucht die Branche einen Ausweg.

Forschung mit wilden Sorten

Es gibt Forschungsprogramme mit wilden Sorten. Auf die Ergebnisse gibt es vereinzelt Patente. Hoffnung setzte man auch auf eine beinahe ausgestorbene Sorte aus dem Oman, die "Umq B’ir"-Banane. Aber in all diesen Fällen handelt es sich um Früchte, die eher nach Apfel schmecken als nach dem, was wir - durch die Cavendish - als Bananengeschmack kennen.

Und die Früchte lagern sich zu schlecht für die Ansprüche des internationalen Bananenhandels. Klassische Resistenzzüchtung durch das Kreuzen von pilzfesten Sorten mit "Cavendish" hatten keinen Erfolg. Seit 2012 ist aber das Genom der Banane komplett entschlüsselt. Ein Ansatzpunkt für Gentechnologen etwa an der Universität von Wageningen in den Niederlanden. Vielleicht werden die Verbraucher dann vor die Wahl gestellt. Wahrscheinlich aber, sagen Experten, dauert auch das zu lange.

Vielfalt als Versicherung gegen Krankheiten

Auf regionalen Märkten in den Erzeugerländern gibt es noch eine breitere Palette anderer Sorten. Einige davon findet man gelegentlich auch in Deutschland im Angebot: rote Bananen, Ladyfinger und diverse Zwerg- oder Babybananen. Sie alle haben nicht das Potenzial für billige Früchte in großen Mengen.

Genau das hat den Erfolg der "Cavendish" ausgemacht. Zu Lasten der Umwelt und der Vielfalt.

Forscher wie Andreas Bürkert, Leiter des Fachgebiets ökologischer Pflanzenbau und Agrarsystemforschung an der Universität Kassel, warnen davor, den gleichen Fehler im Bananenanbau nun ein drittes Mal zu machen und alles auf eine Sorte zu setzen. Er fordert mehr Vielfalt in den Anbaugebieten als beste Versicherung gegen Krankheiten.

Banane in Gefahr? Was es mit dem Bananenpilz auf sich hat
Anne Herrberg, ARD Buenos Aires
13.08.2019 23:16 Uhr

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Über dieses Thema berichtet NDR Info am 14. August 2019 um 15:41 Uhr.

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