Außenministerin Baerbock legt Blumen am Holocaustdenkmal in Athen nieder. | AFP

Griechenland-Reise Baerbock gedenkt Opfer des Zweiten Weltkriegs

Stand: 28.07.2022 15:32 Uhr

Bundesaußenministerin Baerbock hat während ihrer Griechenland-Reise der Opfer des Zweiten Weltkriegs gedacht. Reparationsansprüche der griechischen Regierung an Deutschland wies sie zurück.

Zum Auftakt ihrer Antrittsbesuche in Griechenland und der Türkei hat Außenministerin Annalena Baerbock an die Gräueltaten der deutschen Besatzung durch die Nationalsozialisten erinnert. In Athen besuchte sie das ehemalige Gefängnis der NS-Kommandantur. Dort waren Tausende Zivilisten und Widerstandskämpfer zwischen 1941 und 1944 inhaftiert und gefoltert worden. Anschließend legte die Ministerin Blumen am Athener Holocaust-Mahnmal nieder.

Baerbock erklärte in einem Interview mit der griechischen Zeitung "Ta Nea", es sei ihr eine "Herzensangelegenheit", an die Schreckensherrschaft der Nationalsozialisten zu erinnern. Sie hoffe, dass ihre Reise als Beginn einer vertieften, gemeinsamen Auseinandersetzung mit den Verbrechen Nazi-Deutschlands verstanden werde.

Vielen Deutschen ist Griechenland als Urlaubsort sehr vertraut, aber zu wenige wissen um das Ausmaß der Schuld, die Deutschland dort im Zweiten Weltkrieg durch die Gräueltaten der NS-Besatzung auf sich geladen hat.

Deutsche Regierung lehne Reparationen ab

Die Erinnerung an die Verbrechen wachzuhalten sei ihr wichtig, weil sie die Voraussetzung einer guten gemeinsamen Zukunft sei, so Baerbock. Zugleich wies sie die Reparationsforderungen für das Leid während der NS-Besatzung Griechenlands zurück. Wie Polen fordert auch Griechenland weiterhin Verhandlungen über Entschädigungen aus dem Zweiten Weltkrieg. Baerbock stellte klar, dass die Bundesregierung dem griechischen Wunsch nach Gesprächen für solche Verhandlungen nicht nachkommen könne.

Die Bundesregierung argumentiert seit Jahren damit, dass es dafür keine Rechtsgrundlage gäbe. Dabei bezieht sie sich auf den Zwei-Plus-Vier-Vertrag von 1990. Die griechische Regierung hat die Forderungen nach Reparationen jedoch offiziell nie aufgegeben.

Spannungen zwischen Griechenland und der Türkei

Bei ihrer dreitätigen Reise zu den NATO-Mitgliedern Griechenland und Türkei warnte Baerbock auch vor einer Spaltung innerhalb des Militärbündnisses. Sie rief die Länder dazu auf, ihre wachsenden Spannungen beizulegen. Konkurrierende Gebietsansprüche in der Ägäis belasten immer wieder die Beziehungen zwischen den beiden Ländern. Die Türkei stellte zuletzt die griechische Souveränität über mehrere Ägäis-Inseln in Frage. Am Dienstag hatte die Türkei angekündigt, Gasbohrungen im Mittelmeer aufzunehmen, was einen Streit entfachen könnte.

Morgen soll Baerbock den griechischen Ministerpräsidenten Kyriakos Mitsotakis und Außenminister Nikos Dendias treffen. Im Anschluss ist geplant, dass sie nach Istanbul weiterreist, um dort Gespräche mit dem türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu zu führen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. Juli 2022 um 14:00 Uhr.