Der heilige Berg der Aborigines, der Uluru

Kletterverbot am Uluru Einem Heiligtum steigt man nicht aufs Dach

Stand: 25.10.2019 08:08 Uhr

Früher hieß er Ayers Rock, für die Ureinwohner Australiens ist er der Uluru und - heilig. Deshalb dürfen ab morgen keine Kletterer mehr den Berg betreten. Der musste einen letzten großen Ansturm ertragen.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur, zzt. Australien

Mitten in der Weite und der roten Erde, zwischen Eukalyptus, Spinifexgräsern und Silbereichen erhebt er sich plötzlich: der größte Monolith der Welt ragt 350 Meter hoch über die Wüste, aus dem Nichts heraus, hier im roten Herz von Australien.

Ein heiliger Ort, das ist für jeden verständlich, der die Macht und Stärke dieses gigantischen Felsens von Angesicht zu Angesicht erlebt. Auf Schildern steht: "Wir, die traditionellen Eigentümer vom Volk der Anangu, haben Folgendes zu sagen: Uluru ist in unserer Kultur heilig. Er ist ein Ort großen Wissens. Nach unseren traditionellen Gesetzen ist es verboten, auf ihn zu klettern."

Kletterer am Uluru | Bildquelle: LUKAS COCH/EPA-EFE/REX
galerie

Am Vormittag stürmten ein letztes Mal Touristen den Berg - ab morgen ist er für Kletterer tabu.

Kletterer am Halteseil auf dem Uluru | Bildquelle: LUKAS COCH/EPA-EFE/REX
galerie

Das Halteseil wird in der kommenden Woche abmontiert. Ein Verstoß gegen das Kletterverbot kostet knapp 400 Euro Strafe.

Höfliche Bitte der Eigentümer

Seit 34 Jahren, seit dem 26. Oktober 1985, sind die indigenen Bewohner des Landes auch wieder die Eigentümer. Seitdem bitten sie höflich darum, ihr Heiligtum zu respektieren. Was viele Besucher verstehen. "Ich bin durchaus der Ansicht, dass man es schließen sollte", sagt eine Frau aus Lübbeke, "man soll das respektieren, was die Aborigines mit diesem Uluru oder Ayers Rock verbinden." Und ein Mann ergänzt: "Es ist ihr Land. Wenn sie sagen, sie möchten nicht, dass man hier hochklettert, muss man das respektieren."

Spiritualität statt Eroberung

Dennoch sind immer noch Tausende hinaufgeklettert. Auch Alte, Familien mit kleinen Kindern, haben ihr Leben in der tödlichen Hitze riskiert und auch das der Ranger, die sie retten mussten, erzählt Steven Baldwin, Manager des Nationalparks rund um den Uluru. "Menschen wollen etwas erobern. Sie glauben, sie müssten Dinge erklimmen und damit erobern. Und indem sie auf etwas klettern und ein Selfie machen und es in den sozialen Medien posten, zeigen sie, dass sie diesen Felsen erobert haben. Dabei kann man ihn besuchen und die Stille aufnehmen und die Spiritualität aufsaugen, ohne, dass man darauf klettern muss."

Immer wieder Tote, immer mehr Umweltschäden

36 Tote gab es schon auf dem Uluru, viele Verletzte, und das ganze Volk der Anangu leidet bei jedem mit.

Der Umweltschaden durch die Kletterer war über die Jahre ebenfalls problematisch: Viele Besucher haben ihren Müll hinterlassen, manche haben sich dort erleichtert - wenn der Fels eine heilige Stätte ist, dann ist es, als ob man auf dem Kölner Dom sein Geschäft hinterließe. Damit sollte nun Schluss sein.

Doch nicht jeder ist einverstanden. "Nein, ich meine, man sollte so ein Kulturgut nicht der Öffentlichkeit vorenthalten", sagt dieser Mann aus Deutschland, "Man sollte natürlich vorsichtig sein, 'careful' mit der Natur umgehen. Aber andererseits:  Deswegen sind wir ja extra hergekommen nach Australien."

Man darf drumherum, aber nicht mehr rauf

Was dieser Herr aus Lübbeke befürchtet, hat niemand vor. Der Uluru wird zugänglich bleiben, nur eben nicht besteigbar.  Und es gibt viele Alternativen: Mit Fahrrad oder Segway die zehn Kilometer um den Felsen herum, es gibt Reptilienshows, Kunstgalerien, Kamelritte, Sternenhimmel-Vorträge. Aber vor allem gibt es den ehrfurchtgebietenden Felsen.

Ein junger Australier sitzt mit Frau und Baby an einem der Wasserlöcher rund um den Uluru. "Ich wollte eigentlich nie den Uluru erklimmen", sagt er, "aber wenn ich ihn so sehe … ich war früher Kletterer und habe sofort den Wunsch, auf diesen Felsen zu klettern. Aber man muss den Kontext der Aborogines verstehen, mit ihrer Kultur, die bis zu 70.000 Jahre alt ist. Sie sind nomadisch, sie haben keine Kirchen gebaut, ihre Kirche ist die Landschaft."

Man sollte diese Kirche nicht durch Klettern entweihen, findet er. Sie zu betrachten, ist die wahre Bereicherung

Kletterverbot auf Uluru Ayers Rock
Lena Bodewein, ARD Singapur
25.10.2019 06:48 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete am 25. Oktober 2019 MDR Aktuell um 09:52 Uhr und die tagesschau um 12:00 Uhr.

Darstellung: