Ein Flugzeug mit rückreisenden Australiern aus Indien ist in Darwin gelandet. | EPA

Rückreiseverbot aus Indien endet Australien öffnet - ein wenig

Stand: 15.05.2021 11:45 Uhr

Um die Pandemie einzudämmen, hatte sich Australien massiv abgeschottet. Selbst Australier durften nicht nach Hause zurückkehren - bis heute. Ein Flugzeug brachte 70 Staatsbürger aus Indien zurück in die Heimat.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Australien, das Traumziel Down Under mit seinem locker-entspannten Flipflop-Surfer-Image, ist wegen der Corona-Pandemie zu einer Festung geworden - keiner darf raus, kaum jemand darf rein. Auch die Australier selbst nicht.

Lena Bodewein ARD-Studio Singapur

"Das ist mein australischer Pass. Auf der ersten Seite steht eine Erklärung, die eindeutig besagt, dass dieser Pass seinem Träger freien Zugang und Ausgang ohne Hindernisse erlaubt und ihm Hilfe und Schutz zusagt, wenn er in Not ist", sagt Kosmetikproduzent Vikram Sharma. Er ist einer von rund 9500 Australiern, die in Indien festsitzen. "Und plötzlich ist dieser Pass, meine Existenz als australischer Bürger, nichts mehr wert für sie", sagt Sharma der Nachrichtenagentur Reuters.

Sie, das ist die australische Regierung. Anfang Mai hatte sie verfügt, dass Australier nicht aus Indien zurückkehren dürfen - ein Bann, der zunächst 14 Tage gelten sollte. Wer es trotzdem versuchte, dem drohten bis zu fünf Jahre Gefängnis oder umgerechnet 42.000 Euro Geldstrafe.

Beschwerden wegen Menschenrechtsverletzung

Premierminister Scott Morrison verteidigte den Schritt. "Es ist meine Verantwortung, alles zu tun, um eine dritte Welle in unserem Land zu verhindern. Ich entschuldige mich also für nichts", sagte Morrison. Er danke besonders der indischen Gemeinschaft in Australien und in Übersee für deren Geduld und ihr Verständnis.

Viel Verständnis bekam er aber nicht. Es gab Beschwerden über Verletzungen von Menschenrechten und über Rassismus. Australier mit indischen Wurzeln sagten, sie fühlten sich als Bürger zweiter Klasse, ein Sportkommentator, der in Indien festsaß, schrieb, Morrison habe Blut an seinen Händen. "Diese Menschen machen harte Zeiten durch, das verstehen wir", sagte Morrison. "Darum arbeiten wir daran, so schnell wie möglich ihre Familien und Bürger sicher nach Hause zu bringen."

35.000 Australier warten auf Heimreise

Heute früh endete der Reisebann gegenüber Indien - eine Qantas-Maschine hatte 1056 Beatmungsgeräte und 60 Sauerstoffkonzentratoren als Hilfe nach Indien gebracht, auf dem Rückweg sollte sie 150 Australier mitnehmen. Um 9 Uhr Ortszeit landete das Flugzeug in Darwin, im Norden Australiens. Allerdings mussten 70 Passagiere in Indien zurückbleiben, da sie selbst oder Familienangehörige vor dem Abflug positiv auf das Coronavirus getestet worden waren. Diejenigen, die es ins Land geschafft haben, müssen zwei Wochen Quarantäne in einem alten Bergarbeitercamp absolvieren.

Bis Ende Juni sollen 1000 Landsleute aus Indien zurückgebracht werden. Aber für etwa 35.000 weitere Australier in aller Welt steht eine Rückkehr in weiter Ferne. Teilweise haben sie ihre Familien seit mehr als einem Jahr nicht mehr gesehen. Die Zahl der Rückflüge ist gering, die Kosten für ein Ticket und zwei Wochen Quarantäne sind für viele unbezahlbar. Für Nicht-Australier bleiben die Grenzen dicht. Mitte oder gar erst Ende nächsten Jahres könnte die reguläre Reisetätigkeit vielleicht wiederaufgenommen werden.

Umgekehrt müssen Australier, die ihr Land verlassen wollen, triftige Gründe vorweisen - etwa, dass sie auswandern oder einen Familienangehörigen beerdigen müssen. Aber viele würden ihre Liebsten wohl gerne noch einmal lebendig sehen.

Dieser Beitrag lief am 15. Mai 2021 um 12:50 Uhr auf B5 aktuell.