141 Flüchtlinge auf der Aquarius | Bildquelle: Guglielmo Mangiapane/SOS MEDITER

Flüchtlinge weiter auf See Kein Hafen für die "Aquarius"

Stand: 13.08.2018 17:46 Uhr

Italien sagt Nein, Malta sagt Nein - und dieses Mal sagt auch Spanien Nein. Keines der Länder will das Rettungsschiff "Aquarius" anlegen lassen. 141 Migranten sind an Bord. Die EU-Kommission ist alarmiert.

Anders als bei der Aufnahme von 629 Migranten der "Aquarius" am 17. Juni ist Spanien diesmal nicht bereit, dem Rettungsschiff "Aquarius" einen Hafen zum Einlaufen anzubieten. Im aktuellen Fall sind 141 Migranten an Bord. "Spanien ist zur Zeit gemäß internationalem Recht nicht der sicherste Hafen, weil es nicht der nächstgelegene Hafen ist", sagte ein Sprecher der Regierung.

Die jetzige Lage könne mit der von Mitte Juni "nicht verglichen werden". Damals habe es eine "humanitäre Notlage" vorgelegen. Die spanische Regierung in Madrid wollte sich nicht dazu äußern, wie man vorgehen würde, falls sich die Lage um die "Aquarius" in den nächsten Tagen verschlimmern sollte. Schon im Juni hatten einige Minister aber erklärt, die Aufnahme der von Italien und Malta zurückgewiesenen Rettungsschiffe durch Spanien könne nicht zur Regel werden.

Die "Aquarius" harrt genau zwischen Malta und Italien in etwa 60 Kilometern Entfernung zu den Küsten aus und wartet auf weitere Anweisungen.

Italien sieht Großbritannien in der Verantwortung

Die italienische Regierung hatte zuvor Großbritannien die Verantwortung für 141 Gerettete zugeschoben, die die "Aquarius" am Freitag von zwei Booten aufgenommen hatte. Italiens Transportminister Danilo Toninelli begründete das damit, dass das Schiff unter der Flagge des britischen Überseegebietes Gibraltar fahre. Auch Malta erteilte den Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée keine Genehmigung für das Anlaufen eines Hafens.

Eine Sprecherin der EU-Kommission sagte, die Behörde sei mit mehreren EU-Staaten im Gespräch, die wegen der "Aquarius" Kontakt gesucht hätten. Man stehe bereit, diplomatische Unterstützung zu bieten, so dass schnell eine Lösung gefunden werde.

Auch andere Schiffe, die Menschen aus Seenot gerettet hatten, konnten über Tage hinweg nicht anlegen, weil ihnen nicht sofort ein Hafen zugewiesen wurde. Im Juli hatte die italienische Regierung zwei Schiffe erst anlegen lassen, nachdem unter anderem Deutschland und Frankreich zugesagt hatten, einige Migranten direkt zu übernehmen.

Andere Schiffe leisteten laut Migranten keine Hilfe

"Das Grundprinzip, Menschen in Seenot zu retten, ist bedroht", warnte Aloys Vimard, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Schiffe sind nämlich unter Umständen nicht mehr bereit, auf die Hilferufe zu reagieren, weil das Risiko zu hoch ist, dass ihnen ein nächstgelegener sicherer Hafen verwehrt wird und sie alleingelassen werden."

Migranten an Bord hätten der Besatzung berichtet, dass sie vor ihrer Rettung durch die "Aquarius" fünf verschiedene Schiffe in der Nähe gesehen hätten, die aber keine Hilfe geleistet hätten.

Frontex: Deutlich weniger Migranten kommen ab

Die Grenzschutzagentur Frontex teilte unterdessen mit, dass in den ersten sieben Monaten des Jahres rund 73.500 Migranten in Europa ankamen. Damit sei die Zahl im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 43 Prozent zurückgegangen. Vor allem über die zentrale Mittelmeerroute zwischen Libyen und Italien kamen demnach deutlich weniger Menschen. In Spanien landeten dagegen mehr als doppelt so viele Migranten an.

EU sucht Lösung für Flüchtlinge auf der Aquarius
Holger Beckmann, DLF
13.08.2018 21:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 13. August 2018 um 17:00 Uhr.

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