Ankunft der Aquarius im Hafen von Valletta | Bildquelle: REUTERS

Rettungsschiff für Flüchtlinge "Aquarius" legt in Malta an

Stand: 15.08.2018 16:18 Uhr

Die Irrfahrt der "Aquarius" ist zu Ende: Nach fast fünf Tagen Fahrt im Mittelmeer hat das Rettungsschiff in Malta festgemacht. Die Flüchtlinge und Migranten sollen auf mehrere EU-Staaten verteilt werden.

Nach tagelanger Irrfahrt auf dem Mittelmeer hat das Rettungsschiff "Aquarius" mit 141 Menschen an Bord in Malta angelegt. Die Hilfsorganisationen "SOS Méditerranée" und "Ärzte ohne Grenzen", die das Schiff betreiben, begrüßten die europäische Zusammenarbeit bei der Beendigung der Rettungsaktion.

Malta hatte sich zuvor bereit erklärt, seinen Hafen zu öffnen. Die Flüchtlinge und Migranten sollen nach Angaben der maltesischen Regierung auf Spanien, Frankreich, Portugal und Luxemburg sowie Deutschland verteilt werden. Deutschland übernimmt laut Bundesinnenministerium 50 Gerettete.

Regierungssprecher Steffen Seibert sagte, im Fall der "Aquarius" habe aus humanitären Gründen unmittelbar eine Lösung gefunden werden müssen. Er forderte aber eine gesamteuropäische Lösung für Seenotrettung, Asylverfahren und Verteilung von Flüchtlingen in der EU.

Auch das UN-Flüchtlingskommissariat mahnte von Europa eine einheitliche Regelung für das Anlegen von Schiffen mit geretteten Migranten an. Schiffe, die Flüchtlinge und Migranten aus dem Mittelmeer gerettet haben, sollten künftig nicht mehr auf See festsitzen, forderte das UNHCR.

Verena Papke, Geschäftsführerin von SOS Mediterranee, und Florian Westphal, Geschäftsführer der deutschen Sektion Ärzte ohne Grenzen, bei einer Pressekonferenz. | Bildquelle: dpa
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Ankunft in einem sicheren Hafen: Verena Papke (SOS Mediterranee) und Florian Westphal (Ärzte ohne Grenzen) berichten von der Irrfahrt der "Aquarius"

Migranten berichten von Misshandlungen

Die Besatzung der "Aquarius" hatte die Menschen am Freitag vergangener Woche aus zwei Booten vor der libyschen Küste aus Seenot gerettet. Italien weigerte sich, die Flüchtlinge aufzunehmen, sodass die "Aquarius" zwischen Malta und Italien ausharren musste.

Die Mehrheit der Menschen an Bord sind nach Angaben der Retter Eritreer und Somalier, unter ihnen rund 70 Minderjährige und knapp 40 Kinder unter 15 Jahren. Viele der Geretteten seien monatelang in den libyschen Lagern inhaftiert gewesen, berichtete der Geschäftsführer von "Ärzte ohne Grenzen", Florian Westphal.

Die Ärzte auf dem Schiff haben seinen Angaben zufolge Fälle von Mangelernährung und Folterspuren festgestellt. Wunden und Narben entsprächen dem, was die Menschen an Misshandlungen schilderten.

Kontakt mit libyscher Seenotrettungsstelle

Die Besatzung der "Aquarius" hatte nach Angaben von "SOS-Méditeranée"-Geschäftsführerin Verena Papke während der Rettungsaktion Kontakt mit der libyschen Seenotrettungsstelle. Diese habe zwar die Rettung koordiniert, dem Schiff aber keinen sicheren Hafen zugewiesen. Flüchtlinge nach Libyen zurückzubringen, sei für ihre Organisation sowie "Ärzte ohne Grenzen" ausgeschlossen, sagte Papke.

Im Juni waren die Retter schon einmal zu einer einwöchigen Irrfahrt mit mehreren Hundert Flüchtlingen an Bord gezwungen worden. Schließlich durfte das Schiff in der spanischen Hafenstadt Valencia anlegen.

Die "Aquarius" will nun so schnell wie möglich in die Rettungszone vor der libyschen Küste zurückkehren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk in den Nachrichten am 15. August 2018 um 16:00 Uhr.

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