Ein Foto, das aus der Luft gemacht wurde, und von der ESA am 02.08.2017 veröffentlicht wurde, zeigt einen gigantischen Riss im Larsen-C-Schelfeis in der Antarktis. | Bildquelle: dpa

Studie zum Meeresspiegel Das größte Risiko liegt in der Antarktis

Stand: 14.02.2020 08:30 Uhr

In den zurückliegenden 100 Jahren ist der Meeresspiegel um 19 Zentimeter gestiegen - unter anderem wegen schmelzender Gebirgsgletscher. Dieser Anstieg könnte sich vervielfachen, warnen Forscher. Der entscheidende Faktor: das Eis der Antarktis.

Die Eisschmelze in der Antarktis stellt nach Einschätzung von Wissenschaftlern ein noch größeres Risiko für Küstenregionen weltweit dar, als bislang angenommen. Die Forscher eines internationalen Teams gehen davon aus, dass alleine durch diesen "Antarktis-Faktor" der Meeresspiegel weltweit bis zum Ende dieses Jahrhunderts um bis zu 58 Zentimeter ansteigen könnte.

Risiko hängt vom CO2-Ausstoß ab

Die Studie, für die eine ganze Reihe von Computersimulationen durchgeführt wurde, wurde unter anderem vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung verfasst. Darin verweisen die Autoren ausdrücklich darauf, dass es sich bei ihrer Prognose um einen Maximalwert handelt - mir großer Schwankungsbreite: Bei unvermindertem Treibhausgasausstoß liege der wahrscheinliche Effekt für den Anstieg des Meeresspiegels zwischen sechs und 58 Zentimetern. Gelinge es dagegen, die Emissionen rasch zu verringern, liege die Spanne zwischen vier und 37 Zentimetern.

Zum Vergleich: In den vergangenen 100 Jahren ist der Meeresspiegel nach Angaben der Forscher um 19 Zentimeter gestiegen. Wichtigste Faktoren dafür seien die schmelzenden Gebirgsgletscher gewesen - sowie die thermische Ausdehnung des sich erwärmenden Meerwassers. Der jetzt in der Zeitschrift "Earth System Dynamics" der Europäischen Geowissenschaftlichen Union (EGU) veröffentlichten Studie zufolge wird der Anteil der Antarktis jedoch wohl absehbar zum wichtigsten Faktor werden.

Bis zu 150 Zentimeter Anstieg?

Alle Faktoren zusammen - also die Ausdehnung der Ozeane plus das Abschmelzen des Eises von Grönland und der Hochgebirgsgletscher plus das Abschmelzen des antarktischen Eisschildes - ergeben dann das Gesamtrisiko des Meeresspiegelanstiegs. Es liegt nach Angaben von Anders Levermann vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung bei bis zu 150 Zentimeter bis zum Ende des Jahrhunderts.

"Der 'Antarktis-Faktor' erweist sich als die größte Unbekannte, aber dadurch auch als das größte Risiko für den Meeresspiegel weltweit", sagt Levermann, der die Studie federführend mitverfasst hat. Was man aber mit Sicherheit wisse, sei, "dass das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas die Risiken für die Küstenmetropolen von New York bis nach Mumbai, Hamburg oder Shanghai weiter in die Höhe treibt".

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Nova am 14. Februar 2020 um 06:00 Uhr.

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