Verletzte nach Anschlag in Kabul | via REUTERS

Zahlreiche Tote IS-Terror am Flughafen Kabul

Stand: 26.08.2021 22:07 Uhr

Inmitten des Evakuierungseinsatzes in Kabul haben Terroristen des "Islamischen Staates" zahlreiche Afghaninnen und Afghanen sowie 13 US-Soldaten getötet. Am Flughafen sprengten sich zwei Selbstmordattentäter in die Luft.

Seit Tagen war vor Terroranschlägen inmitten der chaotischen Szenen in Kabul gewarnt worden - jetzt ist dieses grausame Szenario Wirklichkeit geworden. Kurz vor dem Ende des internationalen Evakuierungseinsatzes töteten Terroristen des "Islamischen Staates" zahlreiche Menschen, die vor den Toren des Flughafens auf Ausreise gehofft hatten. Wie viele Menschen insgesamt starben, ist unklar. Laut afghanischen Behörden starben mindestens 60 Männer, Frauen und Kinder.

13 US-Soldaten getötet

Bestätigt sind bislang die Opfer unter den US-Soldaten, die Teile des Flughafengeländes sowie die Eingänge sichern. US-General Kenneth McKenzie, der das US-Zentralkommando CENTCOM führt, teilte mit, 13 US-Soldaten seien getötet worden. Pentagon-Sprecher John Kirby bestätigte zudem, dass es zu einer weiteren Explosion in einem nahe gelegenen Hotel gekommen sei. Dort werden britische Bürger und gefährdete Afghaninnen und Afghanen auf ihre Evakuierung nach Großbritannien vorbereitet.

General McKenzie äußerte sich zudem zum Ablauf der Attacke am Flughafen: Demnach sprengten sich dort mindestens zwei Selbstmordattentäter in die Luft. Nach den Detonationen hätten mehrere Kämpfer des IS das Feuer auf Zivilisten und Soldaten eröffnet. Kirby hatte zuvor von einer "komplexen Attacke" gesprochen.

Ein Augenzeuge aus Kabul berichtete, nach der Explosion hätten US-Soldaten an einem anderen Flughafengate Tränengas eingesetzt, um die Menschen auseinanderzutreiben. Zu dem Zeitpunkt hätten dort 2000 bis 4000 Menschen gestanden. Mehrere Frauen und Mädchen seien durch das Tränengas verletzt worden.

Bundeswehr nicht involviert

Nach Angaben des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr sind keine Einsatzkräfte der Bundeswehr betroffen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach von einem "absolut niederträchtigen Anschlag". Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer verurteilte die Attacke und sprach den Familien der Opfer ihre Anteilnahme aus.

Der IS reklamierte die Tat inzwischen für sich. Der IS in Afghanistan agiert unabhängig von den Taliban und tritt für eine noch extremere Auslegung des Islam ein. In den vergangenen Tagen hatte es zunehmend Warnungen vor Terroranschlägen der Terrormiliz rund um den Flughafen in Kabul gegeben. Die US-Botschaft hatte US-Bürger, die sich am Abbey Gate, East Gate oder North Gate aufhielten, in der Nacht zu Donnerstag dazu aufgerufen, das Gebiet "sofort" zu verlassen. Großbritanniens Staatssekretär im Verteidigungsministerium, James Heappey, sprach noch am Morgen von der Drohung eines "ernsthaften, unmittelbaren, tödlichen Angriffs" binnen Stunden auf den Flughafen oder die von westlichen Truppen genutzten Zentren.

Deutscher Einsatz beendet

Dennoch drängten sich Tausende Menschen trotz aller Warnungen an den Toren und versuchten, in eine der mutmaßlich letzten Maschinen zu gelangen. Viele westliche Staaten haben ihren Evakuierungseinsatz inzwischen beendet - auch die Bundeswehr. Am Abend (Ortszeit) starteten die letzten Maschinen mit dem Ziel Taschkent in Usbekistan. Kramp-Karrenbauer sagte, auch alle beteiligten Bundeswehrsoldaten, Mitarbeiter des Auswärtigen Amts sowie Bundespolizisten hätten Afghanistan verlassen.

Seit der Machtübernahme der radikalislamischen Taliban vor rund zwei Wochen hat die Bundeswehr nach Angaben der Verteidigungsministerin 5347 Menschen aus 45 Nationen aus Kabul evakuiert - darunter etwa 5000 Afghaninnen und Afghanen.

Die US-Streitkräfte flogen bis gestern rund 13.400 Personen aus Afghanistan aus. Damit steigt die Zahl der von den USA und ihren Alliierten seit dem 14. August evakuierten Menschen auf rund 95.700, teilte die US-Regierung mit. Den noch in Kabul ausharrenden Menschen - darunter Tausende Ortskräfte, die für die Bundeswehr gearbeitet haben - läuft jedoch die Zeit davon. Am 31. August soll der US-Truppenabzug aus Kabul beendet werden. Ohne die US-Unterstützung ist eine Fortsetzung der Evakuierungsflüge aber undenkbar.

Bundesaußenminister Heiko Maas sagte, die Bundesregierung plane schon länger für die Zeit nach der Luftbrücke. Sie arbeite mit Hochdruck daran, Ausreisemöglichkeiten für die noch verbliebenen Ortskräfte und besonders gefährdeten Afghaninnen und Afghanen zu schaffen. Er werde in den kommenden Tagen in die Region reisen, unter anderem in die Türkei, nach Usbekistan und Pakistan. Dabei solle sichergestellt werden, dass die Menschen schnell und sicher von der Grenze zu den deutschen Botschaften in Afghanistans Nachbarländern gelangen können.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 26. August 2021 um 20:00 Uhr.