Marthe Wandou | dpa

Alternative Nobelpreise vergeben "Solidarität als Schlüssel zu besserer Zukunft"

Stand: 01.12.2021 18:38 Uhr

In Stockholm haben die Gewinner des Alternativen Nobelpreises ihre Auszeichnung erhalten. Geehrt wurde der Kampf gegen Gewalt und Umweltzerstörung. Freuen durften sich Preisträger aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien.

Für ihren Einsatz für Menschenrechte, Umwelt- und Klimaschutz sind zwei Frauen, ein Mann und eine Aktivistengruppe mit dem Alternativen Nobelpreis ausgezeichnet worden. Etwa 100.000 Euro Preisgeld erhielt jeder von ihnen. Ausgezeichnet von der Right Livelihood Foundation wurden Aktivisten aus Kamerun, Russland, Kanada und Indien.

Sie erhielten den Preis "als Ehrung für ihren außergewöhnlichen und mutigen Einsatz für die Rechte von Frauen und Mädchen und indigener Völker sowie für den Klimaschutz", wie die Organisatoren Ende September in Stockholm bei der Ankündigung mitteilten.

Juristin und Klimaaktivist gewürdigt

Die Juristin Marthe Wandou aus Kamerun und die von ihr gegründete Organisation Aldepa erhalten die Auszeichnung für "die Schaffung eines Modells des gemeindebasierten Kinderschutzes angesichts terroristischer Übergriffe und geschlechtsspezifischer Gewalt in der Tschadsee-Region". Seit 30 Jahren setzt sie sich für die Rechte von Kindern - insbesondere von Mädchen ein. Sie bekämpft sexualisierte Gewalt, fördert Bildungsangebote und bindet Gemeinden und Eltern in die Arbeit ein.

Der russische Klimaaktivist Wladimir Sliwjak wurde "für seinen langjährigen Einsatz für den Umweltschutz" ausgezeichnet. Er habe den zivilen Widerstand gegen die Kohle- und Atomindustrie in Russland gestärkt, teilte die Stiftung bei der Bekanntgabe der Preisträger im September mit. Sliwjak ist Mitbegründer der russischen Umweltschutzorganisation Ecodefense.

Auszeichnungen nach Kanada und Indien

Geehrt wurde auch die kanadische Aktivistin Freda Huson. Sie setzt sich für den Schutz indigener Gruppen ein und erhält den Preis für "ihren furchtlosen Einsatz in der Rückeroberung der Kultur ihres Volkes und die Verteidigung ihres Landes gegen verheerende Pipeline-Projekte" in der kanadischen Provinz British Columbia. Huson selbst ist weibliches Oberhaupt der indigenen Wet'suwet'en: "Wir wollen vor allem die Aufmerksamkeit darauf richten, welche Ungerechtigkeiten in Kanada geschehen, wo unsere indigenen Völker von der Regierung gezwungen werden, ihr Land zu verlassen, um Platz für die Industrie zu machen", sagt sie.

Die vierte Ehrung erhielt die indische Aktivistengruppe Legal Initiative for Forest and Environment (LIFE). Der Zusammenschluss von Juristinnen und Juristen erhält den Preis der Stiftung zufolge für die "innovative juristische Arbeit, mit der sie Gemeinden in Indien beim Schutz ihrer natürlichen Ressourcen und in ihrem Einsatz für eine ökologische Demokratie" unterstützt. 

Preis wird seit 1980 vergeben

Vor dem Hintergrund der Klimakrise, mächtiger Regierungs- und Unternehmensinteressen und sogar terroristischer Bedrohung bewiesen die Ausgezeichneten, dass Solidarität der Schlüssel zu einer besseren Zukunft für alle sei, teilte die Stiftung mit.

Der Alternative Nobelpreis wird von der Right Livelihood Award Foundation seit 1980 jährlich an Personen oder Organisationen vergeben. Der Zweck des Preises ist, Menschen zu würdigen und zu unterstützen, die beispielhaft auf die dringlichsten Herausforderungen der Menschheit antworten. Gestiftet wurde der Preis ursprünglich von dem Journalisten und Philatelisten Carl Wolmar Jakob von Uexküll (77), einem ehemaligen Mitglied des EU-Parlaments.

Der Right Livelihood Award wird im Deutschen häufig als Alternativer Nobelpreis bezeichnet. Zu den früheren Preisträgern gehören der frühere US-Geheimdienstmitarbeiter Edward Snowden, die deutsche Politikerin Petra Kelly, der brasilianische Befreiungstheologe Leonardo Boff sowie die schwedische Umweltaktivistin Greta Thunberg.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 01. Dezember 2021 um 17:00 Uhr.