Mitglieder der Al Shabaab Miliz bei einer Parade, nachdem sie hungerleidenden Flüchtlingen etwas zu essen gegeben haben, 50 Kilometer entfernt von Somalias Hauptstadt Mogadischu. | Bildquelle: REUTERS

Al-Shabaab-Miliz Somalias terroristische "Jugend"

Stand: 28.12.2019 17:25 Uhr

Auf ihr Konto gehen etliche Anschläge mit Hunderten Toten - die somalische Al-Shabaab-Miliz verbreitet seit mehr als 10 Jahren Angst und Schrecken am Horn von Afrika. Es ist ein blutigen Kampf für die Scharia.

Die Al-Shabaab-Miliz wurde zwar im August 2011 von Truppen der Afrikanischen Union (AU) aus Somalias Hauptstadt Mogadischu vertrieben, kontrolliert aber nach wie vor weite Gebiete im Süden und Zentrum des ostafrikanischen Landes und verübt immer wieder Anschläge in der Hauptstadt. Zuletzt bevorzugten die sunnitischen Fundamentalisten Ziele wie Hotels, öffentliche Gebäude oder Plätze und auch Regierungseinrichtungen.

Al-Shabaab heißt übersetzt "die Jugend". Tatsächlich soll die Miliz aus einer Jugendbewegung der "Union islamischer Gerichte" hervorgegangen sein, die 2006 kurzzeitig die Kontrolle über Teile Somalias übernommen hatte. Sie will eine strenge Auslegung des islamischen Scharia-Rechts durchsetzen und einen islamischen Staat am Horn von Afrika errichten.

Verbindungen zu Al-Kaida und IS

Die Shabaab-Miliz soll über 5000 bis 9000 Kämpfer verfügen, ihr Anführer ist seit 2014 Ahmed Umar Dirieh alias Abu Ubaida. Seit 2012 ist sie offiziell mit dem Terrornetzwerk Al-Kaida verbunden. Eine kleine Minderheit schloss sich vor Kurzem der Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) an.

Zwar haben die Shabaab seit 2011 viele ihrer früheren Bastionen verloren, doch bleiben sie bis heute die größte Bedrohung für den Frieden in Somalia. Auf ihr Konto soll unter anderem der blutigste Anschlag in der Geschichte des Landes gehen, bei dem im Oktober 2017 in Mogadischu mehr als 500 Menschen getötet wurden. Bis heute bekannte sich die Miliz nicht zu der Tat, die landesweit Entsetzen und Wut ausgelöst hatte.

Somalias Präsident Mohamed Abdullahi Mohamed erklärte inzwischen den "Kriegszustand" gegen die radikalislamische Miliz, diese drohte mit einem "gnadenlosen" Krieg gegen den Präsidenten und seine Regierung.

Seit US-Präsident Donald Trump im März 2017 "Antiterrormaßnahmen" des Pentagon zur Unterstützung von Somalias schwacher Regierung genehmigte, führen die US-Streitkräfte immer wieder Luftangriffe gegen die Shabaab aus. Dennoch gehen die Anschläge weiter.

Seit 2010 auch Ziele außerhalb Somalias

Zunächst war die Shabaab-Miliz nur in Somalia aktiv. Im Juli 2010 bekannte sie sich erstmals zu zwei Bombenanschlägen während des Endspiels der Fußball-Weltmeisterschaft mit 74 Todesopfern in Uganda - dem wichtigsten Truppensteller der AU-Mission gegen die Shabaab.

In Dschibuti, das im Rahmen der AU-Mission ebenfalls Soldaten nach Somalia entsendet sowie Militärbasen der USA und Frankreichs beherbergt, verübte die Miliz im Mai 2014 einen Anschlag auf ein Restaurant. Hauptziel der Shabaab außerhalb Somalias ist aber das benachbarte Kenia. Seit der Intervention kenianischer Soldaten 2011 in Somalia verübte die Miliz dort immer wieder blutige Anschläge und Angriffe. 

Auf ihr Konto geht der spektakuläre Angriff auf ein Einkaufszentrum in Nairobi im September 2013, bei dem 67 Menschen starben. Im April 2015 folgte ein Angriff auf die Universität von Garissa im Osten des Landes - 148 Menschen wurden getötet, darunter 142 Studenten. 

Im vergangenen Januar brachte ein Shabaab-Kommando eine weiträumige Hotelanlage in Nairobi stundenlang in seine Gewalt und tötete 21 Menschen. Als Begründung gab die Miliz die Verlegung der US-Botschaft in Israel von Tel Aviv nach Jerusalem an.

Quelle: AFP, dpa

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. Dezember 2019 um 17:50 Uhr.

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