Syrishce Truppen in der Nähe von Aleppo | Bildquelle: AFP

Provinz Aleppo Syrische Truppen erobern Rebellengebiete

Stand: 17.02.2020 12:32 Uhr

In Syrien haben Regierungstruppen offenbar wichtige Gebiete in der Provinz Aleppo erobert. Damit wird die Opposition auf ein immer kleineres Gebiet in Idlib zurückgedrängt.

Syrische Regierungstruppen haben offenbar mehrere Städte und Dörfer im Westen der Provinz Aleppo erobert. Rami Abdul-Rahman von der in Großbritannien beheimateten syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte einen entsprechenden Bericht der staatlichen Nachrichtenagentur Sana. "Das bedeutet die Kontrolle (der Stadt) Aleppo und des ländlichen Raumes und die Sicherung von ganz Aleppo", sagte er.

Das syrische Staatsfernsehen berichtete, Regierungssoldaten hätten nach der Eroberung von 30 Dörfern und Siedlungen Barrieren und Straßensperren beseitigt. Der Sprecher der Streitkräfte, General Ali Mayhub, gratulierte den Soldaten für den Vormarsch "in Rekordzeit". In einer im Fernsehen übertragenen Rede kündigte er an, die Truppen würden nun weiter vorrücken, um "auszurotten, was von terroristischen Gruppen übrig ist".

Syrische Regierungstruppen auf Patrouille in der Provinz Aleppo | Bildquelle: AP
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Ein Foto, das von der staatlichen Nachrichtenagentur Sana verbrietet wird, zeigt Regierungstruppen auf Patrouille in der Provinz Aleppo.

Durch die Eroberungen der Regierungstruppen ist der Einfluss der bewaffneten Opposition in Syrien auf ein immer kleiner werdendes Gebiet in der nahe gelegenen Provinz Idlib beschränkt. Auch dort sind regierungstreue Kräfte in der Offensive.

Hunderttausende vertrieben

Die Kämpfe in den Provinzen Aleppo und Idlib haben eine humanitäre Krise ausgelöst. Von den vier Millionen Menschen, die dort leben, sind mehr als 800.000 vertrieben worden. Viele von ihnen müssen bei winterlichem Wetter in Notunterkünften oder auf freiem Feld ausharren.

Flüchtlinge aus der Provinz Aleppo | Bildquelle: AFP
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Flüchtlinge aus der Provinz Aleppo

Die Türkei unterstützt die bewaffnete Opposition und hat Soldaten und Ausrüstung in die Rebellengebiete geschickt, um den Vormarsch der Regierungstruppen aufzuhalten. Die Regierung in Ankara fürchtet, dass vertriebene Syrer über die Grenze kommen könnten. In der Türkei leben bereits mehr als 3,5 Millionen syrische Flüchtlinge.

Viel ausrichten kann die Türkei in Idlib allerdings nicht, obwohl dort nach Angaben des Militärexperten Metin Gürcan inzwischen etwa 9000 türkische Soldaten im Einsatz sind. Doch Russland kontrolliert den Luftraum. Ankara appelliert immer wieder an Moskau, auf die syrische Regierung einzuwirken - bislang ohne Erfolg.

Präsident Assad will alle Gebiete "befreien"

Der syrische Präsident Baschar al-Assad betonte indessen, er wolle alle Gebiete des Landes wieder unter seine Kontrolle bringen. Sana zitierte ihn mit den Worten: "Das syrische Volk ist entschlossen, alle syrischen Gebiete zu befreien."

Karte: Syrien mit den Provinzen Idlib und Aleppo und den Städten Idlib und Aleppo
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Syrien

Assads Anhänger beherrschen mittlerweile mehr als zwei Drittel Syriens. An Verhandlungen zeigt er kein Interesse. So blieben trotz zahlreicher diplomatischer Initiativen bisher alle Bemühungen um eine politische Lösung des Konflikts erfolglos. Zuletzt hatte Ende Oktober in Genf ein Ausschuss mit Vertretern der Regierung und Opposition seine Arbeit aufgenommen, der eine neue Verfassung ausarbeiten soll. Doch Assad zeigt keine Neigung, sich auf Kompromisse einzulassen.

Allerdings sind der Machthaber und seine Anhänger trotz der jüngsten militärischen Erfolge weit davon entfernt, ganz Syrien wieder in ihre Gewalt zu bringen. Große Gebiete im Norden und Osten des Bürgerkriegslandes werden noch immer von der Kurdenmiliz YPG gehalten, die mit den USA verbündet ist. Zum Gebiet der Kurden gehören nicht zuletzt die wichtigsten Ölquellen des Landes, die Assad dringend benötigt, um die Wirtschaftskrise im Land zu lindern.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Februar 2020 um 01:05 Uhr.

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