Anhänger des schiitischen Geistlichen al-Sadr feiern in Bagdad seinen Sieg bei der Parlamentswahl. | AP

Parlamentswahl im Irak Al-Sadr steuert auf Sieg zu

Stand: 11.10.2021 23:55 Uhr

Bei der vorgezogenen Parlamentswahl im Irak zeichnet sich ein deutlicher Sieg des schiitischen Klerikers al-Sadr ab. Er erklärte sich bereits zum Sieger und kündigte der Korruption den Kampf an.

Die Strömung des schiitischen Geistlichen Muktada al-Sadr steht bei der Parlamentswahl im Irak vor einem deutlichen Sieg. Nach vorläufigen Ergebnissen der Wahlkommission erreichte sie bei der Abstimmung am Sonntag mehr als 60 von 329 Sitzen im Abgeordnetenhaus.

Al-Sadr beanspruchte den Sieg am Abend für sich. In Bagdad feierten Anhänger des Predigers auf den Straßen. In einer Fernsehansprache warnte Al-Sadr andere Staaten, sich in die Regierungsbildung einzumischen. Zugleich sagte er der Korruption den Kampf an. Alle Korrupten würden zur Verantwortung gezogen.

Schiiten seit 2003 an der Macht

Die schiitische Mehrheit in der irakischen Bevölkerung hat seit der US-geführten Invasion 2003 alle Regierungen gestellt oder dominiert. Die Wahlen am Sonntag waren vorgezogen worden, nachdem Massenproteste 2019 die damalige Regierung gestürzt hatten und eine weitverbreitete Wut auf Spitzenpolitiker offenkundig wurde. Vielen wird vorgeworfen, sich auf Kosten des Landes zu bereichern.

Beobachter erwarten nicht, dass sich an den Verhältnissen im Irak durch den Wahlausgang grundsätzlich etwas verändert. Nach den ersten Auszählungsergebnissen kommt Sadr wieder eine dominierende Rolle zu.

Der populistische Prediger war in der Vergangenheit öfters der Königsmacher in der irakischen Politik. Er hat sich gegen jede ausländische Intervention ausgesprochen, den Iran eingeschlossen, ist aber regelmäßig zu Besuch in dem Nachbarland. Seit 2003 folgen nach Parlamentswahlen schwierige Verhandlungen zur Regierungsbildung, die sich Monate hinziehen können.

Einbußen für zweitplatzierte Fatah-Koalition

Al-Sadrs Strömung war bereits bei der Parlamentswahl 2018 stärkste Kraft geworden. Deutliche Einbußen muss nach den vorläufigen Ergebnissen die damals zweitplatzierte Fatah-Koalition hinnehmen. Sie ist mit den schiitischen Milizen verbunden und wird vom Iran unterstützt. Fatah könnte mehr als die Hälfte ihrer Sitze verlieren.

Das Misstrauen in die Politik zeigte sich auch bei der Wahlbeteiligung, die bei der Abstimmung auf ein Rekordtief von rund 41 Prozent sank. Beobachter sahen darin ein deutliches Zeichen für den Frust vieler Iraker über die politischen Zustände.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Oktober 2021 um 01:55 Uhr.