Video mit angeblich Abu Bakr al-Bagdadi  | Bildquelle: AFP

Terrormiliz Video zeigt angeblich IS-Chef Bagdadi

Stand: 29.04.2019 19:46 Uhr

Die Dschihadistenmiliz IS hat ein Video veröffentlicht, in dem ihr selbst ernannter Kalif Abu Bakr al-Bagdadi zu sehen sein soll. Darin spricht er über den Gebietsverlust des IS und die Anschläge in Sri Lanka.

Lange Zeit galt Abu Bakr al-Bagdadi, der Anführer der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS), als verschollen, mehrfach wurde dessen Tod vermeldet. Nun hat der IS erstmals seit fünf Jahren ein Video veröffentlicht, das ihn im Gespräch mit drei Männern zeigen soll.

Der einzige bekannte öffentliche Auftritt von Bagdadi war 2014 in Mossul gewesen, danach hatte der IS nur Tonaufnahmen veröffentlicht, die von ihm stammen sollen. Wann und wo das aktuelle Video aufgenommen wurde, ist unklar.

Darin erscheint der Mann, der mit dem selbsternannten Kalifen identisch sein soll, deutlich gealtert: Sein ergrauter Bart scheint mit Henna rot gefärbt worden zu sein. Er sitzt auf einer Matratze oder einem Kissen, hat die Beine über Kreuz geschlagen und redet langsam, mit langen Pausen und nahezu regungslos. Dabei wirkt er kraftlos und angeschlagen.

Video mit angeblich Abu Bakr al-Bagdadi | Bildquelle: AFP
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Wann und wo das Video aufgenommen wurde, das al-Bagdadi (l.) mit einigen seiner Anhänger zeigen soll, ist nicht bekannt.

Anschläge in Sri Lanka aus Rache?

"Der Kampf um Baghus ist vorbei", sagt er seinen Zuhörern über die letzte IS-Hochburg in Ostsyrien, die eine Koalition aus kurdischen und US-amerikanischen Truppen im März erobert hatte. Der IS werde "Rache nehmen" für seine getöteten Kämpfer, droht der Sprecher im Video: "Es wird noch mehr passieren nach diesem Kampf."

Außerdem äußert er sich positiv über die jüngsten Terroranschläge in Sri Lanka, bei denen mindestens 260 Menschen getötet worden sind: Sie seien ein Racheakt für den Gebietsverlust der Miliz gewesen. Der IS reklamierte die Anschlagsserie über seine Propagandakanäle für sich, Ermittler und Behörden aus Sri Lanka machen dafür allerdings eine lokale Miliz mit internationaler Unterstützung verantwortlich.

Dass er den Wahlsieg von Benjamin Netanyahu als israelischer Ministerpräsident Anfang April sowie den Sturz der Machthaber in Algerien und im Sudan erwähnt, deuten ebenfalls darauf hin, dass das Video relativ aktuell ist.

25 Millionen US-Dollar Kopfgeld

Nach der Niederlage in Baghus kontrolliert der IS nur noch einige unbewohnte Wüstengebiete, hat sich Experten zufolge aber auf Terroranschläge in der ganzen Welt verlegt.

Die USA haben auf Bagdadi ein Kopfgeld von 25 Millionen US-Dollar (umgerechnet 22 Millionen Euro) ausgesetzt. Dschihadismusexperten zufolge versteckt er sich mit einem engen Unterstützerkreis in der Badia-Wüste im Zentrum Syriens.

Mit Informationen von ARD-Korrespondent Jürgen Stryjak, Studio Kairo.

IS-Anführer Al-Bagdadi droht in Videobotschaft
Jürgen Stryjak, ARD Kairo
29.04.2019 19:52 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 29. April 2019 um 20:00 Uhr.

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