Kerzen bilden eine rote Schleife | picture alliance/dpa

Virtuelles Treffen Aids-Konferenz im Schatten von Corona

Stand: 06.07.2020 10:27 Uhr

Die 23. Welt-Aids-Konferenz steht unter dem Eindruck der Corona-Pandemie. Dabei sind Experten überzeugt: Die Welt kann aus der Bekämpfung des HI-Virus Lehren für die aktuelle Krise ziehen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Mit Bedacht hatten die Organisatoren den Konferenzort San Francisco ausgewählt: Die Stadt, die in den 1980er-Jahren so stark von Aids betroffen war, wie keine andere in der westlichen Welt. Und die durch ihre revolutionäre Gesundheitspolitik ihrem Ziel seitdem immer näher kommt: "Getting to Zero" - keine Neuinfektionen.

Antje Passenheim ARD-Studio New York

Doch die Tausenden Teilnehmer der 23. Welt-Aids-Konferenz können San Francisco wegen der Corona-Krise nur virtuell besuchen. In mehr als 600 Video-Veranstaltungen können sie die neusten Forschungsstände und Trends erfahren. Auch Max Appenroth wäre jetzt in Kalifornien. Er promoviert an der Berliner Charité im Bereich Public Health und nimmt an der Konferenz auch als Menschenrechtsaktivist teil - mit der Organisation Global Action for Trans Equality. Er engagiert sich für die Gleichstellung von Transpersonen.

Hohe HIV-Zahlen bei Transpersonen

Gerade für Menschen, die sich nicht mit dem Geschlecht identifizieren, das ihnen bei der Geburt zugewiesen wurde, gebe es in der HIV-Behandlung noch viele Barrieren, erklärt Appenroth: "Transpersonen machen sehr viele Diskriminierungserfahrungen im Gesundheitsbereich, weil sie dort auf Ablehnung stoßen."

Die Umstellung zu einer virtuellen Konferenz treffe die Gruppe daher besonders. Denn sie sind bisher auf keiner der großen Aids-Konferenzen wirklich gesehen worden. Dabei gebe es wenige aber alarmierende Statistiken im Zusammenhang mit der Immunschwächekrankheit. "Die größte Studie, die es dazu gibt, hat zum Beispiel gezeigt, dass in den USA jede fünfte Schwarze Transfrau mit HIV lebt. Das sind extrem hohe Zahlen."

Genau solche Probleme sollen Platz haben auf der Aids-Konferenz. Auch der Stand bei den Medikamenten, die seit Jahren dafür sorgen, dass die Infektionsrate stetig abnimmt und Krankheit nicht mehr tödlich sein muss, steht im Fokus. Weltweit leben rund 38 Millionen Menschen mit dem HI-Virus. Noch lange haben nicht alle Zugang zu den Medikamenten, durch die sie auch mit Aids alt werden können. Wie beeinflusst die Klimakrise HIV? Und was können wir in der Bekämpfung anderer Pandemien vom Umgang mit Aids lernen?

Prominente Teilnehmer

Auch die berühmten Virologen der US-Corona-Taskforce Anthony Fauci und Deborah Birx nehmen an der Konferenz teil. Sie fordern mehr Engagement: "Die HIV-Epidemie ist von der Gemeinschaft gelöst worden. Die Aktivisten sind aufgestanden, als keiner es hören wollte. Wir fordern, dass die Gemeinschaft jetzt wieder aufsteht, um das Virus zu bekämpfen", so Birx.

Sie koordiniert den Corona-Kampf des Weißen Hauses - oft gegen den Druck von Präsident Donald Trump. Sie war zudem Aids-Notfall-Koordinatorin unter Ex-Präsident Barack Obama und hat diese Funktion auch unter Trump. Auch Faucis Virologen-Karriere begann in der Aidsforschung. Beide haben damals eng mit den medizinischen Zentren in San Francisco zusammengearbeitet, wo es die erste Aids-Kranken-Station des ganzen Landes gab.

Die Welt hat über den erfolgreichen Umgang  mit Aids viel von San Francisco gelernt. Das könnte sie über die Aids-Konferenz nun auch über die neue Pandemie namens Covid-19 tun, so die Hoffnung vieler Teilnehmer.

Aids wegen Corona nicht vergessen

Aktivisten wie Appenroth hoffen jedoch auch, dass über die Sorge um die Corona-Krise die Aids-Forschung nicht Nachteile hat. "Das zeigt sich eben, dass Fördermittelanträge für bestimmte Projekte oder Konferenzen, die nächstes Jahr stattfinden könnten, nicht mehr verfügbar sind. Mit der Begründung, das Geld sei leider nicht mehr verfügbar."

Die Welt-Aids-Konferenz - auch wenn sie virtuell ist - ist deshalb für viele um so wichtiger.

Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 06. Juli 2020 um 11:49 Uhr.