US-Soldaten stehen Wache, während afghanische Bürger darauf warten, ein US-Militärflugzeug in Kabul zu besteigen. | AFP

Ausreisen am Flughafen Kabul G7 fordern Sicherheitsgarantien von Taliban

Stand: 19.08.2021 20:19 Uhr

Noch immer herrscht Chaos am Flughafen in Kabul. Mehr als 5000 US-Soldaten sind im Einsatz, um Evakuierungsflüge abzusichern. Die G7 fordern nun von den Taliban, für die Sicherheit aller Ausreisewilligen zu garantieren.

Die Außenminister der G7-Staaten haben von den radikal-islamischen Taliban Sicherheitsgarantien für ausreisewillige Afghanen und Ausländer gefordert. Die Miliz müsse allen Menschen, die das Land verlassen wollen, sicheres Geleit gewähren, erklärte der britische Außenminister Dominic Raab, dessen Land derzeit den Vorsitz der G7 innehat.

Insbesondere für afghanische Ausreisewillige ist es zur Zeit schwierig, zum Flughafen in Kabul zu gelangen, weil sie an Kontrollpunkten der Taliban aufgehalten werden. Rund um den Flughafen herrscht weiter Chaos. Einheimische Helfer deutscher Organisationen berichteten von verstopften und teils unpassierbaren Straßen.

Mehr als 5000 US-Soldaten im Einsatz

CNN-Journalistin Clarissa Ward, die als eine von wenigen ausländischen Journalisten noch vor Ort ist, sprach von einem "Tornado des Wahnsinns". Ihr zufolge warfen Menschen Babys über den Zaun, um sie in Sicherheit zu bringen. Die Taliban seien mit Peitschen und Waffen unterwegs, um die Menschen zurückzuhalten.

Das US-Militär ist nach eigenen Angaben inzwischen mit rund 5200 Soldatinnen und Soldaten im Einsatz. Sie sollen die Sicherheit des Flughafens gewähren und unter anderem die Evakuierung von Amerikanern und früheren afghanischen Mitarbeitern der US-Streitkräfte organisieren.

Bundeswehrgeneral spricht von "dramatischen Szenen"

"Es ist sehr, sehr turbulent alles", sagte der Brigadegeneral Jens Arlt, der den deutschen Evakuierungseinsatz vor Ort führt. Es seien immer wieder Schüsse im Hintergrund zu hören. "Sie sehen die verzweifelten Augen der Afghanen und auch der Staatsbürger unterschiedlicher Nationen, die einfach versuchen, in den inneren Bereich des Kabul International Airports zu gelangen, das ist schon dramatisch, was wir sehen." Arlt erklärte auf einer Online-Pressekonferenz, "unterschiedliche Vertreter" der deutschen Seite versuchten, in den Außenbereichen "unsere Leute" zu finden.

Die Bundeswehr hat bislang mehr als 1200 Menschen aus Kabul ausgeflogen. Die Evakuierungen dauern mit weiteren Flügen fortgesetzt.

Tausende versuchen, auf den Flughafen zu kommen

Am Flughafengelände von Kabul gibt es verschiedene Eingänge. Viele Menschen befinden sich beim Zugang zum zivilen Teil, der am südlichen Ende des Flughafens liegt. Von dort aus werden kommerzielle Flüge abgewickelt, die allerdings aktuell eingestellt sind. Am nördlichen Ende gibt es einen Zugang zum militärischen Teil. Ein weiterer Eingang liegt rund einen Kilometer östlich vom Eingang zum zivilen Teil. Rund um diese Eingänge - aber auch entlang der Sprengschutzwände, die das Gelände umgeben - harren Tausende Menschen aus oder versuchen irgendwie, auf das Gelände zu gelangen.

Biden bringt Verlängerung des US-Einsatzes ins Spiel

US-Präsident Joe Biden betonte, das Chaos beim Abzug der US-Truppen sei unvermeidbar gewesen - wegen des Zusammenbruchs der afghanischen Regierung, des Militärs und der schnellen Machtübernahme der Taliban. Er versicherte im Fernsehsender ABC, die US-Soldaten am Flughafen könnten notfalls auch über den geplanten Abzugstermin am 31. August hinaus bleiben.

"Wenn dort noch amerikanische Bürger sind, werden wir bleiben, bis wir sie alle rausgeholt haben." Der US-Präsident räumte Probleme bei der Evakuierung von Afghanen ein. Zwar würden die Taliban kooperieren und US-Bürger und Botschaftsmitarbeiter ausreisen lassen. Rund um den Flughafen gehe es weiter chaotisch zu, "aber es wird momentan niemand getötet". Das US-Verteidigungsministerium bestätigte Berichte, wonach Soldaten auch in die Luft geschossen hatten, um die Menge vor dem Flughafen im Zaum zu halten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 19. August 2021 um 20:00 Uhr.