Bundeswehrsoldaten patrouillieren zu Fuß in der Nähe von Charrah Darreh nahe Kundus und unterhalten sich dabei mit der afghanischen Bevölkerung - links ein Übersetzer. | picture alliance / dpa
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Bundeswehr-Abzug aus Afghanistan 380 Ortskräfte dürfen nach Deutschland

Stand: 04.06.2021 14:04 Uhr

Etwa 380 ehemalige oder aktuelle Helfer der Bundeswehr in Afghanistan haben bislang die Zusage für eine Aufnahme in Deutschland erhalten. Doch ob die Gefährdeten es rechtzeitig außer Landes schaffen, ist fraglich. 

Von Kai Küstner,  ARD-Hauptstadtstudio

Wie lassen sich die afghanischen Mitarbeiter der Bundeswehr vor der Rache der Taliban schützen? Es ist eine der brennendsten Fragen dieses Abzugs, da sämtliche Truppen bereits in den nächsten Wochen das Land verlassen. Eine Mehrheit der als gefährdet geltenden ehemaligen oder aktuellen Bundeswehr-Helfer hat bereits das Versprechen erhalten, in Deutschland aufgenommen zu werden. Insgesamt 380 Zusagen sind bislang erteilt, wie Regierungskreise dem ARD-Hauptstadtstudio bestätigen. Dutzende weitere Anträge befinden sich in Bearbeitung.

Kai Küstner ARD-Hauptstadtstudio

Insgesamt wird davon ausgegangen, dass die Bundeswehr in den letzten zwei Jahren rund 520 Afghanen beschäftigte, beispielsweise als Übersetzer. Fast alle von ihnen haben bereits ihre Gefährdung angezeigt. Die Taliban betrachten Landsleute, die für die internationalen Truppen gearbeitet haben, als Verräter oder Ungläubige. Sie drohen damit, sie und ihre Familien umzubringen.

Obwohl also bereits viele der sogenannten Ortskräfte eine Zusage auf Aufnahme erhalten haben, ist es zweifelhaft, ob sie rechtzeitig und noch vor Abzug der Bundeswehr Afghanistan verlassen können. Denn sie benötigen nicht nur ein Visum, sondern müssen sich zudem selbst um einen Flug in Richtung Deutschland kümmern und diesen auch bezahlen.

Zwei-Jahres-Regel bleibt bestehen

Streit gibt es auch darüber, ob nicht die Bundesregierung den Kreis der Gefährdeten viel größer fassen müsste: Bislang können sich nur diejenigen Afghanen Hoffnung auf eine Ausreise machen, die in den vergangenen zwei Jahren für die Deutschen gearbeitet hatten. Trotz zahlreicher Aufrufen, diesen Zeitraum zu erweitern, hält das zuständige Bundesinnenministerium an der Zwei-Jahres-Regel fest.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Juni 2021 um 13:42 Uhr.

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Moderation 04.06.2021 • 21:51 Uhr

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