US-Verteidigungsminister Shanahan und US-General Scott in Kabul | Bildquelle: AP

Afghanistan US-Truppen bleiben wohl noch

Stand: 11.02.2019 14:02 Uhr

Schon länger steht ein US-Truppenabzug aus Afghanistan im Raum. Bei seinem Besuch äußerte sich dazu nun auch der kommissarische US-Verteidigungsminister Shanahan. Einen Abzugsbefehl gebe es noch nicht.

Von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi

Es ist der erste Besuch von Patrick Shanahan in Afghanistan und er findet zu einem sehr wichtigen Zeitpunkt statt. Denn Vertreter der USA verhandeln nun schon seit einigen Monaten mit den radikalislamischen Taliban, um den Konflikt in Afghanistan politisch zu lösen. Seit Juli 2018 haben mindestens fünf Gesprächsrunden stattgefunden.

Vor einigen Monaten hatte US-Präsident Donald Trump bekräftigt, dass er einen großen Teil der US-Truppen in Afghanistan abziehen wolle. Dazu gebe es derzeit allerdings noch keinen Befehl, sagte der kommissarische US-Verteidigungsminister auf dem Weg nach Afghanistan im Flugzeug zu Reportern von der Nachrichtenagentur Reuters. "Das US-Militär hat überaus großes Interesse an Sicherheit in dieser Region. Wie lange wir hier bleiben und was genau wir hier tun, wird sich aus Diskussionen hier ergeben. Und die sind extrem wichtig für uns."

US-Verteidigungsminister Shanahan und US-General Scott in Kabul | Bildquelle: dpa
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US-Verteidigungsminister Shanahan und US-General Scott in Kabul

Truppenabzug steht bevor

Dass ein möglicher Truppenabzug bevorsteht, ist allerdings kein Geheimnis. Schon in seinem Wahlkampf hatte Trump darüber gesprochen, bislang haben seine militärischen Berater ihn aber davon abgehalten. Der Abzug sei derzeit auch das Hauptanliegen der Taliban, sagt der Chefunterhändler der USA, der bei den Gesprächsrunden mit den Taliban beteiligt ist.

Vor wenigen Tagen sagte Zalmay Khalilzad auf einer Versammlung in Washington: "Unsere Strategie ist ganz klar: Wir wollen ein Friedensabkommen erreichen. Auch die Taliban sagen, dass sie das wollen. Sie sagen, sie würden uns versichern, dass Afghanistan kein Rückzugsort mehr für Terroristen sein werde. Das klingt vielversprechend. Aber es ist noch ein langer Weg, bis wir uns tatsächlich über ein Friedensabkommen einigen können", sagt Khalilzad.

US-Soldaten in Afghanistan | Bildquelle: AFP
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In Afghanistan sind derzeit etwa 14.000 US-Soldaten stationiert.

"Die Afghanen entscheiden über ihre Zukunft"

Die US-Unterhändler haben bislang noch nicht erreichen können, dass sich die Taliban mit der afghanischen Regierung an einem Tisch setzen. Die Islamisten halten die Regierenden in Kabul für ein US-Marionettenregime und wollen lieber direkt mit den "Puppenspielern" verhandeln. Doch die USA setzten alles daran, dass es auch direkte Gespräche zwischen afghanischer Regierung und Taliban gibt. "Die Afghanen müssen doch darüber entscheiden, wie ihr Land in Zukunft aussehen wird", formuliert es Shanahan auf dem Weg nach Kabul. "Es geht nicht um die USA, es geht um Afghanistan. Wir haben ein großes Interesse daran, dass ihr Land sicher ist, aber die Afghanen entscheiden über ihre Zukunft."

Schon vor einem Jahr hat die afghanische Regierung den Taliban einen Waffenstillstand vorgeschlagen. Im Sommer, zum Ende der Fastenzeit, gingen die Islamisten für drei Tage auf das Angebot ein. Nach fast vierzig Jahren Krieg gab es fast einen Frieden, allerdings nur für drei Tage. Am 25. Februar sollen die Gespräche zwischen Taliban und US-Regierung fortgesetzt werden.

Überraschungs-Besuch in Kabul: Patrick Shanahan besucht Afghanistan
Silke Diettrich, ARD Neu-Delhi
11.02.2019 14:04 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 11. Februar 2019 um 12:50 Uhr.

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