Tote Journalistin in Krankenhaus in Dschalalabad, Afghanistan | REUTERS

Mord in Afghanistan Drei Fernseh-Mitarbeiterinnen erschossen

Stand: 03.03.2021 06:38 Uhr

In Afghanistan sind drei Mitarbeiterinnen eines TV-Senders auf offener Straße erschossen worden. Die Terrormiliz IS reklamierte die Tat für sich. In den vergangenen Monaten nahmen Anschläge auf Journalisten und Politiker in dem Land zu.

Mursal Habibi, Saadia und Shahnaz: Das sind die Namen der drei Frauen, die für den privaten Sender Enekaas TV im Osten von Afghanistan gearbeitet haben. Keine von ihnen wurde älter als 20 Jahre - alle drei wurden von unbekannten Männern auf offener Straße erschossen, als sie gerade ihre Arbeitsstelle in der Synchronisationsabteilung des Senders in Dschalalabad verlassen wollten, heißt es aus der afghanischen Regierung. Eine vierte Frau wurde schwer verletzt und kämpft im Krankenhaus um ihr Leben.

IS reklamiert Attentat für sich

Die Dschihadistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) reklamierte die Tat für sich. Der Polizeichef der Provinz Nangahar hatte zuvor erklärt, einer der mutmaßlichen Täter sei festgenommen worden. Er habe gestanden und sei ein Mitglied der radikalislamischen Taliban. Ein Taliban-Sprecher stritt aber jede Verwicklung der Miliz in die Attentate ab.

Erst im Dezember war die Enekaas TV-Moderatorin Malalai Maiwand gemeinsam mit ihrem Chauffeur auf dem Weg zu ihrer Arbeit in Dschalalabad erschossen worden. Sie hatte sich neben ihrer Arbeit auch für mehr Frauenrechte stark gemacht. Zu der Tat hatte sich damals die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) bekannt.

Angehörige der erschossenen Journalistinnen in Afghanistan | EPA

Angehörige der drei erschossenen Frauen warten in einer Leichenhalle in Dschalalabad. Bild: EPA

Attentate nehmen zu

In den vergangenen Monaten haben die Mordanschläge auf Aktivisten, Journalisten, Ärzte, Politiker, Menschenrechtler und religiöse Vertreter in den großen Städten Afghanistans deutlich zugenommen, die meisten Täter werden nie gefasst. Erst vor wenigen Tagen wurde sogar die Familie eines Journalisten getötet, der zuvor schon bei einer Attacke umgebracht worden war.

Die Taliban weisen jede Verantwortung von sich, und oftmals gibt der IS an, hinter den Attentaten zu stehen. Dennoch machen die Regierung in Kabul und die USA die Taliban für die neue Welle der Gewalt verantwortlich.

Friedensgespräche trotz wachsender Zahl von Gewalttaten

Seit September sitzen die Taliban mit Vertretern der afghanischen Regierung in Doha an einem Tisch, um einen möglichen Frieden zu verhandeln. "Diese Attacken sollen einschüchtern, sie sollen dafür sorgen, dass Reporter sich wegducken. Die Täter hoffen, die freie Meinungsäußerung zu unterdrücken in einer Nation, in der die Medien in den vergangenen 20 Jahren aufgeblüht sind. Das kann nicht hingenommen werden", schrieb die US--Botschaft in Kabul auf Twitter.

Mit Informationen von Silke Diettrich, ARD-Studio Neu-Delhi.