Flagge Afghanistans in Kabul | Bildquelle: AFP

Afghanistan-Konflikt Gespräche zwischen Taliban und Regierung

Stand: 01.04.2020 17:05 Uhr

In 20 Jahren Bürgerkrieg kam es bisher nie zu direkten Gesprächen zwischen den Taliban und der Regierung in Kabul. Doch nun trafen sich Vertreter erstmals in der Hauptstadt zu Gesprächen. Es ging um die Freilassung Tausender Gefangener.

Seit Wochen herrscht Stillstand in den Gesprächen zwischen der afghanischen Regierung und den Taliban. Doch nun kommt wieder Bewegung in die Verhandlungen um einen Gefangenenaustausch. Zum ersten Mal seit dem Sturz des Talibanregimes 2001 sind Vertreter der militanten Islamisten für ein offizielles Treffen nach Kabul gekommen.

Beide Seiten hätten am Dienstag über die Freilassung afghanischer Sicherheitskräfte sowie von Taliban-Mitgliedern verhandelt, teilte der Nationale Sicherheitsrat über Twitter mit. Vertreter beider Seiten würden sich im Laufe des heutigen Mittwochs erneut treffen. Das Internationale Komitee des Roten Kreuzes sei als Beobachter dabei. 

Druckmittel der Regierung

Der Gefangenenaustausch ist zentraler Bestandteil eines Abkommens zwischen den USA und den Taliban vom 29. Februar. Die Regierung in Kabul soll bis zu 5000 Taliban-Kämpfer aus der Gefangenschaft entlassen. Im Gegenzug sollen 1000 verschleppte afghanische Soldaten frei kommen. Der Austausch sollte ursprünglich bereits am 10. März stattfinden. Dann sollten auch die innerafghanischen Friedensverhandlungen beginnen, die den jahrelangen bewaffneten Konflikt beenden sollen.

Da die afghanische Regierung und die Taliban in der Frage des Gefangenenaustauschs aber uneins sind, wurde dieser bislang nicht umgesetzt. Vor wenigen Tagen einigten sich beide Seiten auf einen Kompromiss: Demnach hätten bis zum 31. März zunächst 100 Taliban frei kommen sollen. Die Gefangenen gelten laut Experten als das Hauptdruckmittel der Regierung in Kabul, um die Taliban zu Gesprächen zu bringen.

Gewalt gegen Zivilisten hält an

Ungeachtet des Treffens in Kabul ging die Gewalt gegen Zivilisten im Süden des Landes weiter. In der Provinz Helmand seien acht Menschen bei der Explosion einer am Straßenrand versteckten Bombe ums Leben gekommen, teilte die örtliche Polizei mit.

Helmand wird mehrheitlich von den Taliban kontrolliert. Lediglich drei Bezirke stehen laut Vertretern der Provinzregierung unter voller Kontrolle der afghanischen Sicherheitskräfte. Die umkämpfte Region war im vergangenen Jahr immer noch eine der gefährlichsten Gegenden für Zivilisten in Afghanistan, berichtete UN. In den vergangenen zehn Jahren seien in Afghanistan mehr als 100.000 Zivilisten verwundet oder getötet worden.

Taliban einverstanden mit Waffenruhe in afghanischen Virusgebieten
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
02.04.2020 06:33 Uhr

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