Verletzte Menschen nach einem Luftangriff in Afghanistan | Bildquelle: REUTERS

Luftangriff in Afghanistan Offenbar viele Zivilisten getötet

Stand: 03.04.2018 11:58 Uhr

In Kundus hat die afghanische Luftwaffe eine Koranschule beschossen, in der angeblich ein Taliban-Treffen stattfand. Viele Zivilisten sollen getötet worden sein. Die UN haben eine Untersuchung eingeleitet.

Nach dem Raketenangriff der afghanischen Luftwaffe auf eine Koranschule, in der angeblich ein Treffen ranghoher Taliban-Kommandeure stattfand, ist die Lage weiter unübersichtlich. Auch zu den Opferzahlen gibt es widersprüchliche Angaben.

Der afghanische Fernsehsender Tolo TV berichtet von etwa 50 Zivilisten, die bei dem Angriff in der Region Kundus ums Leben kamen. Der Stammesälteste aus dem betroffenen Bezirk Dascht-e Artschi, Hadschi Mohammed Naim, sprach ebenfalls von etwa 50 getöteten Zivilisten, unter ihnen viele Kinder. Fast 70 Menschen seien verletzt worden. Der Leiter des Gesundheitssektors in Kundus, Abdul Matin Atifi, sagte, nur etwa 30 Opfer hätten es bis in die Klinik in der Provinzhauptstadt geschafft. Mehr als ein Drittel dieser Patienten seien Kinder. Die UN teilten mit, dass sie eine Untersuchung eingeleitet hätten.

Militär weist Vorwürfe zurück

Das Militär wies die Berichte über zivile Opfer dagegen zurück. Der Sprecher sagte, der Angriff am Montagmittag habe sich gegen eine große Zusammenkunft von Taliban mitsamt Mitgliedern eines Führungsgremiums aus Pakistan gerichtet. Die Taliban hätten dort ihre Frühjahrsoffensive geplant. Es seien mehr als 20 Kämpfer getötet und mehr als 30 verletzt worden.

Ein hoher Polizeibeamter aus dem Bezirk sprach sogar von 84 getöteten und verletzten Talibankämpfern. Der Mann sagte, sie seien auch aus anderen Provinzen wie Samangan, Tachar, Baghlan and Badachshan gekommen.

Dagegen erklärten die Taliban, der Angriff habe eine Religionsschule getroffen, in der gerade eine Abschlussfeier stattgefunden habe. Mehr als 100 Geistliche, Religionsschüler und andere Zivilisten seien tot.

"Es war wie ein böser Traum"

Wie der Stammesälteste Naim berichtete, hatten zwei Militärhubschrauber insgesamt acht Raketen in eine große Menschenmenge geschossen, die sich rund um die Koranschule für den Festakt versammelt hätte. "Es war herzerreißend", sagte Naim. "Leute, die schrieen und rannten, Leichen und Verletzte, Rauch und Staub überall. Es war wie ein böser Traum."

Die noch junge, im Training begriffene afghanische Luftwaffe und Piloten der US-Luftwaffe haben 2016 und 2017 ihre Angriffe auf Talibanstellungen massiv ausgeweitet. Gleichzeitig ist die Zahl der zivilen Opfer durch Luftangriffe in die Höhe geschnellt.

Über dieses Thema berichteten am 03. April 2018 Deutschlandfunk um 10:00 Uhr und 11:00 Uhr sowie NDR Info um 12:15 Uhr jeweils in den Nachrichten.

Darstellung: