Bewaffneter Mann geht an ausgebranntem Fahrzeug vorbei | Bildquelle: AP

Gefahr von Anschlägen Neue IS-Hochburgen in Afghanistan

Stand: 13.06.2019 09:21 Uhr

Lang galt die IS-Miliz in Afghanistan nur als ein untergeordneter Ableger. Doch das hat sich geändert, Hochburgen entstehen. Experten zufolge könnte dies auch für den Westen gefährlich werden.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu Delhi

Fahrzeugkontrolle an einem Checkpoint der afghanischen Streitkräfte in Jalalabad. In der Hauptstadt der Provinz Nangarhar, östlich von Kabul, kommt es immer wieder zu Anschlägen auf Regierungseinrichtungen. Die Region ist eine Hochburg der Terrororganisation "Islamischer Staat" (IS), die sich in den vergangenen Jahren in Afghanistan immer weiter ausgebreitet hat.

Aus Angst vor der Brutalität der islamistischen Terroristen sind Tausende Afghanen geflohen. "Das sind gefährliche Leute", berichtete Farmanullah Shirzad, der sich und seine mehrköpfige Familie zu Verwandten in einem benachbarten Bezirk der Provinz in Sicherheit gebracht hat, einem Reporter der Nachrichtenagentur AP. Schon bevor sie in eine Gegend kämen, höre man, dass sie die Frauen und Mädchen entführten und entehrten. "Deswegen sind wir geflohen, aus Angst um unser Leben", sagte Shirzad.

Mädchen in Afghanistan | Bildquelle: picture alliance / dpa
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"IS"-Bedrohung in Afghanistan: "Schon bevor sie in eine Gegend konmen, hört man, dass sie die Frauen und Mädchen entführen und entehren."

Aus Dutzenden Kämpfern werden Tausende

Seit 2014 ist der "Islamische Staat" in Afghanistan aktiv. Anfangs als kleine Gruppierung, die sich als Ableger des in Syrien und im Irak ausgerufenen Kalifats verstand. Es waren nur einige Dutzend Kämpfer - überwiegend pakistanische Taliban, die ihre Stellungen jenseits der nahe liegenden Grenze zu Pakistan hatten aufgeben müssen, oder unzufriedene afghanische Taliban, die sich von der extremen Ideologie des IS angezogen fühlten.

Inzwischen verfügt der IS in Afghanistan offenbar über mehrere tausend Kämpfer, darunter viele aus dem Ausland: islamistische Extremisten aus Usbekistan und anderen zentralasiatischen Ländern, aus Tschetschenien und dem Nahen Osten sowie aus Indien und Bangladesch.

Probedurchläufe für größere Anschläge

Kerngebiet des IS in Afghanistan ist die Gebirgsregion im Norden des Landes. Auch die Provinz Nangarhar, östlich von Kabul, ist offenbar weitgehend unter der Kontrolle des IS: "Der 'Islamische Staat' hat sich eine Weile ruhig verhalten, ist aber nicht besiegt", sagte Ajmal Omar, Mitglied des Provinzrates in Jalalabad. Die Kämpfer hätten sich neu ausgerüstet, damit sie sich weiter ausbreiten könnten - auch in andere Provinzen. Selbst in Kunar seien sie jetzt vertreten.

"Die haben Scharfschützen, Nachtsichtgeräte und schwere Waffen. Deshalb ist es für die afghanischen Streitkräfte schwer, gegen sie vorzugehen. Wir haben ja nicht mal eine starke Luftwaffe und auch keine Drohnen", erzählte Omar. Der IS könne Afghanistan leicht zu einem Rückzugsort für Terroristen machen.

Unbestätigten Geheimdienstinformationen zufolge, soll der IS in Afghanistan bereits die nächsten Anschläge auf Ziele im Westen vorbereiten. Ein in Afghanistan stationierter Mitarbeiter des US-Geheimdienstes sagte der Nachrichtenagentur AP, die jüngsten Terrorangriffe in Kabul könnten als Probedurchläufe für noch größere Anschläge in Europa und den USA betrachtet werden. Der IS in Afghanistan sei inzwischen die akuteste Bedrohung für den Westen.

Afghanistan - Islamischer Staat breitet sich aus
Bernd Musch Borowska, ARD Neu-Delhi
13.06.2019 08:02 Uhr

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Über dieses Thema berichtete B5 aktuell am 13. Juni 2019 um 08:10 Uhr und 09:50 Uhr.

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