Der letzte Flug im Rahmen des italienischen Evakuierungseinsatzes nach der Landung in Rom. | EPA

Afghanistan Weitere Länder beenden Luftbrücke

Stand: 28.08.2021 16:10 Uhr

Immer mehr Staaten beenden ihre Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Großbritannien hat mit dem Abzug seiner Soldaten begonnen. Italien hat nach eigenen Angaben mehr afghanische Bürger ausgeflogen als jeder andere EU-Staat.

Nach Deutschland haben weitere Staaten ihre Evakuierungseinsätze in Afghanistan beendet. Nach eigenen Angaben flog Italien dabei mehr bedrohte afghanische Bürger aus Kabul aus als jedes andere EU-Mitgliedsland. Mit der Ankunft von 58 Evakuierten an Bord des letzten Rettungsfluges am Morgen habe das Land in den vergangenen Wochen rund 4900 Afghaninnen und Afghanen aus dem Land gebracht, sagte Außenminister Luigi di Maio. An Bord des Flugzeugs waren auch die letzten diplomatischen Vertreter und Sicherheitskräfte.

Nach dem Ende der Luftbrücke werde sich Italien weiterhin um rasche Ausreisemöglichkeiten für bedrohte Ortskräfte aus dem Krisenland bemühen, versprach di Maio. Wie viele Afghanen mit Anrecht auf Evakuierung nicht ausgeflogen werden konnten, sagte er nicht. Italien gehörte neben den USA, der Türkei, Großbritannien und Deutschland zu den fünf Ländern, die am stärksten an der NATO-Mission "Resolute Support" zur Ausbildung und Unterstützung der afghanischen Sicherheitskräfte beteiligt waren.

Großbritannien beginnt mit Abzug von Soldaten

Auch Großbritannien beendete heute die Evakuierungsflüge eigens für Zivilisten, wie das Verteidigungsministerium mitteilte. Der letzte Flug habe Kabul verlassen. Fortgesetzt würden am Wochenende aber Flüge für britische Militärangehörige, bei denen auch eine kleine Anzahl an Afghanen mitgenommen werde.

Auf dem Luftwaffenstützpunkt Brize Norton nordwestlich von London landete am Morgen ein Flugzeug der Royal Air Force mit Soldaten an Bord. Sie sind Teil eines Kontingents von 1000 Männern und Frauen, die in Kabul stationiert waren und die Evakuierungsaktion unterstützt hatten. Zurückbleibende Afghanen, die noch auf ihre Evakuierung warteten, würden aber nicht vergessen, sagte der britische Botschafter Laurie Bristow. "Wir werden weiterhin alles tun, um ihnen zu helfen."

Großbritannien flog nach eigenen Angaben in den vergangenen zwei Wochen mehr als 14.500 Menschen aus Kabul aus. Bis zu 1000 Afghanen, die ein Anrecht darauf haben, nach Großbritannien zu kommen, hätten zurückgelassen werden müssen. Bereits am Freitag hatte auch Frankreich seinen Evakuierungseinsatz beendet. Im Rahmen der Aktion seien fast 3000 Menschen ausgeflogen worden, erklärten Außenminister Jean-Yves Le Drian und Verteidigungsministerin Florence Parly.

Amnesty fordert weitere Rettungsflüge

Der letzte Evakuierungsflug der Bundeswehr hatte Kabul am Donnerstag kurz nach dem verheerenden Anschlag am Flughafen verlassen. Die am Rettungseinsatz beteiligten Bundeswehrsoldaten waren gestern Abend auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover gelandet. Die Luftwaffe hatte seit dem 16. August 5347 Menschen Menschen aus Kabul ausgeflogen, darunter mehr als 4000 Afghaninnen und Afghanen.

Unterdessen forderte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko, weitere Rettungsflüge aus der Region um Afghanistan und leichtere Visa-Vergaben. "Wir erwarten, dass die Bundesregierung und andere Staaten die teils schwer traumatisierten evakuierten Menschen jetzt weiterhin zügig aus der Region ausfliegen", sagte er der Düsseldorfer "Rheinischen Post". Dabei müsse darauf geachtet werden, dass Familien nicht auseinandergerissen werden. Hier sei ein unbürokratisches Vorgehen gefragt.

Drohnenangriff nach Terroranschlag

Auch heute warteten vor dem Flughafen in Kabul noch Tausende Menschen auf eine Gelegenheit, das Land zu verlassen. Insgesamt wurden nach US-Angaben inzwischen mehr als 110.000 Menschen ausgeflogen.

Weniger als zwei Tage nach dem Terroranschlag mit zahlreichen Todesopfern am Flughafen regierte das US-Militär mit einem Vergeltungsangriff und attackierte einen örtlichen Ableger der Terrormiliz IS. Der unbemannte Luftschlag in der afghanischen Provinz Nangahar habe "einem Planer" der Gruppe gegolten, teilte das US-Zentralkommando Centcom mit. Ersten Anzeichen zufolge habe man "das Ziel getötet".

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 28. August 2021 um 16:00 Uhr.