Ort eines Anschlags in der afghanischen Provinz Nangarhar | Bildquelle: GHULAMULLAH HABIBI/EPA-EFE/REX/S

Nach Anschlag in Afghanistan Mehr Tote - und noch ein Abschiebeflug

Stand: 12.09.2018 11:17 Uhr

Es war offenbar der schwerste Anschlag seit Januar: Im Osten Afghanistans wurden mindestens 68 Menschen getötet. Trotz der angespannten Lage landete in Kabul ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland.

Einen Tag nach einem Selbstmordanschlag im Osten von Afghanistan hat sich die Zahl der Todesopfer mehr als verdoppelt. Bei der Attacke in der Provinz Nangarhar seien mindestens 68 Menschen getötet worden, erklärte ein Sprecher der Provinzregierung. Am Dienstag hatten die Behörden noch von 32 Opfern gesprochen.

Es war offenbar der schwerste Anschlag in Afghanistan seit Januar. Ein Selbstmordattentäter hatte sich bei Dschalalabad inmitten von Demonstranten in die Luft gesprengt. Hunderte Menschen wollten gegen die Nominierung eines neuen Polizeichefs protestieren. Wer hinter der Tat steckt, ist noch nicht bekannt. Die radikalislamischen Taliban hätten die Verantwortung dafür zurückgewiesen, heißt es. In der Region verübt auch die Terrormiliz "Islamischer Staat" regelmäßig Anschläge.

Neben den Getöteten gibt es laut Provinzregierung mindestens 165 Verletzte. Sie wurden in Krankenhäuser im Großraum Dschalalabad gebracht. Die Kliniken in der Provinzhauptstadt waren hoffnungslos überlastet. Selbst auf den Fluren wurden blutüberströmte Menschen behandelt.

Verletzter in einem Krankenhaus in Dschalalabad in Afghanistan | Bildquelle: GHULAMULLAH HABIBI/EPA-EFE/REX/S
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Zahlreiche Verletzte wurden in Krankenhäuser gebracht, die Kliniken im Großraum Dschalalabad waren überlastet.

Weiterer Abschiebeflug aus Deutschland

Trotz der angespannten Sicherheitslage in Afghanistan ist am Morgen ein weiterer Abschiebeflug aus Deutschland in Kabul gelandet. Die Maschine aus München habe 17 abgelehnte Asylbewerber an Bord gehabt, teilten die afghanischen Behörden mit. Es war die 16. Sammelabschiebung seit dem ersten Flug im Dezember 2016. Bislang wurden fast 350 Menschen nach Afghanistan zurückgebracht.

Der UN-Hochkommissar für Flüchtlinge, Filippo Grandi, hatte erst vor wenigen Tagen dazu aufgerufen, auf Abschiebungen nach Afghanistan vorerst zu verzichten. "Wir sind jetzt in einer sehr schwierigen Phase in Afghanistan. Deshalb appelliere ich an alle Staaten, die Menschen dorthin abschieben wollen, Sorgfalt walten zu lassen." Im Oktober sind in Afghanistan Parlamentswahlen angesetzt, kommenden April soll die Präsidentenwahl stattfinden.

Mit Informationen von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. September 2018 um 13:00 Uhr.

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