Bewaffnete Sicherheitskräfte | Bildquelle: JAWAD JALALI/EPA-EFE/Shutterstoc

Afghanistan Anschlag zum Auftakt des Opferfests

Stand: 31.07.2020 10:36 Uhr

Das islamische Opferfest in Afghanistan steht unter keinem guten Stern: Kurz vor der vereinbaren Waffenruhe explodierte in der Provinz Logar eine Autobombe. Auch das Coronavirus bereitet Sorgen.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Neu-Delhi

Ein schwerer Anschlag und dann ein bisschen Frieden zum Opferfest. In Afghanistan ist pünktlich zum islamischen Feiertag Eid-al Adha eine dreitägige Waffenruhe in Kraft getreten. Die Taliban hatten die Feuerpause Anfang der Woche angekündigt, daraufhin hatte auch Präsident Ashraf Ghani den Regierungstruppen befohlen, die Kämpfe einzustellen.   

Doch kurz vor Beginn der Feuerpause explodierte gestern Abend in der zentralafghanischen Provinz Logar eine Autobombe. Dabei hat es offenbar viele Tote gegeben. Nach Angaben von verschiedenen Provinzräten sind mindestens 18 Menschen ums Leben gekommen, Dutzende weitere seien verletzt worden, hieß es. Die Taliban, die in der Provinz aktiv sind, dementierten umgehend, für den Anschlag verantwortlich zu sein.

1200 Zivilisten starben seit Jahresbeginn

In den vergangenen Monaten war im ganzen Land ein deutlicher Anstieg der Gewalt verzeichnet worden. Trotz der Vorbereitungen für die geplanten Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Taliban sind nach Angaben der Vereinten Nationen in der ersten Jahreshälfte mehr als 1200 Zivilisten durch Kampfhandlungen ums Leben gekommen, darunter auch Kinder. Diese Zahl sei zwar niedriger als in den vergangenen Jahren, so Farhan Haq, der stellvertretende Sprecher des UN-Generalsekretärs in einer Video-Botschaft. Afghanistan bleibe weltweit aber einer der tödlichsten Konflikte für die Zivilbevölkerung.

Es gab weniger zivile Opfer als im Vorjahreszeitraum, vor allem, weil die internationalen Streitkräfte in Afghanistan ihre Operationen reduziert haben und weil es weniger Anschläge des Islamischen Staates gab. Nach dem jüngsten Bericht der UN-Mission in Afghanistan UNAMA gilt das nicht für die Regierungstruppen und die Taliban. Die Leiterin der UNAMA, Deborah Lyons ruft deshalb alle Seiten dazu auf, die Kämpfe einzustellen und an den Verhandlungstisch zu kommen.

Kabuls Märkte werden kaum besucht

Das Opferfest ist in diesem Jahr auch von einer Gefahr der ganz anderen Art überschattet. Die Corona-Pandemie sorgt dafür, dass auf den Märkten in Kabul viel weniger Betrieb herrscht, als normalerweise, wie auf Filmmaterial der Nachrichtenagentur AP zu sehen war.

Für viele Schafe und Ziegen, die anlässlich des Opferfestes zur Schlachtbank geführt werden, gab es in diesem Jahr keine Käufer. Das Geschäft sei schlecht, klagte ein Schafhändler, der seine Tiere nur schwer loswerden konnte. "Durch den Corona-Lockdown haben viele Leute ihre Arbeit verloren. Normalerweise würde man zum Opferfest viele Kunden erwarten, aber hier ist kaum was los und das Geschäft läuft schlecht."

Corona-Angst wegen Opferfest

Die afghanischen Behörden befürchten, dass wegen des Opferfestes, bei dem traditionell Familien und Freunde zusammenkommen, die Zahl der Corona-Infektionen ansteigen könnte. Offiziell gibt es zurzeit knapp 36.000 Fälle im ganzen Land.

"Die Verbreitung des Virus in unserem Land hat sich stabilisiert und wenn die Leute kooperativ sind und sich in den nächsten Wochen an die Maßnahmen halten, können wir vielleicht sogar einen Rückgang der Infektionen erreichen", sagt Akmal Samsor, der Sprecher des afghanischen Gesundheitsministeriums. "Aber jetzt ist Eid-al Adha und da kann es schon passieren, dass die Zahlen nach den Feiertagen wieder hochgehen."

Auch der Präsident des afghanischen Ärzteverbandes, Sayed Khalid Rashid, rief zur Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen auf. Im afghanischen Fernsehen sagte er, andernfalls drohe dem Land eine Katastrophe.

Viele Tote bei Autobombenanschlag in Afghanistan: Dreitägige Feuerpause in Kraft getreten
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
31.07.2020 09:49 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 31. Juli 2020 um 07:32 Uhr.

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