Der frühere Warlord Hekmatyar bei der Registrierung zum Präsidentschaftskandidaten | Bildquelle: REUTERS

Afghanistan Der "Schlächter" will ins Präsidentenamt

Stand: 20.01.2019 11:40 Uhr

Seine Einheiten legten Kabul in Schutt und Asche, Zehntausende Menschen starben in den Kämpfen. Nun will der berüchtigte Warlord Hekmatyar Präsident werden und spricht vom friedlichen Wandel.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Der "Schlächter von Kabul" wurde er genannt: Gulbuddin Hekmatyar, einer der am meisten gefürchteten Warlords Afghanistans. Kurz vor Ende der Registrierungsfrist hat auch er seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahl in diesem Jahr bekannt gegeben. Am Wochenende reichte er bei der Nationalen Wahlkommission die Unterlagen für die Registrierung ein.

Er wolle Frieden bringen, sagte er im afghanischen Fernsehen. Die jetzige Regierung sei für den anhaltenden Krieg verantwortlich. Das System müsse geändert werden, aber auf friedliche Weise.

Ex-Warlord Hekmatyar nach seiner Registrierung zum afghanischen Präsidentschaftskandidaten | Bildquelle: REUTERS
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Will Afghanistan ändern, aber nunmehr ohne Raketenbeschuss: Gulbuddin Hekmatyar

Berüchtigte Kampfgefährten

Hekmatyar ist der Anführer der islamistischen Organisation Hezb-i-Islami. Er hatte nach Beginn der militärischen Intervention der USA im Jahr 2001 auch mit den Taliban und der Terrororganisation Al Kaida kooperiert.

Im langjährigen Bürgerkrieg in Afghanistan in den 1990er-Jahren soll er für zahlreiche Kriegsverbrechen und Menschenrechtsverletzungen verantwortlich gewesen sein.

Vor rund anderthalb Jahren war er nach jahrzehntelangem Exil nach Kabul zurückgekehrt. Afghanistans Präsident Ashraf Ghani hatte ihm Amnestie gewährt, und auch die Vereinten Nationen hoben die gegen Hekmatyar verhängten Sanktionen auf.

Positives Echo auf Rückkehr

Obwohl sich viele Afghanen mit Schrecken an die Zeit des Bürgerkriegs erinnern und an die Brutalität der verschiedenen Warlords, von denen Hekmatyar als der schlimmste galt, wurde seine Rückkehr im August 2017 auch von vielen Einwohnern von Kabul begrüßt.

"Wir vergessen einfach die Vergangenheit und blicken in die Zukunft", sagte ein Bürger damals und äußerte die Hoffnung, dass sich die Fehler der Vergangenheit nicht wiederholen. Denn die hätten zum Bürgerkrieg geführt, in dem alles zerstört wurde.

Und ein anderer Mann betonte, alle Führer seien für die Zerstörung von Kabul verantwortlich, nicht nur Hekmatyar. Dass er zurückkomme und Frieden wolle, sei doch eine gute Nachricht.

Viele Kandidaten

Der heute 69 Jahre alte Hekmatyar ist der neunte Kandidat für die Präsidentschaftswahl, die im Juli stattfinden soll. Auch der frühere afghanische Sicherheitsberater Mohammed Hanif Atmar hatte sich in den vergangenen Tagen als Präsidentschaftskandidat registrieren lassen. Er rief die Taliban auf, sich an Verhandlungen zur Beendigung des Kriegs zu beteiligen.

Auch Amtsinhaber Ashraf Ghani hat seine erneute Kandidatur angemeldet, ebenso wie Regierungschef Abdullah Abdullah.

Warlord Hekmatyar - Kandidat für Präsidentschaftswahl in Afghanistan
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
20.01.2019 11:10 Uhr

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Über dieses Thema berichtet NDR Info am 20. Januar 2019 um 13:00 Uhr im Mittagsecho.

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