Sicherheitskräfte in Kabul | Bildquelle: AP

Afghanistan Taliban wollen Feuerpause nicht verlängern

Stand: 17.06.2018 14:01 Uhr

Die Taliban verlängern ihre Feuerpause in Afghanistan nicht. Die Waffenruhe werde wie geplant am Abend enden, so ein Taliban-Sprecher. Präsident Ghani hatte gestern die Feuerpause um neun Tage verlängert.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Während sich in Afghanistan der letzte Tag des muslimischen Festes Eid al-Fitr, das am Ende des Ramadan begangen wird, dem Ende neigt, wächst die Sorge, dass es danach wieder zu Gewalt kommen könnte. Die Waffenruhe werde wie geplant am Sonntagabend enden, teilte ein Taliban-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP mit.

Der afghanische Friedensrat hatte heute die Taliban dazu aufgerufen, die Kämpfe auch nach den Feiertagen ruhen zu lassen und so dem Beispiel der Regierung zu folgen. Präsident Ashraf Ghani hatte die Feuerpause mit den Taliban gestern einseitig um neun Tage verlängert und verwundeten Taliban-Kämpfern medizinische Versorgung angeboten:

"Ich habe den afghanischen Streitkräften und Sicherheitskräften befohlen, die Feuerpause über das Fest Eid al-Fitr hinaus zu verlängern. Einzelheiten werden  noch bekannt gegeben. Trotzdem sollten alle Sicherheitskräfte wachsam sein, gegenüber möglichen Angriffen gegen unser Land und unser Volk. Die Taliban rufe ich dazu auf, die Feuerpause ebenfalls zu verlängern. Wir werden während dieser Zeit verwundeten Taliban-Kämpfern medizinische und humanitäre Hilfe leisten und Gefangenen Kontakt mit ihren Familien ermöglichen."

Unglaubliche Szenen überall im Land

Am Samstag hatten sich überall im Land unglaubliche Szenen abgespielt: Afghanische Soldaten und Taliban-Kämpfer waren friedlich zum Feiern zusammengekommen, hatten sich in den Armen gelegen und Selfies gemacht.

Für manche Afghanen wirkte das plötzliche Auftauchen der Taliban in den Städten auch beängstigend. Vielerorts waren die bärtigen Männer mit ihren schwarzen Turbanen schon lange nicht mehr zu sehen gewesen.

"Die Amerikaner bekämpfen wir immer und überall"

In Ghazni, einer Stadt südlich von Kabul, machte ein Taliban-Kämpfer inmitten der friedlichen und ausgelassenen Stimmung deutlich, dass die Taliban weiter kämpfen würden - vor allem gegen die ausländischen Truppen in Afghanistan:

"Wir haben kein Problem mit den afghanischen Streitkräften und der Polizei. Wir kämpfen, weil ausländische Truppen in unserem Land sind. Die Amerikaner bekämpfen wir immer und überall - auch heute, wenn wir welche sehen. Und auch nach dem Ende der Feuerpause. Es geht uns nur um die ausländischen Truppen."

In der afghanischen Provinz Nangarhar war am Samstag bei einem solchen Friedenstreffen zwischen den Taliban und afghanischen Soldaten eine Autobombe explodiert. Die Zahl der Toten wurde inzwischen mit 36 angegeben. 65 Menschen seien verletzt worden, hieß es. Für den Anschlag hat die Terrormiliz "Islamischer Staat" die Verantwortung übernommen. Sie war von dem Friedensangebot von Präsident Ghani ausdrücklich ausgenommen.

Offenbar keine Verlängerung der Feuerpause
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu Delhi
17.06.2018 13:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 17. Juni 2018 Deutschlandfunk um 13:20 Uhr und tagesschau24 um 15:00 Uhr.

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