Reagenzgläser mit der Aufschrift „Affenpockenvirus positiv und negativ“ | REUTERS

Früher nicht betroffene Staaten WHO meldet mehr als 1000 Affenpocken-Fälle

Stand: 08.06.2022 17:07 Uhr

Seit Mai hat die WHO mehr als 1000 Fälle von Affenpocken in bisher nicht betroffenen Ländern verzeichnet. Für Deutschland meldete das RKI insgesamt 113 Infektionen - am Vortag hatte die Zahl bei 80 gelegen.

Die Zahl der gemeldeten Affenpocken-Fälle in bislang nicht betroffenen Ländern ist seit Mai auf mehr als 1000 gestiegen. Das sagte der Direktor der Weltgesundheitsorganisation (WHO), Tedros Adhanom Ghebreyesus. Es bestehe die reale Gefahr, dass sich Affenpocken in diesen Ländern festsetzten, in denen das Virus nicht endemisch sei. Dies sei aber vermeidbar, so Tedros. In dem gegenwärtigen Ausbruch des Virus, der im Mai begann, hätten 29 Länder Fälle gemeldet.

Nach Angaben der WHO ist nicht klar, ob eine Infektion - anders als bei den 1980 ausgerotteten Pocken - lebenslange Immunität gibt. Es seien aus Afrika Fälle bekannt, in denen sich Menschen nach einer Genesung erneut infiziert hätten, sagte die Affenpocken-Expertin Rosamund Lewis.

In Deutschland 113 Fälle bekannt

Für Deutschland meldete das Robert Koch-Institut (RKI) bisher 113 Ansteckungen. "Alle dem RKI übermittelten Fälle in Deutschland sind Männer", sagte eine Sprecherin. Am Dienstag waren der Behörde bundesweit 80 Fälle bekannt gewesen.

Ein großer Teil der gemeldeten Ansteckungen geht auf die Hauptstadt zurück: Die Berliner Gesundheitsverwaltung wies mit Stand Dienstagabend 72 Betroffene aus, von denen 13 im Krankenhaus behandelt würden. Deutschland scheint bisherigen Daten zufolge neben Ländern wie Großbritannien, Spanien und Portugal zu den europäischen Ländern mit besonders vielen Virus-Nachweisen zu zählen.

Das Virus wird meist durch engen Körperkontakt übertragen. Nach den ersten Nachweisen hierzulande hatte es in einem Bericht des Bundesgesundheitsministeriums geheißen, dass auch in Berlin Partyveranstaltungen, "bei denen es zu sexuellen Handlungen kam", als Orte gelten, wo Menschen dem Virus ausgesetzt waren.

WHO prüft Impfstoff-Mengen

Die WHO prüft zur Zeit, wie viel Impfstoff gegen Pocken weltweit vorhanden ist. Länder hätten immer Vorräte gehabt, um sich gegen einen möglichen neuen Ausbruch zu wappnen. Weil es sich um dieselbe Virenfamilie handelt, ist dieser Impfstoff nach WHO-Angaben auch gegen Affenpocken effektiv.

Die Organisation geht davon aus, dass genügend Impfstoff vorhanden ist, um die jetzigen Ausbrüche einzudämmen. Mehr Impfstoff sei aber nötig, sollte die Zahl der Fälle stark steigen, sagte WHO-Expertin Sylvie Briand. Die WHO sei mit Impfstoffherstellern im Gespräch über Kapazitäten.

"Bedauerliches Spiegelbild der Welt"

Affenpocken gelten als weniger schwere Erkrankung als Pocken. Zu den Symptomen der Krankheit gehören Fieber, Kopfschmerzen und Hautausschläge, die meist im Gesicht beginnen und sich auf den Rest des Körpers ausbreiten.

WHO-Chef Tedros erinnerte daran, dass der erste Fall von Affenpocken bei einem Menschen bereits 1970 in Afrika nachgewiesen wurde und die Erreger dort schon lange zirkulieren. Auf dem Kontinent hätten sich seit Anfang des Jahres mehr als 1400 Menschen infiziert und 66 seien gestorben. "Es ist bedauerliches Spiegelbild der Welt, in der wir leben, dass die internationale Gemeinschaft den Affenpocken erst jetzt Aufmerksamkeit schenkt, weil sie in Ländern mit hohem Einkommen aufgetreten sind", sagte Tedros.