Diese vom Robert Koch-Institut (RKI) zur Verfügung gestellte elektronenmikroskopische Aufnahme zeigt das Affenpockenvirus. | dpa

Fälle in europäischen Ländern RKI warnt vor Affenpocken

Stand: 19.05.2022 02:04 Uhr

Die ersten Fälle von Affenpocken waren in Großbritannien entdeckt worden - nun meldeten unter anderem auch die USA, Spanien und Portugal mehrere mit dem Virus Infizierte. Das RKI mahnt nun die deutschen Ärzte zur Achtsamkeit.

Nach mehreren Fällen in Großbritannien sind die Affenpocken auch in Spanien und Portugal nachgewiesen worden. In der spanischen Hauptstadt Madrid infizierten sich acht Menschen mit dem Virus, wie die Nachrichtenagentur Europa Press unter Berufung auf die Gesundheitsbehörden meldete. Normalerweise wird das Virus über die Luft übertragen. In diesen Fällen aber gingen die Experten von einer Infektion durch Flüssigkeiten aus, weil es sich bei allen acht Patienten um homosexuelle Männer handele. Ihnen gehe es den Umständen entsprechend gut.

Auch in Portugal waren vor allem Männer betroffen, die Sexualkontakte zu anderen Männern hatten, meldete die Nachrichtenagentur Lusa. Die Zeitung "Público" berichtete von etwa 20 Infizierten.

Auch die USA meldeten einen ersten Fall. Die Krankheit sei bei einem Bewohner aus dem Bundesstaat Massachusetts im Nordosten des Landes registriert worden, teilte die Gesundheitsbehörde CDC am Mittwoch mit. Die Person sei kürzlich nach Kanada gereist - das Virus sei aber in den Vereinigten Staaten festgestellt worden.

Affenpocken bislang in Afrika bekannt

Schon vor den neuen Informationen aus Spanien und Portugal hatte das Robert Koch-Institut (RKI) auch Ärzte in Deutschland für die Virusinfektion sensibilisiert. In einem vom RKI veröffentlichten Beitrag heißt es, Affenpocken sollten auch dann bei unklaren pockenähnlichen Hautveränderungen als mögliche Ursache in Betracht gezogen werden, wenn die Betroffenen nicht in bestimmte Gebiete gereist seien.

Affenpocken waren bislang vor allem aus einigen Regionen Afrikas bekannt. Männer, die Sex mit Männern haben, sollten laut RKI bei ungewöhnlichen Hautveränderungen "unverzüglich eine medizinische Versorgung aufsuchen".

Britische Gesundheitsbehörde registrierte sieben Fälle

In Großbritannien hatte sich die Zahl der erfassten Fälle der seltenen Erkrankung nach Angaben der Gesundheitsbehörde UK Health Security Agency (UKHSA) von Montag auf sieben erhöht. Verbindungen zwischen Betroffenen sind nur teilweise bekannt. Teils sei unklar, wo sich Betroffene angesteckt haben.

Bei vier jüngst gemeldeten Fällen handele es sich ebenfalls um Männer, die sexuellen Kontakt mit anderen Männern hatten. Sie sollen sich in London angesteckt haben.

Die erste Infektion, die Anfang Mai in Großbritannien bekannt geworden war, soll hingegen auf eine Ansteckung in Nigeria zurückgehen. Daraufhin hatten britische Experten betont, dass die Affenpocken nicht leicht von Mensch zu Mensch übertragen würden und dass das Risiko für die Allgemeinbevölkerung sehr gering sei.

Meist milde Symptome

Die Virus-Erkrankung ruft nach Angaben der UKHSA meist nur milde Symptome hervor, kann aber auch schwere Verläufe nach sich ziehen. Ansteckend seien nur symptomatisch Erkrankte bei engem Kontakt. Nach UKHSA-Angaben zählen zu den ersten Krankheitsanzeichen: Fieber, Kopf-, Muskel- und Rückenschmerzen, geschwollene Lymphknoten, Schüttelfrost und Erschöpfung. Es könne sich ein Ausschlag entwickeln, der sich oft ausgehend vom Gesicht auf andere Körperteile ausbreite. Der Ausschlag sehe je nach Phase unterschiedlich aus und könne Windpocken und Syphilis ähneln. Es gibt keine spezifische Therapie und keine Impfung gegen Affenpocken.

Die Pocken des Menschen gelten seit 1980 nach einer großen Impfkampagne weltweit als ausgerottet. Wie das RKI erläutert, schützt die Pocken-Impfung auch vor Affenpocken, ist jedoch nach WHO-Empfehlungen wegen der möglichen Nebenwirkungen gegenwärtig nicht indiziert. Weite Teile der Weltbevölkerung haben den Angaben nach mittlerweile keinen Impfschutz mehr. In Nigeria würden nun seit 2017 vermehrt Affenpocken-Infektionen beim Menschen diagnostiziert - und Fälle in Verbindung mit Reisen dorthin vor allem im Vereinigten Königreich.

Virus zuletzt 2018 außerhalb Afrikas identifiziert

Fachleute vermuten, dass der Erreger der Affenpocken in Nagetieren zirkuliert, Affen gelten als sogenannte Fehlwirte. "Infektionen können durch Kontakt mit Sekreten infizierter Tiere übertragen werden", heißt es im RKI-Bericht.

Übertragungen von Mensch zu Mensch durch Kontakte mit Körperflüssigkeiten oder Krusten seien mit Infektionsketten von bis zu sechs Menschen beschrieben. In einem Fachartikel von 2019 hielten drei RKI-Mitarbeiter fest: "Außerhalb von Afrika wurden Affenpocken bei Menschen lediglich dreimal identifiziert: im Jahr 2003 in den USA und im Jahr 2018 im Vereinigten Königreich und Israel".

Die meisten Menschen - über 30 Fälle wurden erfasst - steckten sich demnach in mehreren US-Bundesstaaten an. In die USA sei das Virus mit dem Transport 800 kleiner Säugetiere aus Ghana eingeschleppt worden. Die Betroffenen sollen sich nicht direkt bei diesen Tieren angesteckt haben, sondern durch Kontakt zu Präriehunden, die vor ihrem Weiterverkauf in der Nähe der ghanaischen Tiere gehalten worden waren.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 20. Mai 2022 um 14:00 Uhr.