Die im Suezkanal auf Grund gelaufene "Ever Given". | EPA

Nach Suezkanal-Blockade Behörde belastet Kapitän der "Ever Given"

Stand: 31.05.2021 16:39 Uhr

Nach der Blockade des Suezkanals wird weiter darüber gestritten, wer für die Havarie der "Ever Given" verantwortlich war. Die Kanalbehörde weist nun dem Kapitän die Schuld zu: Er habe zu viele Befehle in zu kurzer Zeit gegeben.

Im Streit über die Blockade des Suezkanals durch das Containerschiff "Ever Given" im März hat die Kanalbehörde den Kapitän des Frachters direkt für die folgenschwere Havarie verantwortlich gemacht.

"Laut Aufzeichnungen drehte das Schiff bei der Einfahrt des Kanals nach rechts, und der Kapitän wollte es zurück zur Mitte lenken", sagte Sajid Schaischa, führender Ermittler der Kanalbehörde, der Nachrichtenagentur dpa zufolge. "Er gab zu viele Befehle in sehr kurzer Zeit, etwa acht Befehle in zwölf Minuten, was dem Schiff nicht genug Zeit zur Ausführung lässt. Das Schiff ist sehr groß und es reagiert langsam." Technische Probleme habe es nicht gegeben.

Schaischa hatte sich am Sonntag in der ägyptischen Stadt Ismailia vor Journalisten geäußert. Ein Wirtschaftsgericht befasst sich dort mit der tagelangen Blockade der wichtigen Wasserstraße. Die "Ever Given", eines der größten Containerschiffe der Welt, lief dort im März auf Grund und blockierte den Kanal sechs Tage lang. 

"Ever Given" bleibt beschlagnahmt

Die Kanalbehörde fordert wegen wirtschaftlicher Verluste, der Arbeiten zur Freilegung des Frachters und Schäden am Kanal rund 550 Millionen Dollar Entschädigung. Sie hat die "Ever Given" beschlagnahmt und will die Weiterfahrt erst bei einer Einigung erlauben. Das Wirtschaftsgericht in Ismailia vertagte das Verfahren am Samstag nach einer Anhörung um rund drei Wochen.

Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen habe die Kanalbehörde unter anderem an die Internationale Seeschifffahrts-Organisation (IMO) mit Sitz in London sowie an die japanischen Eigentümer geschickt, hieß es. Die Anwälte der japanischen Eigentümer argumentieren in dem Fall, der Fehler liege bei der Kanalbehörde. Diese hätte der "Ever Given" die Durchfahrt durch den Suezkanal wegen des schlechten Wetters gar nicht erlauben dürfen.

Die Vermutung, dass starker Seitenwind möglicherweise zu dem Unfall führte, wiesen die Vertreter der Kanalbehörde zurück. Vor Einfahrt der "Ever Given" hätten mehrere Schiffe mit ähnlicher Ladung und Größe den Kanal erfolgreich durchfahren.