Logo der FAA | MICHAEL REYNOLDS/EPA-EFE/REX

Nach Boeing-Abstürzen Vorwürfe gegen US-Flugaufsicht

Stand: 22.03.2019 08:56 Uhr

Nach den Abstürzen von zwei Flugzeugen des Typs Boeing 737 Max gibt es offenbar Zweifel an der Sorgfalt der US-Flugaufsicht FAA. Die US-Regierung prüft laut Medienberichten das Zulassungsverfahren.

Die US-Regierung befasst sich Medienberichten zufolge bereits seit dem ersten Absturz einer Boeing 737 Max im Oktober mit der Zulassung des neuen Modells durch die US-Flugaufsicht FAA. Das Verkehrsministerium untersuche dabei die Frage, ob die FAA geeignete Standards und Analysen bei der Zulassung des neuen Kontrollsystems MCAS genutzt habe, berichtete das "Wall Street Journal".

Die "Seattle Times" meldet, dass es zu groben Verstößen in der Entwicklung und Zulassung des Flugzeugtyps, vor allem des Flugkontrollsystems, gekommen sei. Boeing habe die Flugaufsichtsbehörde 2015 gedrängt, Sicherheitsaspekte bei der Prüfung an die Flugzeugbauer selbst zu delegieren und die Analyseergebnisse schnell zu billigen.

Die Behörden prüfen, ob das sogenannte Maneuvering Characteristics Augmentation System, kurz MCAS, die Ursache für die Abstürze war. Laut "Wall Street Journal" ist es sehr ungewöhnlich, dass Bundesstaatsanwälte Details von Zulassungsverfahren von Entwicklungen einer Fluglinie prüfen.

Beim Absturz der Lion-Air-Boeing waren 189 Menschen getötet worden. Vor einer Woche war eine zweite Maschine des Typs in Äthiopien abgestürzt. Dabei starben 157 Menschen.

Parallelen im Flugverlauf nach Start beider Maschinen

Grafik vertikale Geschwindigkeit Flug Lion Air |

Der Flugverlauf bei den beiden abgestürzten Boeing 737 MAX ähnelte sich. Experten vermuten, dass die Piloten der Lion-Air-Maschine, die im Oktober in Indonesien verunglückt war, den Kampf mit dem Kontrollsystem MCAS verloren.

Grafik vertikale Geschwindigkeit Flug Ethiopian Airlines  |

Ähnlich könnte es nach bisherigen Erkenntnissen den Piloten der Ethiopian-Airlines-Maschine gegangen sein, die im März abstürzte. Das MCAS-Kontrollsystem ist eine Software, die den Strömungsabriss verhindern soll.

Zwischen den Flugschreiber-Daten der beiden Maschinen gibt es laut der äthiopischen Verkehrsministerin deutliche Parallelen. Nach den bisherigen Erkenntnissen aus den gesicherten Daten gebe es eine "klare Ähnlichkeit" zwischen beiden Fällen, sagte Dagmawit Moges. Die Flugschreiber seien in gutem Zustand und hätten die Auswertung "von fast allen erfassten Daten" ermöglicht, erklärte Moges weiter. Die Flugschreiber der am vergangenen Sonntag abgestürzten Maschine der Fluggesellschaft Ethiopian Airlines waren von der französischen Luftsicherheitsbehörde BEA ausgelesen worden.

Nach dem jüngsten Crash erließen Luftfahrtbehörden rund um die Welt bis zur Klärung der Unglücksursache ein Flugverbot für die Boeing 737-Max-Reihe. Die rund 370 seit 2017 ausgelieferten Flugzeuge müssen daher am Boden bleiben. Auch das Unternehmen Boeing sprach die Empfehlung aus, alle Maschinen des Typs vorsorglich am Boden zu halten.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. März 2019 um 20:00 Uhr.