Helfer an der Absturzstelle in Äthiopien | Bildquelle: dpa

Flugzeugunglück in Äthiopien Aufklärung wird wohl Monate dauern

Stand: 11.03.2019 20:59 Uhr

Nach dem tödlichen Absturz einer Passagiermaschine in Äthiopien suchen Experten nach der Unglücksursache. Die Blackbox wurde gefunden. Doch die Aufklärung wird wohl Monate dauern.

Von Linda Staude, ARD-Studio Nairobi

Mit einer Schweigeminute zum Auftakt haben die Vereinten Nationen ihren Umweltgipfel in Nairobi begonnen. Mit der Geste gedachten die Konferenz-Teilnehmer der Opfer des Flugzeugabsturzes in Äthiopien.

"Zuerst möchte ich gemeinsam mit dem Vorsitzenden Minister Kissler unser tief empfundenes Beileid ausdrücken für die Opfer und alle Betroffenen der Tragödie dieses Absturzes", sagte die kommissarische Chefin des UN-Umweltprogramms UNEP, Joyce Msuya. 22 Mitarbeiter verschiedener UN-Organisationen kamen bei dem Unglück ums Leben. Insgesamt starben 157 Menschen.

Teilnehmer der Konferenz des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (Unep) in Nairobi gedenken der Opfer des Flugzeugabsturzes | Bildquelle: AFP
galerie

Teilnehmer der UNEP-Konferenz in Nairobi. 22 Mitarbeiter verschiedener UN-Organisationen kamen bei dem Flugzeugunglück in Äthiopien ums Leben.

Psychologische Betreuung für die Hinterbliebenen

"Unser Fokus war und ist neben der Untersuchung der Unglücksursache das Wohlergehen der Familien und Freunde der Opfer", sagte der kenianische Verkehrsminister James Macharia. "Deshalb haben wir ein Team im Einsatz, das psychologische Betreuung und andere Unterstützung für sie anbietet."

Die Todesopfer stammen aus über 30 Staaten. Unter ihnen sind auch fünf deutsche Staatsbürger. Aber die meisten waren Kenianer.

Eine Familie aus Homa Bay in Westkenia verlor ihre erwachsene Tochter. "Wir sind sehr traurig", sagte die Mutter. Mehr könne sie dazu nicht sagen, weil sie sonst weinen müsse. "Wir beten, dass Gott unsere Familie schützen möge, weil es eine sehr schwere Zeit für uns ist."

Staatstrauertag in Äthiopien

Äthiopien erklärte den Tag nach dem Unglück zum Staatstrauertag. Unterdessen begannen Experten an der Absturzstelle damit, die Überreste der Boeing 737 Max 8 zu bergen. "Es sieht hier so aus, als wäre die Maschine unter die Erde getaucht", sagte Wang Guanghui. Er arbeitet für die chinesische Eisenbahnfirma, die in Äthiopien eine neue Bahnlinie baut und bei den Sucharbeiten hilft. "Die Flügel sind abgebrochen und überall verstreut. Die Leute von der Fluggesellschaft haben gesagt, der Rumpf sei in diesem Loch begraben. Im Moment graben wir, um herauszufinden, was passiert ist."

Mittlerweile fanden die Ermittler sowohl den Flugdatenschreiber als auch den Stimmrekorder aus dem Cockpit. Ihre Auswertung und die Aufklärung des Unglücks wird voraussichtlich Monate dauern. "Wir kennen die Ursache des Unfalls nicht", sagte der Chef von Ethiopian Airlines, Tewolde Gebremariam. "Aber wir werden uns genau an die internationalen Vorschriften halten." Ein Vertreter des Herstellers Boeing sowie der US-amerikanischen Verkehrsbehörde NTSB und der äthiopischen Luftfahrtbehörde würden kommen. "Das sind die richtigen Organisationen für eine solche Untersuchung", so Gebremariam.

Helfer an der Absturzstelle in Äthiopien | Bildquelle: dpa
galerie

Helfer an der Absturzstelle der Boeing 737 Max 8 in Äthiopien. "Die Flügel sind abgebrochen und überall verstreut."

Maßnahme zur zusätzlichen Sicherheit

Trotz dieser Unklarheiten gibt es eine Debatte über die Sicherheit der Boeing 737 Max 8, die das Unternehmen erst seit gut zwei Jahren baut. Yilma Goshu von Ethiopian Airlines in Kenia sagte, dass das Unternehmen "für unsere gesamte Flotte von Boeing 737 Max 8 ein Startverbot erteilt" habe. "Das ist eine Vorsichtsmaßnahme", so Goshu. Es bedeute nicht, dass der Unfall etwas mit Fehlern an diesen Flugzeugen zu tun habe. "Wir haben diese Maßnahme zur zusätzlichen Sicherheit ergriffen."

Die Flugsicherheitsbehörden von China und Indonesien haben ihren Airlines ein Startverbot für das Boeing-Modell erteilt. Cayman Airways hat ebenfalls beschlossen, Flugzeuge dieses Typs bis auf weiteres am Boden zu lassen. Im Gegensatz dazu haben andere Airlines wie Flydubai oder die deutsch-britische Fluggesellschaft Tuifly beschlossen, die 737 Max 8 weiter einzusetzen, da es derzeit keine begründeten Zweifel an ihrer Flugfähigkeit gebe.

Tageszusammenfassung nach Flugzeugabsturz in Äthiopien
Linda Staude, ARD Nairobi
11.03.2019 19:52 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 11. März 2019 um 20:00 Uhr.

Korrespondentin

Darstellung: