Abgeschobene Afghanen kommen in Kabul an | Bildquelle: dpa

Abschiebeflug nach Kabul Das Leid der Rückkehrer

Stand: 08.01.2019 10:42 Uhr

Deutschland hat trotz der prekären Lage erneut Asylbewerber nach Afghanistan abgeschoben. Die insgesamt 36 abgelehnten Asylbewerber landeten am Vormittag in Kabul.

Von Bernd Musch-Borowska, ARD-Studio Südasien

Die Ankunft in Kabul verläuft für die meisten abgeschobenen Afghanen ähnlich. Am Flughafen bekommen sie in der Regel eine Liste mit Kontaktdaten der Internationalen Organisation für Migration (IOM), die den Rückkehrern Unterkünfte für den Anfang vermittelt.

Außerdem erhalten sie von der IOM Informationen über mögliche finanzielle Hilfen für den Neuanfang in der alten, meist fremd gewordenen Heimat. So gewährt die Bundesregierung in bestimmten Fällen sogenannte Wiedereingliederungshilfen für Rückkehrer aus Deutschland.

"Ich war total schockiert"

Der Anfang sei das Schwierigste, sagte Matiullah, der bereits vor einigen Jahren abgeschoben wurde, nachdem er sieben Jahre lang in Hessen gelebt hatte - fast seine ganze Jugend.

Er sei kein Straftäter gewesen, klagte Matiullah und habe nie verstanden, warum er abgeschoben wurde. "Ich habe immer versucht, mein Bestes zu geben. Ich habe die Schule besucht, meinen Hauptschulabschluss gemacht und danach ein Jahr eine Ausbildung in der Gastronomie. Ich habe als Pizzabäcker gearbeitet und dann so etwas. Das hätte ich nie erwartet. Ich war total schockiert und weiß nicht, wieso ich abgeschoben wurde."

Seit Dezember 2016 wurden bei 19 Sammelabschiebungen fast 440 Afghanen aus Deutschland nach Kabul zurückgebracht - obwohl die Sicherheitslage in ganz Afghanistan schwierig ist. Selbst in der Hauptstadt verüben die Taliban immer häufiger Anschläge.

"Man wird krank"

Auch den abgeschobenen Afghanen aus Deutschland macht die Sicherheitslage zu schaffen. Arash hatte fünf Jahre im sicheren Deutschland gelebt, bevor er mit einem der ersten Abschiebeflüge nach Kabul zurück gebracht wurde.

Arash erzählt: "Immer habe ich Angst. Du kannst zum Beispiel bis 16 Uhr draußen bleiben, danach kannst Du nichts mehr machen. Immer zu Hause, immer zu Hause - man wird krank."

Protest an einer Berufsschule gegen die Abschiebung eines afghanischen Mitschülers | Bildquelle: dpa
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Mai 2017: Die Polizei geht in Nürnberg gegen Schüler vor, die mit einer Sitzblockade und Demonstration die Abschiebung des Berufsschülers Asef N. in sein Herkunftsland Afghanistan verhindern wollen. Der Abschiebeflug hob letztendlich nicht ab.

Die Angst ist nicht unbegründet

Erst am Wochenende hatten die Taliban im Westen Afghanistans 15 Staatsbedienstete, die auf dem Weg zur Arbeit waren, gefangen genommen und verschleppt. Bei einem Überfall von Taliban auf eine Polizei- und Armeebasis in der nordwestlichen Provinz Badghis wurden in den vergangenen Tagen 14 Polizisten und sieben Mitglieder einer regierungsnahen Miliz getötet.

In der Provinz Paktia  im Südosten Afghanistans starben sechs Zivilisten, als sie eine am Straßenrand gefundene Bombe in einem Auto zur Armeebasis bringen wollten, um sie entschärfen zu lassen - der Sprengsatz explodierte.

Abschiebeflug in Kabul - Anfang ist das Schwierigste
Bernd Musch-Borowska, ARD Neu-Delhi
08.01.2019 08:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. Januar 2019 um 06:20 Uhr.

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