Genscher auf dem Balkon Prager Botschaft 1989 | Bildquelle: dpa

30 Jahre Prager Botschaft "... dass heute Ihre Ausreise ..."

Stand: 28.09.2019 17:41 Uhr

In Prag ist an die Ausreise von rund 4000 DDR-Bürgern aus der Botschaft der Bundesrepublik vor 30 Jahren erinnert worden. Es gab ein emotionales Wiedersehen - und eine Mahnung an Europa.

Von Kilian Kirchgeßner, ARD-Studio Prag

Beschwingte Musik spielt beim "Fest der Freiheit" - ein erleichtertes Aufatmen beim Blick 30 Jahre zurück. Mehr als 4000 DDR-Flüchtlinge drängten sich teils wochenlang in der Botschaft der Bundesrepublik in Prag - dort, wo heute die Musik spielt. Ein bisschen unwirklich sei es schon, sagt Christian Bürger, damals einer der DDR-Flüchtlinge. "Die Erinnerung lebt in uns und die können wir auch nie ablegen. Und immer wenn das Thema irgendwo präsent wird, sehen wir uns hier unten im Garten."

Prager Botschaft 1989 mit Flüchtlingszelten | Bildquelle: dpa
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Etwa 4000 DDR-Bürger hatten sich im Sommer 1989 in den Garten der Prager Botschaft der Bundesrepublik geflüchtet. Am Ende durften sie ausreisen - ihr Zug musste aber über DDR-Gebiet fahren.

Das Ziel: Freiheit

Der Garten der Botschaft war damals ein riesiges Zeltlager - Schlamm vom Septemberregen, dazu das Warten. "Das einzig Entscheidende für uns war das Ziel, alles andere musste vermieden werden, damit dieses Ziel nicht gefährdet wird. Dafür haben wir alles getan und haben zusammengehalten."

Der berühmteste Halbsatz der Geschichte

Es waren die Tage, bevor der wohl berühmteste Halbsatz der deutschen Geschichte gesprochen wurde. Außenminister Hans-Dietrich Genscher trat auf den Balkon und sprach zu den DDR-Flüchtlingen, die im Garten ausharrten. "Wir sind zu Ihnen gekommen, um Ihnen mitzuteilen, dass heute Ihre Ausreise…" - der Rest ging im Jubel unter.

Deutsche Botschaft in Prag im September 1989 | Bildquelle: picture alliance / ASSOCIATED PR
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Der damalige Außenminister Genscher und der Kanzleramtsminister Rudolf Seiters am 30. September 1989 im Garten der Botschaft, kurz nachdem Genscher seine Nachricht überbracht hat.

Der Balkon auf der Deutschen Botschaft - er ist das Ziel von vielen Tausend Besuchern, die zum "Fest der Freiheit" nach Prag gekommen sind. Unter ihnen ist auch Rudolf Seiters. Damals war er im Kanzleramt zuständig für die DDR-Flüchtlinge, später wurde er Innenminister. Am 30. September 1989 stand er neben Genscher auf dem Prager Balkon.

"Noch nie in meinem Leben so viele Tränen gesehen"

Noch heute, sagt er, denke er oft an diesen Moment. "Natürlich der Jubel, den wir auf dem Balkon hörten, als wir in diesen verschlammten, nachtdunklen Garten blickten, wo die Gesichter gar nicht zu erkennen war. Aber die Reaktion der Flüchtlinge, Freiheit für uns und unsere Kinder, war überwältigend. Und die Gespräche im Garten später. Ich habe in meinem Leben noch nie so viele Tränen gesehen, und ich selber hatte ja auch Tränen in den Augen."

"Fest der Freiheit" in Prag erinnert an DDR-Botschaftsflüchtlinge
tagesthemen 23:25 Uhr, 28.09.2019, Danko Handrick, ARD Prag

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"Wir haben sie wie Gäste behandelt"

Einer von denen, die damals auch dabei waren, ist Hans-Joachim Weber, der damals als Diplomat in der Prager Botschaft tätig war. "Wir waren ein gutes Team auch. Wir haben die Leute so behandelt, wie man Gäste behandelt. In meinen Augen waren es eben Gäste", sagt er.

Trabbi-Sternfahrt zur deutschen Botschaft in Prag | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX
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Zum "Fest der Freiheit" gehörte auch eine Trabbi-Sternfahrt. Viele Familien hatten ihren Trabbi damals einfach in der Nähe der Botschaft stehen lassen - mit steckendem Zündschlüssel.

Fachsimpeln und Erinnern: Trabbis vor der deutschen Botschaft in Prag | Bildquelle: MARTIN DIVISEK/EPA-EFE/REX
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Fachsimpeln und Erinnern: Zum Fest in der deutschen Botschaft waren viele ehemalige DDR-Bürger gekommen.

Für die DDR-Flüchtlinge von einst ist das "Fest der Freiheit" jetzt nach 30 Jahren ein großer Treffpunkt - ein Ort der Wiedersehensfreude. Der frühere Diplomat Hans-Joachim Weber: "Ich habe hier heute bestimmt 30, 40 Menschen getroffen, die damals Gäste waren. Freunde waren damals im fünften Monat schwanger, da ist der Sohn heute 30 Jahre alt. Es ist wie früher - ich habe richtig Gänsehaut."

Rudolf Seiters, der frühere Innenminister, schlug bei den Gedenkfeierlichkeiten den Bogen in die Gegenwart. Mit Blick auf die Euphorie vor 30 Jahren wünsche er sich für heute vor allem eins: "Dass diese Stimmung des Aufbruchs und der Zuversicht wieder vorrangig das Bild Europas kennzeichnet, wo wir doch auch manche nationale Egoismen verspüren."

Fest der Freiheit in Prag
Kilian Kirchgessner, ARD Prag
28.09.2019 17:00 Uhr

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Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 28. September 2019 um 17:00 Uhr.

Korrespondent

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Kilian Kirchgeßner, DLR/DLF

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