Champagner wird bei der der Berliner Modewoche angeboten. (Archivbild) | Bildquelle: dpa

World Wealth Report Reiche wurden vor Corona-Krise reicher

Stand: 09.07.2020 09:44 Uhr

Das weltweite Privatvermögen hat im vergangenen Jahr deutlich zugenommen. Dazu trugen bis zur Corona-Krise auch gestiegene Aktienkurse bei. Ob der Boom in diesem Jahr so weitergeht, ist aber unsicher.

Die Reichen und Superreichen sind mit einem kräftigen Finanzpolster in die Corona-Krise gegangen. Das geht aus einer Untersuchung des Beratungsunternehmens Capgemini hervor.

Insgesamt legte das anlagefähige - also für Investments zur Verfügung stehende - Vermögen der Dollar-Millionäre weltweit gegenüber dem Vorjahr um 8,6 Prozent auf 74 Billionen Dollar (65,58 Billionen Euro) zu. Rund um den Globus stieg die Zahl der Dollar-Millionäre im vergangenen Jahr auf 19,6 Millionen Menschen. Das waren 8,8 Prozent mehr als im Jahr 2018. Sie profitierten unter anderem vom Anstieg der Aktienkurse.

450.000 deutsche Millionäre

In Deutschland stieg die Zahl der vermögenden Privatanleger den Angaben zufolge um 8,6 Prozent auf 1,466 Millionen. Ihr Vermögen aus Aktien, festverzinslichen Wertpapieren, alternativen Investments, Bargeld sowie Immobilien, die nicht selbst genutzt wurden, stieg um 8,8 Prozent auf rund 5,48 Billionen Dollar (4,86 Billionen Euro). Zum Vergleich: Das Geldvermögen aller privaten Haushalte in Deutschland summierte sich Ende 2019 nach Angaben der Bundesbank auf rund 6,46 Billionen Euro. Dabei handelt es sich um Bargeld, Wertpapiere, Bankeinlagen sowie Ansprüchen gegenüber Versicherungen.

Einer im Juni veröffentlichten Untersuchung der Boston Consulting Group (BGC) zufolge verfügten Ende 2019 mehr als 24 Millionen Menschen über ein Vermögen von einer Million US-Dollar oder mehr. 1999 waren es noch 8,9 Millionen Menschen. Die große Mehrheit von ihnen lebt in den USA, Deutschland liegt mit rund 450.000 Millionären an siebter Stelle. Diese Zahl hat sich damit in der Bundesrepublik in den vergangenen zwei Jahrzehnten verdoppelt.

Noch weiter vorne liegt Deutschland bei Menschen, die mehr als 100 Millionen US-Dollar Vermögen haben. Mit 2400 Menschen ist das nach den USA und China dem Bericht zufolge die dritthöchste Zahl an extrem vermögenden Personen in einem Land. Die Boston Consulting Group untersucht jährlich die weltweite Entwicklung privater Finanzvermögen und bezieht Vermögenswerte in Bargeld, Aktien, Wertpapieren und Fonds in die Berechnungen mit ein.

Wenige besitzen viel

Capgemini wertet für den "World Wealth Report" statistische Daten der verschiedenen Länder sowie internationaler Organisationen wie der Weltbank aus. Immobilien werden in dem Bericht nicht berücksichtigt. Diese machen nach einer im vergangenen Herbst veröffentlichten Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) aber einen wichtigen Unterschied - neben dem Besitz eines Unternehmens oder einer Beteiligung daran. Menschen, die in den eigenen vier Wänden wohnen, profitierten vom Immobilienboom - ihr Vermögen wuchs besonders kräftig.

Laut BGC-Untersuchung halten Dollar-Millionäre weltweit mehr als die Hälfte des gesamten Finanzvermögens aus Bargeld, Aktien, Wertpapieren und Fonds. Bereinigt um Währungseffekte stieg das weltweite Privatvermögen demnach um zehn Prozent auf 226,4 Billionen US-Dollar an. Im Jahr davor war es mit 1,6 Prozent kaum gewachsen. Das persönliche Finanzvermögen stieg weltweit in den vergangenen 20 Jahren auf fast das Dreifache.

Dem DIW zufolge besaßen in Deutschland die reichsten zehn Prozent zuletzt mehr als die Hälfte des gesamten Vermögens (56 Prozent). Die ärmere Hälfte hat dagegen nur einen Anteil von 1,3 Prozent. Capgemini zufolge zählt Deutschland weiterhin zu den Ländern mit den meisten Dollar-Millionären. An der Spitze liegen erneut die USA, gefolgt von Japan, Deutschland und China. Diese Länder stehen zusammen für nahezu 62 Prozent der Vermögenden weltweit.

Einbruch durch Corona - aber schnelle Erholung

Welche Folgen die Corona-Krise hat, lässt sich den Angaben zufolge aktuell schwer abschätzen. "Die Ungewissheit ist groß", sagte Capgemini-Experte Klaus-Georg Meyer. Das Beratungsunternehmen schätzt den Rückgang des globalen Vermögens der Reichen zum Stichtag Ende April 2020 im Vergleich zu Ende Dezember 2019 auf sechs bis acht Prozent.

Ein Teil der Verluste sei durch die jüngste Erholung an den Börsen allerdings bereits aufgeholt worden. "Nach dem starken Einbruch im März gab es wieder einen erstaunlich starken Anstieg", sagte Meyer. Auch die Boston Consulting Groupp rechnet mit einem Rückgang des Wachstums für die kommenden fünf Jahre auf 1,4 bis 4,5 Prozent. Die globalen Kapitalmärkte hätten sich zwar stabilisiert, mit weiterer Unbeständigkeit sei aber zu rechnen.

Darstellung: